Weihnachtsmarkt in Stuttgart Nach dem Zoff um die Öffnungszeiten hofft man auf Harmonie

Die Weihnachtspyramide am Schlossplatz spiegelt sich im Kunstmuseum. Foto: Lichtgut// Piechowski

Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt steht vor der Tür. Der Aufbau der Buden hat begonnen. Was ist neu? Und warum gab es Streit?

Weihnachtszeit, besinnliche Zeit, geruhsame Zeit. Doch statt Budenzauber war vor dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt erst mal Zoff in der Bude.

 

Debatte über die Öffnungszeiten

Viele der 200 Beschicker fühlten sich überfahren von der Entscheidung der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, die Öffnungszeiten zu ändern. Statt wie bisher von 10 bis 21 Uhr und freitags und samstags bis 22 Uhr zu öffnen, sollten sie erst um 11 Uhr, dafür donnerstags bis samstags bis 23 Uhr öffnen. Sie fürchten, dass des Nachts die Nachfrage nur nach Glühwein hoch sei, nicht aber nach Gurkenhobeln, Springerlesmodeln und Christbaumkugeln. Und dass man Personal länger beschäftigen müsse, ohne entsprechend zu verkaufen und zu verdienen. Das wurde nicht nur unter den Händlern diskutiert, auch die Stadträte debattierten mit und befanden, die Vorgabe, alle müssten bis zum Schluss ihre Waren anbieten, gehöre korrigiert.

Nun saßen die Vertreter der Veranstaltungsgesellschaft und die Händler beisammen, einig wurde man sich nicht. Von Harmonie kann keine Rede sein, berichten Beschicker. Einige beharren darauf, früher schließen zu dürfen, in.Stuttgart habe dies zugesichert. Die Veranstaltungsgesellschaft sieht dies anders, beharrt darauf, dass alle ihre Buden offen halten müssen bis zum Schluss. Oder bis zum bitteren Ende, je nach Sichtweise. „Es gibt verschiedene Meinungen, natürlich“, sagt Andreas Kroll, Chef von in.Stuttgart, „aber es gibt nicht wenige Händler, die längere Öffnungszeiten befürworten.“ Es sei zu einfach zu sagen, wer Essen und Trinken verkaufe, sei dafür; wer Weihnachtsartikel verkaufe, dagegen. „Das geht durchaus durcheinander.“

Wann ist nun geöffnet?

Anderswo, etwa in Esslingen beginne der Weihnachtsmarkt eine Woche früher, das bedeute auch höhere Personalkosten und nicht zwingend höhere Umsätze. In Stuttgart hingegen bleibe man dabei, man beginne den Weihnachtsmarkt aus Tradition erst nach dem Totensonntag. Dafür verlängere man die Öffnungszeiten. Da hat man nach der Diskussion etwas abgespeckt. Die letztendlich gültigen amtlichen Öffnungszeiten sind nun: Geöffnet wird jeden Tag um 11 Uhr. Von Sonntag bis Mittwoch ist Schluss um 21 Uhr, donnerstags um 22 Uhr, freitags und samstags um 22.30 Uhr. Am Eröffnungstag, dem Mittwoch, 29. November, beginnt der Weihnachtsmarkt um 17 Uhr.

Dass man morgens eine Stunde später aufmacht, ist auch ein Zugeständnis an die Einzelhändler in der Innenstadt. Denn die können damit wie bisher um 11 Uhr beliefert werden. In der Vergangenheit mussten die Laster und Transporter während des Weihnachtsmarkts bereits um 10 Uhr aus der Innenstadt verschwunden sein.

Die Öffnungszeiten sollen aber nicht in Stein gemeißelt sein. Marcus Christen, Abteilungsleiter bei in.Stuttgart, sagt: „Wir werden in der dritten Woche eine detaillierte Umfrage unter den Beschickern machen.“ Und dann für die Zukunft die Schlüsse daraus ziehen. Kroll und Christen betonten, dass von 200 Stände 36 Essen und Getränke verkaufen. „Wir könnten 60 Imbisse unterbringen, wenn wir wollten“, sagt Christen. Das mache man mit Absicht nicht, ergänzt Kroll, um die Atmosphäre des Weihnachtsmarkts zu erhalten.

Was gilt für die Touristen?

Nicht nur die Öffnungszeiten sind neu, auch die Touristen müssen neue Wege lernen. Wer mit dem Reisebus kommt, kann nicht mehr am Karlsplatz aussteigen. Um den Verkehr zu entzerren, halten die Busse am Börsenplatz an der Theodor-Heuss-Straße, um dann weiter zum Wasen zu fahren. Am Börsenplatz werden Toiletten aufgestellt. 2019 steuerten 3500 Reisebusse den Weihnachtsmarkt an, „mit etwas weniger“, rechnet Christen heuer. Viele Touristen kämen auf eigene Faust, mit dem Auto oder per Zug. Die werden am Hauptbahnhof die erste Bescherung erleben.

Die Stiftskirche im Mittelpunkt

Neu ist auch das Turmblasen vom Turm der Stiftskirche. Von Freitag bis Sonntag wird jeweils ein Posaunenchor aus der Region hoch über dem Schillerplatz aufspielen. Zur Besinnlichkeit beitragen werden die Konzerte im Alten Schloss, die Glanzlichter werden mit den Stuttgarter Wahrzeichen den Schlossplatz erhellen.

Ob das reicht, damit es den von Kroll gewünschten „harmonischen Weihnachtsmarkt“ gibt? Man darf gespannt sein und mit Blick auf den Glühwein sagen, es wird nicht alles so heiß getrunken, wie es erhitzt wird.

Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt

Öffnungszeiten
Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt beginnt am Mittwoch, 29. November, um 17 Uhr. Die offizielle Eröffnung im Hof des Alten Schlosses ist um 18 Uhr. Sonntag bis Mittwoch ist von 11 bis 21 Uhr geöffnet, donnerstags von 11 bis 22 Uhr, freitags und samstags von 11 bis 22. 30 Uhr.

Was gibt es sonst?
Im Hof des Alten Schlosses treten fast jeden Tag Chöre auf. Immer freitags bis sonntags spielen von 17.45 bis 18.15 Uhr Posaunenchöre auf dem Turm der Stiftskirche. In der Stiftskirche selbst sind vom 4. bis 22. Dezember täglich von 13.15 bis 13.45 Uhr Orgelkonzerte. Die Lebende Krippe in der Sporerstraße mit Esel Lukas und Schafe und Lämmern hat dieses Jahr einen größeren Stall. Auf dem Schlossplatz fährt wieder die Dampflok und stehen das Karussell und das Mini-Riesenrad.

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