Wahl 2017: Martin Hess (AfD) Ein sicheres Land für den geliebten Sohn

Von  

Martin Hess ist Polizist, doch er will Politiker werden. Für die AfD tritt er im Wahlkreis Ludwigsburg bei der Bundestagswahl an. Viel Werbung ist von ihm bis jetzt noch nicht zu sehen – aus einem bestimmten Grund.

Martin Hess neben der evangelischen Kirche in Ludwigsburg. Dort baut die Alternative für Deutschland regelmäßig ihren Infostand auf. Foto: factum/Granville
Martin Hess neben der evangelischen Kirche in Ludwigsburg. Dort baut die Alternative für Deutschland regelmäßig ihren Infostand auf. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Martin Hess fehlt im Meer der Schilder und Plakate. Das Konterfei des AfD-Kandidaten für den Bundestag hängt noch an keinem Laternenmast und strahlt noch von keinem Straßenrand. Wann genau die Partei mit dieser Werbung beginnt, steht nicht fest. Wichtig ist: nicht zu früh. Nicht dass die Plakate, wie häufig geschehen, zerstört werden – und die Alternative für Deutschland keinen Nachschub mehr hat. Das Budget ist begrenzt. Aber Martin Hess ist nicht bange. Seine Partei will in Baden-Württemberg mindestens 15 Prozent der Stimmen bekommen, und er ist „zuversichtlich, dass wir das erreichen können“.

Zurückhaltung ist oberstes Gebot

In diesem Fall würde der 46-Jährige, der auf Platz sieben der Landesliste steht, Politiker werden. Noch ist er Polizist, was ihn zum Innere-Sicherheit-Experten seiner Partei macht. Viel erzählen darf er von seiner Arbeit allerdings nicht. Sein Dienstherr hat Hess auf das Gebot der Zurückhaltung aufmerksam gemacht, dem er als Beamter untersteht. Nur so viel: Hess ist seit 1990 bei der Polizei. Er fing als Streifenpolizist an und ist heute Dozent am Böblinger Institut für Fortbildung, das zur Polizeihochschule gehört. Für den Wahlkampf hat sich der Kandidat zwei Monate beurlauben lassen.

Martin Hess ist Polizist geworden, so sagt er, weil er ein Gespür für Ungerechtigkeit habe und weil er Menschen in schwierigen Situation unmittelbar helfen wolle. Also dort, wo die Not am größten ist. Zur AfD ist Martin Hess gekommen, weil er es unerträglich fand, wie die Politiker zu Beginn der Eurokrise die europäischen Verträge inhaltlich dehnten – und damit hoch verschuldeten Staaten doch beigestanden seien. Bei der Flüchtlingsproblematik, sagt Hess, habe sich das Schema wiederholt.

Vertrauen auf den Bürger

Zigtausende Menschen hätten Zutritt nach Deutschland bekommen, obwohl sie sich in einem sicheren Drittland befunden hätten. Wenn sich Regierungen nicht an Vorschriften halten, fragt Hess rhetorisch, wie soll man den Bürgern Rechtstreue vermitteln? „Es bedarf dringend einer politischen Kraft, die Recht und Gesetz einhält“, sagt der Kandidat für die Berliner Politik.

Dass die Bundesregierung ihre Flüchtlingspolitik inzwischen selbst sehr viel restriktiver handhabt, stimmt Martin Hess zufrieden. Dass der AfD dadurch Stimmen verloren gehen könnten, glaubt er nicht. Er vertraue auf die Bürger, die das Original von der Kopie zu unterscheiden wüssten.

Der Sohn als Motivation

Rassistisch, extremistisch, sexistisch, und so weiter: Martin Hess kennt das Image seiner Partei, natürlich. Aber, sagt er, wenn die AfD wirklich so wäre, wie sie von vielen Medien dargestellt werde, „dann wäre ich nicht in der AfD“. Die AfD, wie Martin Hess sie kennt, sei konservativ, freiheitlich und patriotisch. Ihre Mitglieder, ausschließlich „aufrechte Demokraten“, kämen mitten aus dem Leben, die Probleme effektiv lösen könnten. Wäre Martin Hess – zum Beispiel – Innenminister, dann würde er beim Thema Terror nicht sagen: „Wir werden mit der Bedrohung leben müssen.“ So wie es Thomas de Maizière tut. Martin Hess würde als „Sofortmaßnahme“ alle bekannten Gefährder abschieben oder ins Gefängnis schicken. Das Leben der Bürger habe oberste Priorität.

Der Antrieb für Hess’ politisches Engagement ist sein Sohn. Für den Jungen, der heute sechs Jahre alt ist, will Martin Hess alles tun, damit er eine „sichere und lebenswerte Zukunft“ hat. Was aber, wenn der Sohn das Engagement des Vaters später gar nicht zu schätzen weiß, seine Vorstellungen nicht teilt? Darum, sagt der Kandidat, gehe es nicht. Es gehe darum, dass der Bub in einer Gesellschaft aufwachsen kann, die ihm alle Möglichkeiten bietet, sich frei zu entwickeln und zu entfalten.

Naturverbunden und flexibel

Leben
Martin, Jahrgang 1970, ist in Hechingen im Zollernalbkreis aufgewachsen, wo er sich noch immer oft und gerne aufhält. Hess liebt die Alb-Natur und seine Eltern, die nach wie vor in Hechingen leben. Nach Bietigheim-Bissingen zog Hess, um seinem Sohn nahe zu sein, der 2010 auf die Welt kam und bei der Mutter lebt. Der Sohn war es auch, der ihn dazu bewog, Dozent zu werden. So hat er geregelte Arbeitszeiten und kann viel Zeit mit ihm verbringen.

Einsatz
Als Bietigheimer wäre Martin Hess der natürliche Kandidat für den Wahlkreis Neckar-Zaber gewesen. Doch da dieser laut Hess mit Marc Jongen „top besetzt“ war, wechselte er kurzerhand nach Ludwigsburg.




Veranstaltungen