Die Hiobsbotschaft aus der Autoindustrie in Baden-Württemberg häufen sich. Der Autozulieferer Bosch will nach dem geplanten Stellenabbau in der Dieselsparte auch in der Software-Sparte Cross-Domain Computing Solutions massiv Stellen einsparen. Die mögliche Personalreduzierung bewegt sich weltweit im Bereich von rund 1200 Stellen bis Ende 2026, erklärte das Unternehmen. Ein Großteil davon, bis zu 950 Stellen, soll in Deutschland gestrichen werden. Betroffen sind insbesondere die Standorte Abstatt, Leonberg, Renningen, Schwieberdingen und Hildesheim. Die im Sommer geschlossene Zukunftsvereinbarung, die an den deutschen Standorten der Kfz-Sparte Kündigungen bis Ende 2027 ausschließt, will der Konzern einhalten.
Hintergrund der neuen Pläne ist das Zusammentreffen einer schwachen Konjunktur und einer schwachen Nachfrage nach hochautomatisierten Fahrfunktionen, die dazu führt, dass die hohen Investitionen die Kasse massiv belasten und sich nur schwer refinanzieren lassen. Die hohe Inflation, die unter anderem durch gestiegene Kosten bei Energie und Rohstoffen entstanden ist, erhöhe die notwendigen Ausgaben zusätzlich.
Der Geschäftsbereich habe „mit deutlich größeren Herausforderungen zu kämpfen als erwartet“, erklärt das Unternehmen unserer Zeitung. In dieser Situation müsse Bosch wie andere Unternehmen auch die „schwierige Balance halten zwischen Investieren und Kostendisziplin“. Diese Balance sei grundlegend für die Zukunftssicherheit. Am Mittwoch wurden die Beschäftigten der Entwicklungs-, Vertriebs- und Verwaltungsbereiche über mögliche Personalanpassungen informiert.
Für die Bosch-Beschäftigten ist die Nachricht vom bevorstehenden Stellenabbau in der Softwareentwicklung die zweite Hiobsbotschaft innerhalb von rund fünf Wochen. Bereits Mitte Dezember hatte das Unternehmen massive Stellenstreichungen angekündigt, die neben dem Werk Feuerbach auch den Standort Schwieberdingen betreffen, an dem sich beide Sparprojekte auswirken.
Auch dieser Plan betrifft Entwickler und somit Beschäftigte, deren Qualifikation in der Branche bisher überaus gefragt war. Durch das von der EU beschlossene Aus des Verbrennungsmotors im Jahr 2035 läuft die Entwicklung solcher Antriebe bei den Herstellern nur noch auf Sparflamme. Davon betroffen ist auch die Entwicklung bei Bosch, die deshalb nun verkleinert werden soll.
Die Zukunftssicherungsvereinbarung des Unternehmens schließt bis Ende 2027 betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Standorten der Kfz-Sparte Mobility Solutions aus. Bosch-Personalchef Stefan Grosch hatte aber bereits vor Monaten im Interview mit unserer Zeitung darauf hingewiesen, dass diese Vereinbarung nicht eine bestimmte Anzahl von Arbeitsplätzen im Unternehmen festschreibt, sondern den Einzelnen vor einer Entlassung aus betrieblichen Gründen schützt. Der Abbau von Stellen, etwa durch die Nichtbesetzung frei werdender Stellen oder das freiwillige vorzeitige Ausscheiden von Beschäftigten, ist weiter möglich. Auch den gegenwärtig anstehenden Stellenabbau will Bosch im Rahmen der Sicherungsvereinbarung bewältigen.
Jobabbau auch bei ZF
Auch beim Friedrichshafener Autozulieferer ZF steht offenbar ein großer Stellenabbau bevor. Zu Aussagen des Gesamtbetriebsrats, wonach in Deutschland in den kommenden Jahren mindestens 12 000 Arbeitsplätze wegfallen könnten, erklärte Personalchefin Lea Corzilius, sie könne die Sorge nachvollziehen. Die Auftragslage sehe schlecht aus. Laut Betriebsratschef Achim Dietrich wurden dem Aufsichtsrat Abbauziele für die nächsten sechs Jahre von bis zu 18 000 Stellen genannt. Corzilius erklärte dazu, die Transformation zur E-Mobilität mache viele Arbeitsstellen überflüssig. Die „Multikrise“ aus Kriegen, Lieferengpässen und den Unsicherheiten über das weitere Tempo der Elektrifizierung setze das Unternehmen unter Druck. Belastend wirkt sich auch die hohe Verschuldung von elf Milliarden Euro nach dem Jahre zurückliegenden Kauf der Autozulieferer TWH und Wabco aus.
Die Transformation zu neuen Technologien führt auch beim Stuttgarter Mercedes-Konzern zu massiven Jobsorgen. Der Betriebsrat befürchtet, dass schon bald weitreichende Entscheidungen über Investitionen für die Zeit nach 2030 fallen, wenn die gegenwärtige Beschäftigungssicherungsvereinbarung ausläuft. Er fordert schon jetzt Verhandlungen über eine Verlängerung dieser Vereinbarung über die Zeit nach 2030 hinaus, die das Unternehmen aber strikt ablehnt.
Der Untertürkheimer Betriebsratsvorsitzende Michael Häberle, begründet die Forderung damit, diejenigen, die darüber entscheiden, wo in Zukunft Investitionen, Produktion und Arbeitsplätze angesiedelt werden, bräuchten „schon sehr bald klare Leitplanken“. Ansonsten könne „jemand auf die schlechte Idee kommen, dass man diese Investitionen zulasten der deutschen Standorte überall auf der Welt vornehmen kann“.