Wasser in Stuttgart Mal regnet es zu wenig, dann plötzlich viel zu viel

Einer von 108 in Stuttgart: Der Hans-im-Glück-Brunnen liefert Trinkwasser. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Am Tag des Wassers wird deutlich: Trinkwasser ist in Stuttgart kein Problem. Doch es gibt andere. Ein Einblick, was Klimawandel und Kriege mit Neckar, Bodensee und Co. machen.

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Die gute Nachricht vorab: In der Region Stuttgart muss sich derzeit niemand Sorgen um sein Trinkwasser machen. Im Gegensatz zu Ländern wie etwa Libyen, Katar oder dem Libanon herrscht hier kein sogenannter Wasserstress. Doch in anderen Bereichen sieht es weniger positiv aus.

 

Im Neckar sollte man kein Bad nehmen

So liefert der Bodensee zwar einen großen Teil des Trinkwassers, zugleich kämpft man dort seit 2016 mit der Quaggamuschel. Es müssen Millionen investiert werden, um Wasserleitungen muschelfrei zu halten.

Und der Neckar ist immer noch kein Fluss, in dem man ein Bad nehmen sollte. 2023 stand der Fluss mehrfach vor dem Umkippen. Das lag vor allem daran, dass bei starken Niederschlägen Fäkalien ungeklärt in den Neckar und dessen Zuflüsse gelangt waren. Dieser Regen traf teils auf niedrige Wasserstände, sodass die Fäkalien nicht gut verdünnt wurden.

Kleine Bäche versiegen, dann wieder Starkregen

„Der Klimawandel macht etwas mit unserer Sicherheit“, sagte Frieder Haakh, Direktor der Landeswasserversorgung am Freitag – dem internationalen Tag des Wassers – im Ausschuss für Klima und Umwelt. Wenn es lange kaum regnet, versiegen kleinere Bäche. Und dann gibt es plötzlich Starkregen wie etwa 2021 in der Innenstadt, als Autos im Wasser stehen blieben, viele Keller von Häusern vollliefen und das Kanalnetz nicht mehr ausreichte.

Um sich für die Zukunft vorzubereiten, haben sich Mitarbeiter der Bodenseewasserversorgung, der Landeswasserversorgung und von Netze BW Wasser an einen Tisch gesetzt und einerseits eine Vision für das Jahr 2100 entwickelt, andererseits konkrete Schritte für Stuttgart im Jahr 2030. Dazu gehören so selbstverständliche Dinge wie intelligente und sparsame Bewässerungssysteme oder die Sensibilisierung der Gesellschaft, was Wasserverbrauch angeht.

Schutz vor Terror und Hackerangriffen

Aber dazu gehört auch eine neue Reinigungsstufe in der Kläranlage Mühlhausen, wo künftig durch Aktivkohle Rückstände von Medikamenten, Pflanzenschutzmitteln oder Weichmachern entfernt werden können. Zudem sprach Frieder Haakh von mehr benötigter IT-Sicherheit, damit die Wasserversorgung trotz Gefährdungen wie Terror oder Hackerangriffen gewährleistet bleibe.

Außerdem geht es um die Anpassung an den Klimawandel. Also: mehr Pflanzen, weniger versiegelte Flächen. „Das muss bei allen neuen Planungen mitgedacht werden“, sagte Wolfgang Maier, der Leiter für Landschafts- und Grünordnungsplanung im Stuttgarter Stadtplanungsamt, in der Sitzung. Und weil es mal zu wenig Wasser (Dürre), mal zu viel Wasser (Starkregen) gebe, brauche es viel mehr begrünte Flächen, Fassaden und Dächer sowie durchlässige Straßenbeläge, durch die der Regen im Quartier bleibe und wiederverwendet werden könne.

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