Vor der Mitgliederversammlung Der VfB Stuttgart will sich verändern

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Wenn Bernd Wahler am Montagabend auf der Mitgliederversammlung eine Mehrheit erhält, hat der VfB Stuttgart einen neuen Präsidenten. Aber reicht das auch für ein Umdenken?

Bernd Wahler hat als VfB-Präsident einige Pläne. Foto: dpa 11 Bilder
Bernd Wahler hat als VfB-Präsident einige Pläne. Foto: dpa

Stuttgart - Diesen Abend hat sich Dieter Hundt (74) in seinem Terminkalender eigentlich mal rot angestrichen. Denn schließlich muss man als Aufsichtsratschef des VfB Stuttgart zwangsläufig bei der Mitgliederversammlung erscheinen, die am Montag (18 Uhr) in der Porsche-Arena stattfindet. Aber jetzt hat Hundt frei. Das weiß er seit dem 17. Juni, als er sein Amt auf Druck aus den eigenen Reihen hin niederlegte. Deshalb sei er übrigens nach wie vor beleidigt, heißt es beim VfB, wo Hundt seitdem nicht mehr aufgetaucht ist. Er war für viele das Feindbild Nummer eins oder zwei, in Konkurrenz mit dem Präsidenten Gerd Mäuser (55), der bereits zum 3. Juni zurückgetreten ist – und seitdem dem Vernehmen nach ebenfalls sehr beleidigt ist.

Die gekränkten Eitelkeiten ändern nichts daran, dass das Feld bestellt ist für eine Wachablösung mit einem neuen Mann an der Spitze des operativen Geschäfts. Wenn er gewählt wird, steht der Adidas-Manager Bernd Wahler (55) als Nachfolger von Mäuser bereit. Das wird wohl passieren. Wäre derselbe Wahler von Hundt ins Rennen geschickt worden, hätte er keine Chance gehabt. Aber diese Ära ist Geschichte. Reicht ein Personalwechsel jedoch, um den VfB tatsächlich neu auszurichten und fit für die Zukunft zu trimmen?

Das ist die zentrale Frage für die meisten Mitglieder, die bei ihrem Club seit längerer Zeit einen autoritären Führungsstil beklagen. Von Vetternwirtschaft ist da oft die Rede und von einem geschlossenen Hundt-Mäuser-VfB-System, in das kein Fremder eindringen konnte. Wahler kommt von außen. Kann er dieses System aufbrechen?

Die Fans erwarten Taten auf Worte

Die Hoffnungen ruhen auf seinen Schultern, aber vielleicht ist er ja gar nicht so allein. Joachim Schmidt (64) hat Hundt beerbt. Zuvor stand der Daimler-Manager als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats zwar auch schon in der Verantwortung, doch beim VfB kursiert nun die 80-Prozent-Klausel. Demnach sei das Gremium bis zum 17. Juni zu 80 Prozent am Tropf von Hundt gehangen. Jetzt sollen Wahler und Schmidt die alten Schläuche still legen und für frische Impulse sorgen.

Dass solche Anregungen notwendig sind, hat Schmidt offenbar erkannt. So signalisiert er Gesprächsbereitschaft auf allen Ebenen und kündigt für den Herbst die Gründung einer Strukturkommission an, der Fanvertreter und ehemalige Spieler wie Karl Allgöwer angehören könnten. Die Aufgabe dieses Ausschusses wäre, sich um grundsätzliche Themen wie die Ausgliederung der Profiabteilung zu kümmern.

Scheinbar hat sich also auch für Schmidt im Verein über Jahre hinweg eine Kultur breitgemacht, die den Fortschritt verhindert. In dem Hundt-Mäuser-VfB-System war für Andersdenkende kein Platz. Kritik von außen prallte ab. Man blieb unter sich und kommunizierte unter sich. Die Folge war erstens Stillstand. Zweitens wurde der Club als Marke kaum mehr wahrgenommen, da er sich auch nicht mehr als solche in Stellung brachte. Diesen Führungsstil wollen Schmidt und Wahler ändern. Allerdings erwarten die Fans, dass den Worten auch Taten folgen. Denn Wahlversprechen gab es schon 2011 vor der Wahl von Gerd Mäuser. Der Rest ist bekannt. Ein Kapitel wie jenes zwischen Juli 2011 und Juli 2013 soll sich auf keinen Fall wiederholen.

Der nächste Abschnitt startet. Dafür hat Wahler in der vergangenen Woche geworben. Den Anfang machte am Montag ein Auftritt vor dem Fanausschuss und dem VfB-Ehrenrat. Dienstags stellte er sich dem Dialog mit den Vorsitzenden der 350 Fanclubs, die alle eingeladen waren. Dabei ging es auch ans Eingemachte. Einer wollte beispielsweise wissen, wie viel Schmidt in Wahler stecke – in Anspielung darauf, dass Mäuser einst als treuer Erfüllungsgehilfe von Hundt galt. Wahler antwortete nicht direkt, sondern verwies auf seine Philosophie als Teamplayer.

Priorität hat die Ausgliederung der Profiabteilung

Am Donnerstag präsentierte er sich dann in einer offenen Runde dem Freundeskreis, den Sponsoren und den Spielern der VfB-Traditionsmannschaft wie Hans „Buffy“ Ettmayer, Karlheinz Förster und Guido Buchwald, mit denen er sich besonders angeregt unterhielt. Das Signal sieht so aus, dass Wahler verdiente Kämpen wieder näher an den Verein heranholen will.

Konzeptionell besitzt die Ausgliederung der Profiabteilung für ihn Priorität. Auch darüber sprach er am Donnerstag in der offenen Runde. Er werde das Projekt in Angriff nehmen – unter sorgfältiger Abklärung der Vor- und Nachteile mit den Mitgliedern, sagte Wahler, der weiß, dass die Aktion nur sinnvoll ist, wenn einige Firmen bereit sind, sich mit viel Geld als strategische Partner in das Modell einzukaufen. Daran war der Plan 2007 unter dem Präsidenten Erwin Staudt gescheitert.

Wenn diese Konzerne gefunden werden, würde das jedoch auch bedeuten, dass üblicherweise jeweils ein Vertreter von ihnen einen Sitz im Aufsichtsrat erhalten müsste. Da würde es sich gut treffen, dass die Amtsperiode des aktuellen Gremiums 2014 endet. Nach StZ-Informationen arbeitet Joachim Schmidt im Hintergrund bereits an der entsprechenden Umwandlung des Kontrollorgans.

Das sind die Zeichen aus dem VfB-Zirkel, der befürchtet, dass an der Basis auch nach dem Ende des Hundt-Mäuser-VfB-Systems immer noch ein Groll gegen das Establishment vorhanden ist – was nun in der Versammlung eventuell der Aufsichtsrat zu spüren bekommen könnte. Wahler dürfte dagegen keine Probleme haben – es sei denn, er würde Hundt und Mäuser in seiner Rede feiern und vorschlagen, ihnen die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Annehmen könnten die beiden diese Auszeichnung aber sowieso nicht – ihr Termin in der Porsche-Arena ist ja gestrichen.