Widerstand gegen den Süden Spät in die Ferien – das wollen auch andere

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Bayern und Baden-Württemberg genießen ein besonderes Privileg: Beide beteiligen sich nicht am rotierenden Ferienkalender der anderen Bundesländer. Dagegen entwickelt sich nun Widerstand.

Raus aus der Schule! Foto: dpa
Raus aus der Schule! Foto: dpa

Stuttgart - Der Widerstand von Baden-Württemberg und Bayern formierte sich prompt. Die Reihen sind geschlossen, denn es gilt einen Besitzstand zu verteidigen. Als einzige im Konzert der 16 Bundesländer haben die beiden Südländer stets die spätesten Sommerferientermine – in Baden-Württemberg beginnen sie dieses Jahr am Donnerstag und enden am 7. September, in Bayern dauern sie vom 1. August bis 12. September. Beide Länder sind vom Rotationsverfahren für die Sommerferientermine ausgenommen – und das empfinden andere als ungerecht.

Der Wirtschaftsminister von Niedersachsen, Jörg Bode (FDP), hat nun dieses seit Anfang der 90er Jahre verankerte Sonderrecht angezweifelt: „Dadurch, dass einige Bundesländer ihre Sommerferien immer in die sonnensicheren Monate legen, werden andere Länder benachteiligt.“ Das traditionelle Argument von Bayern und Baden-Württemberg, die Schüler müssten bei der Ernte helfen, sei „aus der Zeit gefallen“, meint Bode. Sowohl Stuttgart als auch München sollten ihre „Blockadehaltung“ aufgeben. Bode führt auch wirtschaftspolitische Gründe ins Feld und lehnt sich dabei eng an die Wünsche der Tourismusmarketing Niedersachsen an. Es geht um die bessere Auslastung der Ferienregionen an der Küste, die er sich verspricht, wenn alle 16 Länder am Rotationsverfahren teilnehmen. Im Übrigen sollten die Bundesländer die volle mögliche Zeitspanne für die Sommerferien ausnutzen – das sind 92 Tage. „Wenn ausgebucht ist, kann man keinen Urlaub machen“, sagt Bode.

Zurzeit kommt die aktuelle Ferienzeitspanne diesen 92 Tagen recht nahe. In manchen Jahren sind es aber zwischen dem frühesten Ferienbeginn und dem spätesten Ferienende in Deutschland nur um die 70 Tage. Für die deutschen Urlaubsregionen bedeutet dies ein Wegbleiben der heimischen Klientel von fast drei Wochen.

Unter den Ländern hat Niedersachsen bei der hessischen Kultusministerin Nicola Beer (FDP) immerhin eine Mitstreiterin gefunden: Dass die Südländer „immer eine Extrawurst“ erhalten, das sei unfair, verlautet aus dem Schulministerium in Wiesbaden: „Hessen hätte auch gerne einmal einen späten Sommerferientermin.“

Stuttgart und München wollen sich nicht bewegen

Es bestehe keinen Grund, an der bisherigen Regelung für die Ferien etwas zu ändern, heißt es unisono in Stuttgart und München. „Von Landeschulbeirat bis Landeselternbeirat – bei uns sind alle zufrieden mit dem Bestehenden“, sagt Armin Kübler, Pressesprecher im baden-württembergischen Kultusministerium. Man habe den sehr späten Sommerferientermin akzeptiert, dafür aber eine „dauerhafte Lösung“ erhalten.

In Bayern räumt man ein, dass das Argument für den späten Ferienbeginn, die Bauernjugend müsse zur Heuernte, heute nicht mehr zählt. Nur bei bestimmten Gemüsearten – Gurken beispielsweise – müssten Kinder in einigen Regionen Bayerns heute noch auf den Höfen bei der Ernte helfen, heißt es im Kultusministerium.

Ausschlaggebend für die Bayern ist das Beharren an den mit zwei Wochen verhältnismäßig langen Pfingstferien. Beteilige man sich an der Rotation, dann könnte die Unterrichtszeit zwischen späten Pfingstferien und frühen Sommerferien je nach Kalenderjahr zu kurz werden, sagt Ludwig Unger, der Pressesprecher im bayerischen Kultusministerium. Die langen Pfingstferien aber seien zur „festen Institution“ geworden. Ähnlich wird auch in Stuttgart argumentiert, wo die Pfingstferien vielfach als „heimliche Sommerferien“ von den Familien benutzt werden, die dann zu Nebensaisonpreisen Urlaub machen.

Andere Bundesländer – Nordrhein-Westfalen zum Beispiel – haben im Ausgleich dafür zweiwöchige Herbstferien im Oktober. In Düsseldorf und in anderen Ländern will sich das zuständige Ministerium im Ferienstreit noch nicht positionieren. Im Büro der Ständigen Kultusministerkonferenz hat man die Erfahrung gemacht, dass man es beim Thema Ferien vermutlich keinem recht machen kann. „Wir erhielten auch Anrufe von Eltern aus Bayern, die sich einen frühen Sommerferientermin wünschten, weil sie endlich mal zur Mittsommernachtsfeier nach Skandinavien reisen wollen“, sagt ein Sprecher. Dass eine Ferienreform rasch auf den Tisch kommt, erwartet niemand. Die Sommerferien sind von der Kultusministerkonferenz von 2011 bis 2017 schon festgelegt worden. Vom nächsten Jahr an soll über die Zeit nach 2018 beraten werden, spätestens 2015 wird darüber ein Beschluss fällig. Niedersachsen will das Thema im Dezember dieses Jahres auf die Agenda setzen – allerdings nicht bei den Kultus-, sondern bei den Wirtschaftsministern.