Von Uhingen nach Kornwestheim Eine weitere Strecke für Gigaliner?

Von und Michael Bosch 

Der Bund prüft einen Antrag, die Route von der Uhinger Firma Allgaier bis zum Kornwestheimer Containerbahnhof für Gigaliner freizugeben. Doch wer hat das Ansinnen auf den Weg gebracht?

Ob künftig auch in den Uhinger Allgaier-Werkshallen sogenannte Gigaliner Station machen (unser Bild stammt aus dem Sindelfinger Daimler-Werk), ist  noch völlig offen. Foto: dpa
Ob künftig auch in den Uhinger Allgaier-Werkshallen sogenannte Gigaliner Station machen (unser Bild stammt aus dem Sindelfinger Daimler-Werk), ist noch völlig offen. Foto: dpa

Uhingen/Kornwestheim - Wie das Bundesverkehrsministerium entscheidet und wann es so weit sein wird, steht noch in den Sternen. Sicher ist allerdings, dass in Berlin zurzeit über einen Antrag des Landes Baden-Württemberg befunden wird, einige weitere Straßen für sogenannte Gigaliner freizugeben. Die mehr als 25 Meter langen und bis zu 44 Tonnen schweren Lastwagen könnten damit in einiger Zeit auch von Uhingen aus über die B 10 zum Kornwestheimer Containerbahnhof rollen. Zumindest ist diese Strecke Bestandteil des Antrags, der bereits in den Entwurf der 8. Veränderungsordnung Eingang gefunden hat und zurzeit noch geprüft wird.

Eine Anfrage unserer Zeitung zu den weiteren Details des Verfahrens und zu dessen Abschluss konnte das Bundesverkehrsministerium bisher noch nicht beantworten. So bleibt auch die Frage vorläufig offen, von welchem Zeitpunkt an die ersten Gigaliner durch das Filstal in Richtung Stuttgart und weiter nach Kornwestheim rollen könnten. Weder bei Allgaier noch im Uhinger und im Kornwestheimer Rathaus weiß man mehr.

Bei Allgaier und in den Städten weiß man nichts Genaues

„Seitens unseres Unternehmens wurde jedenfalls kein Antrag zur Genehmigung von Gigaliner-Fahrten gestellt“, versichert die Allgaier-Sprecherin Christine Gnädig. Es habe zwar Planungsgespräche mit der Kommune und dem Regierungspräsidium über die logistische Neuanbindung des Werkes gegeben. „Dabei wurde aber lediglich darauf hingewiesen, dass der Neubau des Kreisverkehrs so ausgeführt werden sollte, dass dieser gegebenenfalls auch von Gigalinern befahren werden kann“, fügt Christine Gnädig hinzu.

Etwas anderes, als diese Möglichkeit ­offenzuhalten, bleibt der Stadt Uhingen ­indes gar nicht übrig. Wie der Ordnungsamtsleiter Michael Eberhard betont, sei die Trasse in dem Bereich und durch die Stadt hindurch ohnehin als Schwerlaststrecke ausgewiesen. Ebenso wie der Bürgermeister Matthias Wittlinger beklagt er allerdings, „dass wir auf unsere Anfragen in dieser Angelegenheit bis jetzt noch keine vernünftigen Auskünfte von höherer Stelle bekommen haben“.

Warum das so ist und wer den Antrag überhaupt gestellt hat, darüber kann Wittlinger deshalb nur spekulieren: „Ich vermute, dass eine Spedition, die Fahraufträge für Allgaier ausführt, in Stuttgart vorstellig ­geworden ist.“ Das würde zumindest auch erklären, weshalb vor Ort alle Beteiligten überrascht worden seien, ergänzt er. Nicht anders geht es im Übrigen den Kollegen bei der Kornwestheimer Stadtverwaltung.

Umweltverbände klagen gegen die Erweiterung

Abgeneigt steht der Uhinger Schultes dem Anliegen allerdings nicht gegenüber. „Die Gigaliner sind zwar länger, aber nur unwesentlich schwerer als normale Lastzüge“, sagt er. Es gehe also darum, ein größeres Volumen und nicht mehr Gewicht zu transportieren. „Wenn dadurch weniger Fahrten stattfinden können, werden insgesamt sogar weniger Schadstoffe ausgestoßen, und die Beanspruchung der Straßen ist auch nicht höher, weil sich die Last auf mehr Achsen verteilt.“

Bei den Kritikern wiederum sieht man das ganz anders. Gegen eine Ausweitung des Streckennetzes von momentan 11 600 auf mehr als 12 000 Kilometer in Deutschland läuft vor allem das Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene Sturm. Gemeinsam mit dem BUND und der Deutschen Umwelthilfe klagt es gegen die reguläre Zulassung der Riesen-Brummis für den Straßenverkehr. Gegen die Gigaliner spricht aus Sicht der Verbände, dass sie umweltschädlich seien, durch die billigeren Transporte Güterverkehr von der Schiene auf die Straße abwandere und sie den Steuerzahler teuer zu stehen kämen, da sie ein Mehr an Infrastruktur-Investitionen nach sich zögen und obendrein auch noch gefährlich für alle Verkehrsteilnehmer seien.