Eines aber wird man in den Leckereien von Zsuzsanna Banvölgyi-Stadler nicht finden: Butter, Eier und andere tierische Produkte. Rund elf Jahre ist es her, dass Zsuzsanna Banvölgyi-Stadler beschlossen hat, vegan zu leben. Sie fing damit ursprünglich weniger aus Überzeugung oder dem Wunsch, Tierleid zu verhindern oder Klimaschutz zu betreiben an, sondern weil sie an Gelenkrheuma leidet. „Ich habe das als Experiment gemacht“, sagt die 38-Jährige über die Ernährungsumstellung: „Es hat gewirkt, meine Blutwerte haben sich verbessert, und so bin ich dabei geblieben.“
Nichtvegane Rezepte wandelt sie um
Zu der Zeit waren vegane Produkte längst nicht so weit verbreitet wie heute, erzählt die Küchenfee, die bemängelt, dass in veganen Rezepten oft viele ungewöhnliche Zutaten verwendet werden, die schwer zu finden sind oder nur für ein Rezept gebraucht werden und dann vergammeln. „Deshalb benutze ich nichtvegane Rezepte und wandle sie um.“ Die Zutaten müssen im Supermarkt oder im Bioladen erhältlich sein, ist Zsuzsanna Banvölgyi-Stadlers Devise.
Vegan zu leben sei weder automatisch teurer noch kompliziert, beteuert die Waiblingerin, die vor rund zehn Jahren damit begonnen hat, Back- und Kochvideos auf dem Videoportal Youtube zu veröffentlichen. „Es ging mir darum, die Leute in die Küche mitzunehmen und zu zeigen, wie einfach es geht“, erinnert sich die 38-Jährige, die zu dieser Zeit noch als Sozialarbeiterin tätig war. Die Videos brachten aber so viel Zuspruch und Aufträge für vegane Caterings, dass Zsuzsanna Banvölgyi-Stadler vor acht Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit wagte und mit ihrer Küche in einen ehemaligen Getränkemarkt in Hegnach zog, wo sie nun arbeitet und an Rezepten feilt.
Was zu vegan schmeckt wird überarbeitet
„Mein Anspruch ist alles, was es sonst gibt, vegan herzustellen“, sagt sie – seien es Lasagne oder Spätzle mit Soße, seien es die nach einem Komponisten benannten Schokokugeln oder mit Kokosflocken umhüllte Knusperpralinen. Nur eine Sache habe sie früher nicht richtig hinbekommen, sagt die gebürtige Dresdnerin: Dresdner Eierschecke. „Der Ei-Ersatz war damals nicht so ausgereift, aber heute geht auch das.“
Beim veganen Kochen und Backen legt die Küchenfee aus Sachsen eine Eigenschaft an den Tag, die man gerne Schwaben zuschreibt. „Sie ist eine Tüftlerin“, sagt ihr Ehemann Sascha: „Wenn sie nicht zu 100 Prozent zufrieden ist, überarbeitet sie das Rezept.“ Diese Phase kann sich bisweilen ganz schön hinziehen: Bis die Zutatenliste für das perfekte Donuts-Rezept stand, dauerte es ungefähr ein Jahr. Sascha Stadler ist dabei quasi die höchste Geschmacksinstanz, sagt seine Frau: „Wenn er sagt, das schmeckt noch zu vegan, dann geh’ ich noch mal ran.“
Sie will niemanden missionieren
Was zur Folge hat, dass so manche Kundin, mancher Kunde, sich nach der Lieferung lieber noch mal rückversichert und fragt, ob die Produkte tatsächlich aus rein veganen Zutaten hergestellt sind. Das sind sie, wobei Zsuzsanna Banvölgyi-Stadler niemanden missionieren will. „Alles hat seine Berechtigung“, sagt sie, „was ich aber erwarte ist, dass man meine Produkte erst einmal probiert. Wenn es dann jemandem nicht schmeckt, ist das okay. Ich habe aber schon sehr viele Menschen über die Geschmacksschiene erreicht.“
Immer wieder mal bekomme sie zu hören, sie sei zu teuer, erzählt die Küchenfee, die einräumt: „Wir sind nicht günstig, aber da steckt viel Arbeit drin, alles ist Handarbeit.“ An einer Festtagstorte arbeitet und modelliert sie, die durchaus auch mal eine vegane Hochzeitstorte ins Steakhouse liefert, bisweilen einen ganzen Tag.
Keine Märkte und keine großen Feste
Normalerweise sind die Küchenfee und ihr Mann an Wochenenden auf Achse, bieten ihre Waren auf Märkten an oder übernehmen das Catering bei Festen und Events. Die Coronapandemie hat diese Aktivitäten abrupt beendet, die Haupteinnahmequelle ist weggebrochen. „Wir haben keinerlei Hilfen bekommen“, sagt Zsuzsanna Banvölgyi-Stadler, „wenn unsere Hauptgläubiger nicht unsere Mütter wären, wären wir schon pleite.“
Der Umsatz im Online-Shop habe sich zwar erhöht, aber die süßen Leckereien müssen mit viel Zeitaufwand verpackt und verschickt werden – „das kann man nicht umlegen“. Das Paar hofft daher, dass größere Feste, Märkte und damit auch vegane Caterings schnell wieder möglich sind. Denn falls die Rückkehr solcher Festivitäten noch lange dauere, sagen die beiden, könnte es passieren, „dass es uns nicht mehr gibt“.