Wärmenetz im Synergiepark Stadtwerke kooperieren auf bisher einzigartige Weise

Der Synergiepark von oben: Hier befinden sich viele große Energieverbraucher, was die Gegend interessant macht für ein Wärmenetz. Foto: Landeshauptstadt Stuttgart

Für Stuttgarts größtes Gewerbegebiet hat sich eine Partnerschaft formiert, die Schule machen könnte. In Kooperation wollen die Stadtwerke hier ein klimafreundliches Wärmenetz bauen und betreiben.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

Der Synergiepark in Möhringen/Vaihingen ist Stuttgarts größtes Gewerbegebiet – und es soll noch weiter wachsen. Aus Sicht der Stadt Stuttgart ein idealer Ort, um die Firmen an ein gemeinsames Wärmenetz anzuschließen. In der kommunalen Wärmeplanung, die Mitte Dezember vom Gemeinderat beschlossen werden soll, gehört der Synergiepark deshalb zu den künftigen Gegenden in der Stadt, für die sich ein Wärmenetz anbietet. Momentan heizen die Gewerbetreibenden im Synergiepark hauptsächlich mit Gas.

 

Dass das Gewerbegebiet auf den Fildern in Sachen Wärmenetz besonders interessant ist, liegt an dieser Faustformel: Je weniger Ansprechpartner und je mehr Energieverbraucher sich an einer Strecke befinden, desto wirtschaftlicher. Im Synergiepark gehen die Stadtwerke Stuttgart nun einen neuen Weg, um ein Wärmenetz zu realisieren. Sie haben mit der e-con AG eine gemeinsame Gesellschaft gegründet: die Synergiepark Vaihingen Wärme GmbH & Co. KG.

Die bisher einzigen Mitarbeiter dieser Gesellschaft sind Ulf Hummel von den Stadtwerken sowie Dennis Bauer von der e-con AG. Doch die Expertise der beiden Partner soll freilich fortlaufend einfließen. Die e-con AG kennt die Örtlichkeit übrigens bestens, denn der Spezialist für Wärme- und Kältenetze sitzt an der Schulze-Delitzsch-Straße und damit an einer der Hauptachsen im Synergiepark. Das Ziel sei, zusammen ein klimafreundliches Netz zu bauen und zu betreiben, das die Firmen mit Wärme, im Sommer aber auch mit Kälte versorgt. Den künftigen Bedarf an Kälte „dürfen wir nicht unterschätzen“, sagt Hummel. „Das ist angesichts der immer höheren Temperaturen auch hochrelevant für die Einhaltung der Temperaturgrenzen am Arbeitsplatz.“

Abwasser, Abwärme und Geothermie

Derzeit werde das Konzept erstellt; es werde analysiert, welchen Wärmebedarf und welche klimafreundlichen Quellen es gebe, erklärt Bauer . Zu Letzteren zählen mutmaßlich Abwasser, Abwärme und Geothermie. Klar sei: „Wir wollen kein Wärmenetz, das auf fossiler Wärme aufgebaut ist.“ Bereits 2024 solle die Genehmigungsplanung abgeschlossen sein, 2025 könnten die ersten Baumaßnahmen folgen. Damit der ohnehin verkehrsgeplagte Synergiepark dann nicht zu einer einzigen Baustelle wird, soll schrittweise vorgegangen werden.

Für die e-con AG ist es nicht das erste Mal, dass sie eine solche Kooperation eingeht wie nun mit den Stadtwerken. Dennis Bauer nennt Schwabmünchen und Memmingen (beides in Bayern) als Beispiele. Daher sei er „sehr sicher, dass es funktioniert “, sagt Bauer. Er spricht von einem „signifikanten Projekt für Stuttgart“. Für die Stadtwerke ist die Partnerschaft ein Novum. „Wir müssen den Kooperationsgedanken erst einmal lernen“, sagt Ulf Hummel . Strategische Partnerschaften seien wichtig, wenn man es schaffen wolle, Stuttgart bis 2035 emissionsfrei zu bekommen.

Über mögliche Abnehmer der neuen Wärmeenergie wolle man derzeit noch nicht detailliert Auskunft geben. Klar sei aber, es befänden sich interessante Kandidaten in dem Gebiet, beispielsweise die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) oder die IT-Schule. „Da sind wir schon im Austausch“, sagt Hummel.

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