Vorsorge für Alter und Krankheit Wie teuer es ist, die private Pflegelücke zu schließen

Ältere Menschen, die pflegebedürftig werden, können schnell in finanzielle Nöte geraten. Foto: Imago images/photothek/Ute Grabowsky

Wer zum Pflegefall wird, kann sich nicht allein auf die gesetzliche Versicherung verlassen. Immer wird ein Eigenanteil fällig, um die Kosten zu decken. Eine neue Studie zeigt, wie groß diese Pflegelücke für Baden-Württemberger ist – und was eine Absicherung kostet.

Politik/Baden-Württemberg: Rainer Pörtner (pö)

Viele Menschen befürchten, im Fall einer Pflegebedürftigkeit in finanzielle Nöte zu geraten. In einer Allensbach-Untersuchung vom Mai 2023 machten sich 39 Prozent der Befragten im Alter zwischen 50 und 70 Jahren Sorgen, im Pflegefall nicht ausreichend abgesichert zu sein.

 

Verstärkt werden diese Befürchtungen durch die stetig steigenden Pflegekosten, die von der gesetzlichen Pflegeversicherung nur zu einem Teil übernommen werden. Auch der Eigenanteil an den Pflegekosten ist in letzter Zeit stark gestiegen – und das wird so weiter gehen. Viele müssen dann auf die Rente und das Ersparte zurückgreifen. Unter gewissen Umständen werden die Kinder mit zur Kasse gebeten. Wie groß aber ist in Baden-Württemberg die Pflegelücke – also der Betrag, den Pflegebedürftige aus eigener Tasche zahlen müssen? Und wie viel kostet eine private Pflegevorsorge, die diese Pflegelücke schließt?

Studie im Auftrag des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV)

Die auf Versicherungen spezialisierte Ratingagentur Assekurata hat diese Fragen erstmals konkret für den Südwesten untersucht und beantwortet. Ihre Studie, die unserer Zeitung vorliegt, entstand im Auftrag des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV). Ausgangspunkt war der Befund, dass zwar sehr viele Bürgerinnen und Bürger einen Bedarf nach zusätzlicher finanzieller Absicherung für den Pflegefall sehen, aber nur wenige dafür vorsorgen. Ende 2022 hatten nur 4,4 Millionen Personen in Deutschland eine private Zusatzversicherung abgeschlossen – mithin lediglich 5,2 Prozent der Bundesbürger.

„Je früher eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen wird, desto besser“

Ein Grund für diese Zurückhaltung ist offensichtlich, dass viele die Kosten einer Pflegezusatzversicherung als zu hoch empfinden. In einer Allensbach-Umfrage äußerte sich jeder zweite Befragte in diesem Sinne. Im Durchschnitt schätzten die Befragten die Kosten auf 235 Euro im Monat, waren aber nur bereit, 98 Euro zu zahlen. Die Assekurata kam in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass sich die Pflegelücke „zu niedrigeren Prämien absichern lässt als gemeinhin angenommen“. Dabei gelte: „Je früher eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen wird, desto besser.“

In Baden-Württemberg belaufen sich laut Assekurata die selbst zu tragenden Kosten in stationären Einrichtungen, also der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE), auf 1794 Euro. Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung plus die Investitionskosten. In Summe betragen die durchschnittlich selbst zu tragenden Kosten im Südwesten insgesamt 3229 Euro. Sie liegen damit 423 Euro über dem Bundesdurchschnitt – das sind 15,1 Prozent.

Lauterbach will mehr Steuergeld einsetzen

Wer bereits als 25-jähriger Baden-Württemberger eine private Pflegezusatzversicherung im Tarif B abschließt, kann die Pflegelücke im Durchschnitt bereits mit einem monatlichen Einsatz von 69 Euro absichern. Die rein pflegebedingten Kosten können hier für einen Monatsbeitrag von 39 Euro abgedeckt werden. Bei einer 35-jährigen Person erhöhen sich laut Assekurata die Beiträge auf 103 beziehungsweise 58 Euro. Bei einem Eintrittsalter von 55 Jahren in die Versicherung werden 241 beziehungsweise 136 Euro fällig.

Unberücksichtigt bleibt bei dieser Betrachtung, inwieweit die Bundesregierung auf die explodierenden Pflegekosten reagiert. „Noch reicht die Zeit, um vorzusorgen, bevor unserer alternden Gesellschaft die Pflege-Kosten über den Kopf wachsen“, sagt PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. „Aber die Politik muss endlich anfangen, die zusätzliche kapitalgedeckte Eigenvorsorge zu stärken. Nur so können wir die Steuer- und Beitragszahler vor Überlastung schützen.“ Der Bundesgesundheitsminister will das finanziell angeschlagen System der Altenpflege auch mit Steuermitteln unterstützen. „Ich persönlich glaube, dass wir hier langfristig auch ohne eine bessere steuerfinanzierte Absicherung der Pflegeversicherung nicht hinkommen werden“, sagte Karl Lauterbach vor wenigen Tagen. „Es kann nicht alles über Beitragssätze finanziert werden.“

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