Weinmesse in Stuttgart Was italienische Topwinzer empfehlen

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Italien zu Gast in Gaisburg: Bei seiner Hausmesse hat Dieter Fischer nicht nur Topwinzer versammelt sondern auch illustre Gäste.

Zum Wohl:Großer Andrang bei der Weinmesse Fischer & Trezza Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone 5 Bilder
Zum Wohl:Großer Andrang bei der Weinmesse Fischer & Trezza Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone

Stutgart - „Café, Signora?“ Am Sonntag und Montag ist ein warmer „scirocco“ durch das Gaisburger Gewerbegebiet geweht. Im liebevoll dekorierten Verkostungszelt standen gewaltige Olivenbäume, und gleich am Eingang schmetterte der Pizzabäcker aus Rom Ruggero Scandiuzzis Hit „Amore ho bisognio di te!“ (Liebling, ich brauche dich). Der Südwind blies von Sizilien über die Toskana bis Südtirol hinüber nach Schwaben. Bei der 22. „Vinitalia“, wie die Hausmesse bei Fischer & Trezza heißt, waren wieder die Topwinzer der bekanntesten Anbaugebiete dabei, wie etwa aus den Marken „Mr. Verdicchio“ Stefano Antonucci oder aus dem Piemont zwei der „Barolo-Päpste“, Giorgio Rivetti (La Spinetta) und Giorgio Conterno (Paolo Conterno).

„Caro amico“, „lieber Freund“: Mit einer innigen Umarmung begrüßte Conterno den EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger. Er sei ein großer Freund italienischer Weine, erklärte dieser, und der Gastgeber Dieter Fischer sei ein „Kulturvermittler“ ersten Ranges. „Italien ist mein Lieblingsland“, sagte Oettinger – das gelte auch in kulinarischer Hinsicht. „Italien ist sehr gastfreundlich, das spürt man auch in den Lokalen. Wo immer man auf der Welt unterwegs ist, findet man eine Osteria, wo man eigentlich alles von der Karte essen kann.“ Und beim Italiener gebe es auch nach 23 Uhr noch einen Teller Nudeln – dann, wenn andernorts in Deutschland schon längst die Rollläden heruntergelassen seien.

Dass die Italiener feiern können, haben sie auch dieses Jahr bewiesen: Am Samstagabend trafen sich die Winzer im Ristorante La Commedia von Luigi Aracri und Piero Cuna. Zu später Stunde gab es Champagner. Wobei nicht nur Giorgio Rivetti am Sonntag meinte, dass die italienischen Spumante – ebenfalls in der Flasche vergoren – inzwischen locker mit den Kollegen aus Frankreich mithalten könnten. Die Krux an der Sache sei: „Bei Italien denken die Deutschen an Prosecco, und der ist nun mal eher süß.“ Im Land selbst scheint sich freilich ein Wandel abzuzeichnen, der Trend geht zu „pas dosé“, also zu ganz trockenen Schaumweinen ohne Likörzugabe. Das habe aber nicht nur mit dem Geschmack zu tun, sondern auch mit der Eitelkeit ihrer Landsleute, betonte Federica Fossati vom Familienweingut Corteaura im Franciacorta-Gebiet: „Die Leute wollen alle keinen Zucker, weil sie auf Diät sind“.

Erinnerung an den Gardasee

Und was mögen die Stuttgarter? „Lugana ist der Modewein“, meinte dazu Piero Cuna. Die Erklärung lieferte er gleich mit: „Viele unserer Gäste machen Urlaub am Gardasee und verbinden mit dem Wein eine Erinnerung daran.“

Trotz des regelrechten Hypes um deutsche im allgemeinen und hiesige Winzer im Besonderen komme die Gastronomie nicht ohne Barolo und Co aus, sagte Bastian Sommer (zuletzt Cape Collins). „Italienische Weine – das ist eine Bank. Wobei wir hier ja langsam dieselben klimatischen Verhältnisse kriegen.“ Sommer ist derzeit auf der Suche nach einem neuen Objekt für eine Bar: „Erst kommt der Raum, dann das Konzept.“

Auch Weingroßhändler Dieter Fischer, der von Stuttgart aus viele Wirte in ganz Deutschland beliefert, verzeichnet keinen Rückgang bei der Nachfrage. Der Absatz sei „seit Jahren stabil“, sagte er. Mehr Begeisterung war dem Schwaben nicht zu entlocken. Dafür schwärmten Rivetti und Conterno von den hiesigen Kunden: Sie müssen es wissen, die beiden sind seit mehr als 20 Jahren jedes Jahr bei der Messe dabei. Auch Willi Stürz, der Kellermeister der Traminer Genossenschaft, war wieder persönlich da – sonst komme er nur zur ProWein in Düsseldorf und zu ein, zwei anderen Terminen im Jahr nach Deutschland. Wie seine Kollegen zeigte sich Stürz mit dem aktuellen Jahrgang sehr zufrieden. „Nur bei den Spätlesen, die noch hängen, bin ich etwas skeptisch.“

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