Weihnachten in Stuttgart-Feuerbach Der Baum steht, doch der Zauber fällt aus

Von Susanne Müller-Baji 

Eine Fichte ziert den Wilhelm-Geiger-Platz in Feuerbach, doch der GHV muss den Weihnachtszauber absagen.

Am Samstag ist die etwa  zwölf Meter hohe Fichte aufgestellt worden. Foto: Susanne Müller-Baji
Am Samstag ist die etwa zwölf Meter hohe Fichte aufgestellt worden. Foto: Susanne Müller-Baji

Stuttgart-Feuerbach - Kinder verfolgen die Aktion mit großen Augen, Handys filmen mit: Nicht jeden Tag schwebt schließlich eine zwölf Meter hohe Fichte über dem Wilhelm-Geiger-Platz. Am Samstag hat der Gewerbe- und Handelsverein (GHV) Feuerbach seinen traditionellen Weihnachtsbaum in Position gebracht, gespendet von einer hiesigen Familie. Um den bekannten Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer zu zitieren: „Ja ist denn heut’ scho Weihnachten?“

„Wir sind eine Woche früher dran als sonst“, erzählt Christl Strauß, zweite stellvertretende GHV-Vorsitzende. Man brauche aber einen gewissen zeitlichen Spielraum für das Baumschmücken, für das man auf die Hilfe der Feuerbacher Feuerwehr angewiesen sei.

Eigentlich sollte alles rechtzeitig bereit sein für das traditionelle „Einleuchten“ am 28. November. Dass das ausfallen würde, stand freilich schon mit Ausrufung des Teil-Lockdowns fest. Ende der vergangenen Woche wurde nun aber auch der „Feuerbacher Weihnachtszauber“ abgesagt, der anstelle des vom GHV organisierten Weihnachtsmarktes am 5. Dezember hätte stattfinden sollen – anders als sonst nur einen Tag lang und mit großen Abständen zwischen den Ständen. „Die Auflagen der Stadt Stuttgart sind aber so, dass wir das auf keinen Fall leisten können“, erläutert GHV-Schatzmeisterin Andrea Ettengruber: „Wir hätten alle erfassen müssen, die an diesem Samstag auf der Stuttgarter Straße unterwegs sind – egal, ob sie den Weihnachtsmarkt besuchen oder nur einkaufen gehen.“

Da die allermeisten großen Weihnachtsmärkte schon früher abgesagt wurden, erhöht sich damit leider der Druck auf die wenigen verbleibenden Veranstaltungen. Denn es ist zu erwarten, dass der Ansturm auf die wenigen Alternativ-Angebote dadurch umso größer sein wird. Was es letztendlich unmöglich macht, die Kontrolle zu behalten, ganz egal, wie hoch die Auflagen sind.

Auch in Zuffenhausen wurde der Weihnachtsmarkt abgesagt

Es wird immer deutlicher, dass es im Jahr der Pandemie viele lieb gewonnene Traditionen nicht geben wird. Eine junge Mutter, die mit ihren beiden Kindern das Weihnachtsbaum-Aufstellen beobachtet, hat sich auch schon Gedanken gemacht: „Der Kleine mit seinen eineinhalb Jahren wird das noch nicht so merken. Aber der Große mit dreieinhalb Jahren wird es vermissen. Ich rechne schon damit, dass die Frage kommt, wann wir denn auf den ,bunten Markt‘ gehen.“

Also sind nun kreative Lösungen gefragt: Der GHV will zumindest an seiner Stiefelaktion für Kinder festhalten: Eltern und Großeltern können die leeren Kinderstiefel vom 11. bis 21. November in den teilnehmenden Geschäften abgeben und am 27. November gefüllt wieder abholen. Außerdem sollen an zwei Samstagen Nikolaus und Engel den Kindern das Bummeln auf der Stuttgarter Straße versüßen.

Auch in Zuffenhausen wurde der Weihnachtsmarkt rund um die Pauluskirche abgesagt. „Anstelle dessen suchen wir nach Wegen, wie wir die uns wichtige Adventsstimmung erhalten können“, so Pfarrer Dieter Kümmel von der veranstaltenden Kirchengemeinde. Das Problem sei, dass momentan keiner weiß, wie es mit den Corona-Beschränkungen nach dem derzeitigen Teil-Lockdown weitergeht. Vielleicht werde es aber Musik in den Straßen geben. „Die Gemeindemitglieder haben ja auch gebastelt und gestrickt, vielleicht können wir einen Stand in der Kirche machen.“ Außerdem erwäge man, verstärkt Adventsandachten anzubieten, was ja auch der drohenden Vereinsamung gerade von älteren Menschen entgegenwirkt.

Eines wird aber immer deutlicher: Der Advent 2020 wird wohl vor allem besinnlich werden. Die Mutter beim Feuerbacher Baum-Aufstellen hat sich jedenfalls schon Alternativen zum sonstigen Weihnachtsrummel überlegt: „Wir können ja trotzdem den Baum hier anschauen und mit den Kindern Weihnachtslieder singen. Oder wir gehen in die Kirche und schauen uns dort die Krippe an.“ Und das alles hat ja vielleicht auch eine besondere Qualität.




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