Was von der Bundesgartenschau bleibt Ein Genpool für alte heimische Obstsorten
Die „Genetischen Schätze“ der Bundesgartenschau in Heilbronn bleiben erhalten: Die Bäume werden jetzt auf eine Streuobstwiese verpflanzt.
Die „Genetischen Schätze“ der Bundesgartenschau in Heilbronn bleiben erhalten: Die Bäume werden jetzt auf eine Streuobstwiese verpflanzt.
Heilbronn - Bei einem Wirte wundermild, da war ich jüngst zu Gaste. Ein goldner Apfel war sein Schild, an einem langen Aste.“ Jürgen Hetzler kann dieses Gedicht nicht nur auswendig rezitieren, sondern er weiß auch, was für ein Apfel es war, den Ludwig Uhland da besungen hat: eine Goldparmäne. Hetzler ist der stellvertretende Leiter des Heilbronner Grünflächenamtes, Diplom-Biologe und Pomologe aus Überzeugung. Äpfel und andere alte Obstsorten sind damit für ihn Profession – und Leidenschaft. Nun rettet er einen Teil der Bundesgartenschau in Heilbronn über deren Schließung hinaus.
Im Gartenkabinett „Genetische Schätze“ der Buga gab es nicht nur eine Vielzahl von Jungbäumen, sondern aufgereiht in Glasvitrinen auch die dazu gehörenden 23 alten Apfelsorten, elf alte Birnensorten, drei alte Kirschensorten und zwei alte Zwetschgensorten. Nicht zum Reinbeißen zwar; es waren Nachbildungen aus dem 3-D-Drucker, damit sich die Buga-Gäste ein Bild von den Früchten machen konnten. Aber immerhin bleiben die 23 Apfelbäume erhalten, als Grundstock für einen Genpool und gleichzeitig als eine Art Raritätensammlung. Sie werden auf eine Streuobstwiese verpflanzt, die die Stadt Heilbronn zur Verfügung stellt.
Jürgen Hetzler hat diesen Genpool für alte Obstsorten zusammen mit der Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg und mit Rolf Heinzelmann von dem Verein Logl (Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg) erstellt. Baumschulen und Züchter, Forscher und Liebhaber werden das zu schätzen wissen.
Denn es gibt viele Gründe, alte und rein marktwirtschaftlich betrachtet eher unrentable Apfelsorten zu bewahren – unter anderem der Klimawandel, wie die Experten des Kompetenzzentrums für Obstanbau in Ravensburg-Bavendorf (KOB) immer wieder betonen. Einige sind sehr robust und könnten zur Züchtung neuer Sorten dienen. Auf einer Streuobstwiese des KOB stehen deshalb mehr als 500 alte Sorten – anders als in Baumform lässt sich das genetische Potenzial nicht erhalten. Darunter sind auch solche Sorten, die in ihrem Geschmack oder in ihrer Form einmalig sind. „Wir wissen ja nicht, was der Verbraucher von morgen haben möchte“, sagt Ulrich Mayr vom KOB.
Dabei reizen frische Früchte von den eigenen Bäumen offenbar immer weniger Menschen. Die Zahl der bewirtschafteten Streuobstwiesen sei in den vergangenen Jahren geringer geworden, konstatierte im Frühjahr schon Rainer Striebel von der beim Regierungspräsidium Reutlingen angesiedelten Geschäftsstelle des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Man müsse neue Wege finden – so wie es diverse Landkreise in Baden-Württemberg, etwa Esslingen und Böblingen, versuchen.
Mit Förderprogrammen für Streuobstwiesen oder Ackerrandstreifen zeigt unter anderem auch die Stadt Heilbronn, dass ihr neben dem Weinbau auch der Obstbau wichtig ist, schon aus Tradition. Denn der älteste Apfel Mitteleuropas, eigentlich ist es nur ein „Apfelbutzen“, wurde 1938 in Heilbronn-Böckingen gefunden – in einer Latrine aus der Jungsteinzeit. Der „Böckinger Urapfel“ liegt heute in den Städtischen Museen. Jürgen Hetzler ist es gewohnt, dass man solche Funde und auch das Wissen um sie nicht gebührend hoch einschätzt. Der mangelnde Respekt vor den alten, wohlschmeckenden und resistenten Sorten ärgert ihn auch ein wenig, vor allem in Anbetracht der heutigen Entwicklung, in der ein Kunstprodukt wie der Apfel Pink Lady nur gegen Lizenzgebühr angebaut werden darf und das meiste Obst von Plantagen stammt.
Oliver Toellner, Chefplaner der Ausstellungskonzeption der Buga, bringt es auf den Punkt, weshalb man die genetischen Schätze gerne den Besuchern nahegebracht hat: „Die Streuobstwiesen sind der schwäbische Amazonas“, sagt er. Die Vielfalt an Tieren und Pflanzen sei unglaublich; auf der Buga habe man zeigen wollen, welche Kulturgüter verloren gehen, wenn man sie nicht pflegt und erhält.