Wanderbaumallee in Stuttgart-West Stuttgarter Wanderbäume starten in das zweite Jahr

Von Simon Wörz 

Mit etwas Corona-Verspätung ist die Stuttgarter Wanderbaumallee am Samstag in den Sommer gestartet. Zu Beginn zogen die Bäume und Sitzmöglichkeiten von der Kirche St. Maria in die Elisabethenstraße.

Die Wanderbaumallee zog am Samstag in den Westen um. Foto: Wanderbaumallee Stuttgart
Die Wanderbaumallee zog am Samstag in den Westen um. Foto: Wanderbaumallee Stuttgart

Stuttgart - Die Bäume wandern wieder durch den Kessel: Mit Corona-bedingter Verspätung ist die Stuttgarter Wanderbaumallee am Wochenende in die neue Saison gestartet. Zehn Bäume umfasst der Tross, der ein Signal für mehr Grün im öffentlichen Raum senden möchte und fortan monatlich den Standort wechselt. Schon im vergangenen Jahr zogen die Bäume und Pflanzenbeete mit Sitz- und Spielflächen einmal quer durch die Stadt.

Aufmerksame Flaneure und Spaziergängerinnen werden die grüne Oase mit rollendem Untersatz bereits entdeckt haben. Fast drei Wochen standen die Bäume inklusive der hölzernen Sitzgelegenheiten an der St. Maria Kirche in der Tübinger Straße. Dort wurden die „Module aufgearbeitet“, wie Annika Wixler vom Organisationsteam sagt. Das heißt: die neuen Bäume einpflanzen und an den Wägen herumwerkeln.

Was ist neu im zweiten Jahr?

Am Samstag war es dann soweit und die Bäume sowie 50 Menschen wanderten zu ihrer ersten Station im Stuttgarter Westen. Dort steht die grüne Insel jetzt für einen Monat in der Elisabethenstraße. Neu im zweiten Jahr der Wanderbaumallee ist der hohe Anteil an Obstbäumen. Sauerkirsche, Kupfer-Felsenbirne, Apfelquitte und Co. verwandeln insgesamt vier Orte in der Stuttgarter Innenstadt in kleine Obstbaum-Oasen. In dem rund zehnköpfigen Team des Projekts sei auch eine Gärtnerin, die bei der Pflanzenauswahl natürlich ihre Expertise einfließen ließ.

Zudem will die Wanderbaumallee in diesem Jahr nur an vier Standorten temporär Wurzeln schlagen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass etwas mehr Zeit braucht bis die Leute die Wanderbäume und die Sitze annehmen. Deswegen bleibt die Wanderbaumallee 2020 insgesamt vier Wochen an jeder Station und verändert an jedem ersten Samstag (14 Uhr) ihren Standort. Während die Initiative im vergangenen Jahr noch selbst auf Kitas und Vereine zuging, wurde sie jetzt von vielen Nachbarschaften proaktiv angefragt, sagt Wixler.

Die Route führt von West nach Ost

Dabei führt die Route die Wanderbäume als nächstes zum ersten Mal in den Stuttgarter Süden. Nach der geplanten Station in der Liststraße geht es zum Leonhardsplatz. Auf der Website des Projekts sind die Daten und Stationen auf einer Karte eingezeichnet. Von Anfang September bis Oktober bleibt die Wanderbaumallee dann am Teckplatz in Stuttgart-Ost. Danach sollen die Bäume ein Zuhause im öffentlichen Raum bekommen, die wandernden Bäume aus dem vergangenen Jahr kamen großteils bei Urban-Gardening-Projekten unter.

„Eigentlich wollten wir schon Anfang Mai in die Saison starten“, sagt Wixler, aber die Corona-Krise machte der ehrenamtlichen Initiative einen Strich durch die Rechnung. Auf der einen Seite zogen sich die Genehmigungsprozesse in den Bezirksräten der Stadtbezirke dahin und das gemeinsame Umbauen fiel wegen der Kontaktbeschränkungen flach.

Die für den Umbau anvisierte Werkstatt „Hobbyhimmel“ ist einer der vielen Partner des Projekts: Das Kulturzentrum Merlin, der Verein Casa Schützenplatz, Greenpeace Stuttgart, die Quartierswerkstatt in der Augustenstraße und die Initiative „Parklets für Stuttgart“ zählen zu den zahlreichen Unterstützern. Die Finanzierung der Wanderbäume übernimmt der jeweilige Bezirksbeirat der Stadtbezirke.

„Miteinander ins Gespräch kommen“

Im vergangenen Jahr hatte es vereinzelt Beschwerden und Kritik von Anwohnern an der Wanderbaumallee gegeben. „Überwiegend gab es Lob, auch von offizieller Seite“, sagt Wixler und verweist auf den temporären und experimentellen Charakter des Projekts. „Die kreative Umwandlung des öffentlichen Raums ist eine Protestform, die darauf abzielt miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Wixler. Außerdem seien die Standorte in diesem Jahr explizit von den dortigen Nachbarschaften gewünscht worden.




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