Vom Wolf zum Hund Der Haushund stammt aus Baden-Württemberg

Anhand von Canidae-Fossilien aus der Gnirshöhle im Südwesten Deutschlands wurde die Domestizierung von Wölfen untersucht. Zu den Canidae  gehören  Füchse,  Kojoten und Wölfe, deren domestizierte Nachfahren die Haushunde sind. Foto: Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment
Anhand von Canidae-Fossilien aus der Gnirshöhle im Südwesten Deutschlands wurde die Domestizierung von Wölfen untersucht. Zu den Canidae gehören Füchse, Kojoten und Wölfe, deren domestizierte Nachfahren die Haushunde sind. Foto: Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment

Wann wurden aus Wölfen Hunde? Tübinger Forscher vermuten, dass der Ursprung des europäischen Haushundes in Baden-Württemberg liegt. Bei ihrer Suche nach dem Vorfahren des Hundes wurden sie in der Gniershöhle bei Konstanz fündig.

Leben: Markus Brauer (mb)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Tübingen - Wann und wie genau kam der Mensch auf den Hund? Lang ist es her, dass aus Wolfsrudeln die ersten Hunde domestiziert wurden. Aber geschah das zuerst in Asien oder Europa? Nach derzeitigem Forschungsstand wurde der Hund wohl zweimal domestiziert: Er stammt demnach von zwei voneinander unabhängigen Wolfspopulationen in Europa und Asien ab, die sich später mischten. Darauf zumindest weisen Erbgutanalysen hin.

Forscher des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben die Anfänge der Domestizierung von Wölfen in Europa genauer untersucht – und sind zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Sie untersuchten mehrere Hunde Fossilien aus der Gnirshöhle in Baden-Württemberg.

In ihrer im Nature-Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlichten Studie kommen sie zu dem Schluss, dass hier vor 16 000 bis 14 000 Jahren der Übergang von Wölfen zu gezähmten Hunden stattgefunden haben

Fossile Knochen aus der Gnirshöhle

die Domestizierung von Wölfen zu Haus- und Hütehunden erfolgte, ist aber nach wie vor unklar. Wissenschaftliche Schätzungen variieren zwischen etwa 15 000 bis 30 000 Jahren vor heute“, erklärt der Tübinger Forscher Chris Baumann: „Auch der Ort dieses Übergangs vom Wild- zum Haustier ist bislang nicht geklärt.“

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, hat Baumann mit seinem Team fossile Knochen aus der Gnirshöhle untersucht. „Die Gnirshöhle ist eine kleine Höhle mit zwei Kammern im Süden Baden-Württembergs, die in unmittelbarer Nähe zu zwei weiteren Höhlen aus dem Zeitalter des Magdalénien, einer archäologischen Kulturstufe im jüngeren Abschnitt des Jungpaläolithikums, liegt“, erläutert Baumann.

Die Gnirshöhle und die benachbarte Petersfelshöhle bei Bittelbrunn, einem Stadtteil von Engen im baden-württembergischen Landkreis Konstanz waren schon in der Steinzeit bewohnt und gehören zu den bedeutendsten steinzeitlichen Fundorten in Deutschland.

Lesen Sie weiter: Steinzeithöhlen auf der Schwäbischen Alb – Zu Gast im Weltkulturerbe

Vor 16 000 bis 14 000 Jahren domestiziert

Das Forscher-Team geht daher davon aus, dass die Menschen des Madgalénien-Zeitalter Tiere zähmten, die aus verschiedenen Wolfslinien stammten. Baumann: „Die Nähe der Tiere zu den Menschen sowie die Hinweise auf deren recht eingeschränkte Ernährung lassen uns annehmen, dass vor 16 000 bis 14 000 Jahren Wölfe bereits zu Haushunden domestiziert wurden. Ein Ursprung der europäischen Hunde könnte demnach im Südwesten Deutschlands liegen.“

Zur Info: Das Magdalénien ist eine Kulturstufe im jüngeren Abschnitt des Jungpaläolithikums am Ende der letzten Eiszeit. Benannt wurde es nach der Halbhöhle La Madeleine im französischen Département Dordogne. Die älteren Zeitabschnitte waren auf den südwestfranzösischen Raum beschränkt. Das Magdalénien breitete sich in Mitteleuropa ab 14 000 bis 400 v. Chr. aus. Der älteste Fundplatz in Süddeutschland liegt bei Munzingen.




Unsere Empfehlung für Sie