Währungen und Politik Die Dollar-Dämmerung

Eine zerknüllte Serviette mit Dollarnoten: die Stabilität der US-Währung leidet unter ständigen Querelen im Kongress. Foto: imago stock&people

Die USA und China ringen um die globale Führungsrolle. Dabei geht es nicht nur um Flugzeugträger und Raketen, um Hightech-Firmen und Subventionen, sondern auch um den Zugriff auf die weltweiten Geldströme – kommentiert Rainer Pörtner.

Politik/Baden-Württemberg: Rainer Pörtner (pö)

Amerikas führende Rolle in der Welt speist sich aus vielen Quellen: militärische Überlegenheit, wirtschaftliche Potenz und politisch-kulturelle Anziehungskraft. Die USA sind die derzeit dominante Nation, weil sie als erste eine Atombombe zündeten und ihre Flugzeugträger vor jeder Küste dieser Welt auftauchen können. Sie sind stark wegen McDonald`s, Google und Amazon. Sie sind attraktiv wegen ihrer mehr als zweihundert Jahre alten demokratischen Verfassung, wegen Walt Disney, Andy Warhol und Bruce Springsteen.

 

Zu dieser einzigartigen Mixtur gehört auch eine Ingredienz, deren Omnipräsenz von den allermeisten Menschen als selbstverständlich und unabänderlich wahrgenommen wird: der Dollar.

Leitwährung seit einem dreiviertel Jahrhundert

Amerikas Geld, der „Greenback“, ist die Leitwährung der Welt seit einem dreiviertel Jahrhundert. Das gibt der amerikanischen Regierung und der US-Zentralbank einen großen Einfluss auf das Wohlergehen – und Kriseln – anderer Nationen. Die Rolle des Dollars als führende Währung erlaubt es den Amerikanern, günstiger als andere Geld aufzunehmen und sich damit einen Wohlstand auf Pump zu finanzieren. Der Dollar ist selbst eine Macht und unterfüttert die Vormachtstellung der USA.

Diese einmalige Position der US-Währung wird jedoch immer stärker in Frage gestellt. Insbesondere durch China. Im Ringen Washingtons und Pekings um die Weltherrschaft geht es auch um die Herrschaft über das Geld. Die USA werden herausgefordert, ihre Dominanz wackelt.

Von Peking bis Rio gibt es Versuche, die Dominanz des Dollar zu brechen

Die Chinesen betreiben bereits ein eigenes elektronisches Zahlungssystem (CIPS) für internationale Finanzströme, das dem westlichen Zahlungssystem SWIFT Konkurrenz macht. In Shanghai haben sie eine Entwicklungsbank etabliert, die als Gegenstück zur US-dominierten Weltbank in Washington dient. Peking versucht immer mehr Länder zu überzeugen, Handelsgeschäfte nicht in Dollar, sondern mit der chinesischen Währung Renminbi abzuwickeln.

Ein Durchbruch gelang dem Xi-Regime mit Riad, das den bilateralen saudisch-chinesischen Rohstoffhandel nun auch in Renminbi abrechnen kann. Der Ölhandel war bisher ausschließlich eine Sache für den Dollar. Auch andere Golfstaaten, der Iran, Russland, Brasilien und Südafrika machen mit beim Versuch, die Währungsherrschaft des Dollar zu knacken.

Sehnsucht nach einer multipolaren Währungswelt

Sie alle wollen nicht nur eine multipolare Weltordnung, sondern auch eine multipolare Währungswelt. Es geht ihnen um mehr Souveränität, um mehr Unabhängigkeit, wenn es zu einem Konflikt mit den USA kommen sollte.

Was passiert, wenn Washington den Dollar als Waffe einsetzt, haben sie am Beispiel des Iran und Russlands genau beobachtet. Zu den Sanktionen gegen Moskau gehörte auch die Beschlagnahme von im Ausland eingelagerten russischen Währungsreserven und die Entkoppelung russischer Banken vom SWIFT-System.

Chinas Präsident Xi steht einer Entwicklung des Renminbi selbst im Weg

Es gibt viele gute Gründe daran zu zweifeln, dass der Renminbi in absehbarer Zeit den Dollar als Reservewährung ablöst. Dazu müsste Peking eine völlig andere Geld- und Wirtschaftspolitik machen als heute: mit viel mehr Markt und viel weniger staatlicher Aufsicht. Das ist kaum vorstellbar angesichts des Kontrollwahns von Staatspräsident Xi Jinping.

Aber es gibt gleichzeitig viele Anzeichen für eine dauerhafte Schwächung des Dollar. Der Geldhunger der Amerikaner ist fast grenzenlos. Sie sitzen bereits heute auf einem gigantischen Schuldenberg von mehr als 33 Billionen Dollar. Die Ratingagenturen S&P und Fitch verweigern den USA bereits den Top-Status, das Triple-A. Auf Deutsch: die Kreditwürdigkeit des Landes ist nicht mehr erstklassig. Regelmäßig sorgen Streitereien im US-Kongress dafür, dass der amerikanische Staat an die Grenze der Zahlungsfähigkeit gerät.

„Der mächtige Dollar altert nicht in Würde.“

Die allergrößte Gefahr für die Macht des Dollar kommt deshalb nicht aus China oder Russland, sondern aus seinem Mutterland. Die gesellschaftliche Zerrissenheit der USA und die Unfähigkeit ihrer Anführer zum politischen Kompromiss stellen das größte Risiko für den Dollar dar. Und es sieht nicht so aus, dass dieses Risiko in absehbarer Zeit kleiner wird. Irgendwann kann dann der Zeitpunkt kommen, an dem sich die ausländischen Gläubiger weigern, die größte Volkswirtschaft der Welt weiter zu extrem günstigen Zinsen zu alimentieren. Der US-Ökonom Nouriel Roubini ist deshalb nicht der einzige Geld-Experte, der eine düstere Prognose abgibt: „Der mächtige Dollar altert nicht in Würde.“

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