Weihnachtsmärkte Weil der Stadt und Renningen Ganz ohne Glühwein wär’s ja kein Weihnachten

Von Florian Mader 

Kleckserei oder würdiger Ersatz? Besucher sind über den Winterzauber Weil der Stadt geteilter Meinung, kommen aber trotzdem.

Prost! In der Hofstättgasse servieren die Skizunft, die Abteilung Fußball und der Fanfarenzug ihre Köstlichkeiten. Foto: factum/Bach
Prost! In der Hofstättgasse servieren die Skizunft, die Abteilung Fußball und der Fanfarenzug ihre Köstlichkeiten. Foto: factum/Bach

Weil der Stadt - Das wär’ ja noch schöner. Da haben sich die Weil der Städter allen Widrigkeiten zum Trotz und entgegen jedweder Erwartung ein bisschen Weihnachtsmarkt-Atmosphäre ins Städtle geholt. Und dann lassen sie sich von diesen paar Regentropfen doch nicht abhalten!

„Richtig gut finden wir, dass das hier noch zustande gekommen ist“, sagt die Weilerin Carolyn Beyerle, die mit ihrer Tochter Johanna in den Hof des Spitals gekommen ist. „Gutes Essen, gutes Trinken, nette Stände“, bilanziert sie mit durchaus zufriedener Miene, wohlwissend, dass es ganz ohne Glühwein am Wochenende nach Nikolaus kein richtiges Weihnachten gewesen wäre.

Mehrere Hotspots für die Wehmütigen

Das haben sich auch verschiedene Vereine, die Citymanagerin Marion Beck und der Mittelaltermarkt-Organisator Dieter Wurster gedacht, als im Sommer die Nachricht wie ein Blitz eingeschlagen hatte, dass der richtige, echte und originale „Kepler-Weihnachtsmarkt“ mangels Organisatoren abgesagt wurde. Unter dem Motto „Winterzauber“ konnten die Wehmütigen nun am Wochenende mehrere Hotspots im Städtle ansteuern, zum Beispiel die durchaus gemütliche, bislang als Veranstaltungsort aber unentdeckte Hofstättgasse. „Extra ein Zelt haben wir noch aufgestellt“, sagt Kristof Voko, der Vorsitzende der Weiler Skizunft, die hier Kässpätzle und Glühwein serviert. 40 Ehrenamtliche betätigen sich nun am Stand der Skizunft. Sie zusammenzubekommen sei nicht allzu schwierig gewesen, sagt Voko. Ein einmaliges Event ist der Winterzauber schließlich. „Allen ist klar, dass wir das zum ersten und zum letzten Mal machen.“

Auch nebenan, bei der Abteilung Fußball des Sportvereins, kocht der Glühwein. Hier zeigt sich, dass die Absage des Weihnachtsmarktes auch so manche Sorgenfalte produzierte. „Für uns hätte das fehlende Einnahmen bedeutet“, sagt Sven Kühnle, der Trainer der zweiten Mannschaft. Der Weihnachtsmarkt ist zwar nicht die einzige, aber eine sehr wichtige Einnahmequelle für die Vereinskasse. „Mit dem Geld halten wir den Spielbetrieb aufrecht, finanzieren zum Beispiel Bälle, die Platzpflege und die Schiedsrichter“, berichtet Kühnles Co-Trainer Santino Arnesano. Als sich dieser Ersatz-Weihnachtsmarkt zusammenbraute, war daher sofort klar, dass man mitmacht, auch wenn weniger Geld fließt, weil weniger Leute im Städtle sind.

Ist der Glühwein ausgetrunken, geht’s zum nächsten Punkt, dem Spital, auch wenn man da ein bisschen laufen muss. „Ich hab mich auf dem Weihnachtsmarkt etwas verloren gefühlt“, kommentiert Eloise Carim auf der Facebookseite dieser Zeitung. „Da ein Klecks und dort ein Klecks. Und die Kleckse musste man auch erst mal finden.“

Kräfte zusammengetrommelt

„Man kann doch froh sein, dass es überhaupt was gab“, entgegnet ihr Simon Lauser. Das haben sich auch die Gruppenbosse der Narrenzunft gedacht und ihre Kräfte zusammengetrommelt. Im Spital stehen jetzt zwölf Stände, streng koordiniert von gegenseitigen Absprachen. „Alle Gruppen machen was“, berichtet Zunftmeister Daniel Kadasch. „Aber wir haben darauf geachtet, dass es überall was anderes gibt.“

Heiße Schlehe zum Beispiel – natürlich nur bei den Schlehengeistern. „Das ist der Kracher – probier doch mal“, preist Hartmut Hiller an. Die Tugend der Not treibt indes noch ganz andere Blüten. Denn im Schlehengeister-Stand backen die Schellenteufel Waffeln. „Ja, wir haben ihnen Asyl gewährt“, erklärt Hiller und lacht. „Wir machen das Beste aus der Situation.“ Selbiges gilt auch für die Zigeuner, die kurzerhand ihr geheimes Rezept für die Zigeunersuppe rausgeholt haben. Die gibt es eigentlich nur beim Zigeunerfest im Sommer.

Suppe gibt es auch beim nächsten Klecks, dem Mittelaltermarkt auf dem Carlo-Schmid-Platz. Organisator Dieter „vom Galgenberg“ Wurster hat den Markt gleich mal verdoppelt. Waren im vergangenen Jahr nur acht Stände da, so sind es heuer zwanzig. „Wir waren immer eigenständig“, sagt er, daher habe ihn die Absage auch nicht tangiert. Nächstes Jahr könnten es sogar noch mehr werden. Apropos nächstes Jahr. Besucherin Carolyn Beyerle wird wehmütig, trinkt einen Schluck und sagt dann, was alle hier denken: „Wir hoffen, dass nächstes Jahr wieder der richtige Weihnachtsmarkt stattfindet.“