Grünen-Vorschlag in der Kritik
„Der Oberbürgermeister ist ja gerade in Gesprächen mit dem Eigentümer“, sagt Klaus Herrmann, der Vorsitzende der Ludwigsburger CDU-Fraktion. „Das halten wir für richtig.“ Den Vorschlag der Grünen hingegen kann Herrmann nicht gutheißen: „Das ist ein Sache, die privat geregelt werden sollte.“
Harscher äußert sich der Verein Haus & Grund, der Immobilieneigentümer im Landkreis vertritt. „Es ist erschreckend, dass selbst in kommunalen Gremien das private Eigentum mit Füßen getreten wird“, sagt die Vorsitzende Helga Schneller. Die grüne Vizechefin Christine Knoß hatte den Immobilienunternehmer Max Maier kürzlich öffentlich kritisiert und diesen aufgefordert, sich mit der Stadt auf eine Lösung zu verständigen. Immerhin habe dieser oft vom Entgegenkommen der Stadt profitiert und sei auch in Zukunft auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Rathaus angewiesen. „Das ist ein Geben und Nehmen.“ Mit Blick auf die Solidaritätsbekundungen aus aller Welt mit der Rofa sagte Knoß: „Ich hoffe einfach, dass Max Maier doch noch ein Mensch ist – irgendwo.“
Polemisch und respektlos seien solche Äußerungen, sagt dazu Helga Schneller. „Was ist ein Unternehmer, der weitsichtig denkt, Umwelt und Klima schont, zig zukunftsorientierte Arbeitsplätze schafft, wenn er kein Mensch ist?“, fragt die Vorsitzende von Haus & Grund. Sie halte es für richtig, dass sich Verwaltung und Gemeinderat für ein vielfältiges Kulturangebot einsetzen und nach Lösungen suchen, rufe aber zu mehr Sachlichkeit unter den Beteiligten auf.
Der Freie-Wähler-Chef Reinhardt Weiss hatte sich zuletzt ähnlich geäußert und den Vorschlag der Grünen als populistisch bezeichnet. „Wir haben unglaublich viele Investitionen zu bewältigen, die alle wichtig sind“, sagt Weiss und lässt die Stichworte ZOB, Bildungszentrum West, Bildung und Betreuung fallen. Es gebe auch viele Stimmen, die der Rofa gegenüber durchaus kritisch eingestellt seien.
Anwohner sauer wegen Müll
Unter ihnen sind Anwohner, die sich – häufig auf der Plattform Facebook – über zugemüllte Vorgärten und Lärm beschweren. Einer von ihnen, der namentlich nicht genannt werden will, berichtet von alkoholisierten Gruppen auf dem Parkhausdach der benachbarten Kaufland-Filiale und von Discobesuchern, die nachts auf dem Rückweg zum Bahnhof laut seien und Müll hinterließen. Der Anwohner lobt das unternehmerische Engagement von Max Maier. In Bezug auf das Müllproblem sieht er die Stadt Ludwigsburg in der Pflicht. „Auf der Strecke zwischen Rofa und Bahnhof stehen viel zu wenige Mülleimer“, ärgert er sich.
Das Thema Müll nimmt Johannes Rossbacher, einer der drei Rofa-Chefs, ernst. Man habe bereits Flyer verteilt und die Besucher gebeten, Müll aufzuräumen. „Unsere Putzkolonne räumt noch in der Nacht auf, sodass man am Samstagmorgen nichts mehr vorfindet.“ Rossbacher weiß, dass sich regelmäßig Menschengruppen auf dem Kaufland-Dach treffen, entgegnet aber: „Nicht die Hälfte von denen geht in die Rofa. Die treffen sich dort einfach, weil sie da ein Dach über dem Kopf haben und nah an der Quelle sind.“
Eine Legende geht
Auf einen Termin bei Max Maier warten die Geschäftsführer der Rofa nach wie vor vergeblich. Auch gegenüber unserer Redaktion ist der Unternehmer weiterhin nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Angesichts der drohenden Schließung der Disco mussten die Rofa-Betreiber bereits ihren Mitarbeitern kündigen, wie Rossbacher berichtet. In der Disco arbeiten demnach acht Festangestellte und etwa 40 bis 50 Angestellte.
Auch eines der prominentesten Gesichter der Disco hört auf. Wolfgang Hagemann, einst Schlagzeuger der Heavy-Metal-Band Running Wild und seit vielen Jahren in der Geschäftsführung der Rofa, scheidet freiwillig aus und zieht um nach Thailand. „Er hat dort ein Angebot von einem befreundeten Clubbesitzer und schon zugesagt“, sagt Rossbacher.
Demonstration am Samstag
Rossbacher hofft, dass die für Samstag geplante Demonstration „noch einmal für die Dringlichkeit sensibilisiert“, die Kultstätte zu erhalten. Auf Facebook haben mehr als 1500 Menschen ihre Teilnahme zugesagt; mehr als 7000 sind interessiert. Treffpunkt ist um 15.30 Uhr auf dem Rathausplatz. Nach einer Kundgebung will die Initiative „Die RoFa lebt“ zur Disco in der Grönerstraße ziehen. Von 18 Uhr an lädt die Rockfabrik zur After Demo Party mit freiem Eintritt.