Weiterführende Schulen in Stuttgart Das „Elly“ probiert Inklusion aus

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Wie Inklusion in der Praxis aussieht, wird vom nächsten Schuljahr an das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Bad Cannstatt ausprobieren. In der künftigen Klasse 5a werden neben 19 G8-Schülern auch sechs geistig behinderte Schüler sitzen. Deren Ziel ist nicht das Abitur. Offiziell handelt es sich um eine sogenannte Außenklasse der Helene-Schöttle-Schule. Das Sextett werde auch ein eigenes Klassenzimmer haben – direkt neben den ­G8ern. Aber, so kündigt Schulleiter Norbert Edel an: „Wir machen die Zusammenarbeit sehr eng – in allen Fächern.“

Mit diesem Vorhaben ist das Elly Pionier – nicht nur in Stuttgart, wie die Kontroversen über den Fall des Schülers Henri gezeigt haben; den Jungen mit Down-Syndrom aus Walldorf, den kein Gymnasium wollte und der nun auf einer Realschule gelandet ist. Doch Edel ist davon überzeugt: „Es geht.“ Nicht nur deshalb, weil die Elly-Schüler sich dies ausdrücklich gewünscht haben, jedenfalls die 19 in der 5a. Edel setzt auch auf „einen guten, rhythmisierten Ganztag“. Gemeint ist, dass alle Schüler in der Orientierungsstufe, also den Klassen fünf und sechs, an vier   Tagen von 7.55 bis 15.30 Uhr einen Wechsel von Unterricht und anderen pädagogischen Angeboten haben.

„Eltern, die das nicht wollen, melden ihre Kinder woanders an“, sagt Edel. „Wir sagen das ausdrücklich. Und wir nehmen auch in Kauf, dafür den einen oder anderen Schüler weniger zu haben.“ Tatsächlich ist das Elly mit 37 Anmeldungen dieses Mal das Gymnasium mit der geringsten Bewerberzahl. Über die Gründe mag Edel nicht spekulieren.

Schulleiter: auch begabte Kinder sollen profitieren

Natürlich seien viele Eltern verunsichert und hätten Sorge, dass die Förderung der begabten Kinder zu kurz komme, räumt Edel ein. Doch gerade darauf werde man besonders achten. Auch leistungsstarke Kinder sollten von dem Angebot profitieren, betont der Schulleiter. „Das ist genauso wichtig bei der Inklusion.“

Könnte auch die künftige Baustelle ein Grund für die Zurückhaltung bei der Anmeldung sein? Doch die Arbeiten für den Neubau starten erst in zwei Jahren. „Wir werden in der ganzen Bauphase ungestörten Schulbetrieb haben, allerdings etwas mehr Lärm“, sagt Edel. Dafür werde die neue Schule vierzügig ausgelegt „und dann top ausgestattet – wenn man es den Eltern erklärt, verstehen die schon, dass es eine tolle Aussicht ist“.

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