Nach Rückmeldungen aus den Kreisen Ludwigsburg und Rems-Murr fallen bis zu 20 weitere der ursprünglich 96 geplanten Standorte weg. Im Frühsommer will der Verband Region Stuttgart endgültig festlegen, wo sich künftig Windräder drehen sollen.

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)

Stuttgart - Es bröckelt an der Windkraft-Front: Mittlerweile haben alle Landratsämter in der Region ihre Stellungnahmen abgegeben. Da alle Kreise bei einigen Standorten ein mehr oder minder kräftiges Veto aussprachen, werden mit Sicherheit zehn, vielleicht aber bis zu 30 der ursprünglichen 96 Standorte gestrichen werden. Diese Zahl könnte weiter steigen, da auch der Wetterdienst und die Flugsicherung nicht alle Areale für Windkraftanlagen akzeptieren wollen. Die Bedenken der Kreise im Einzelnen.

Rems-Murr-Kreis Hier waren bisher 35 Areale vorgesehen – doch 16 davon liegen in Landschaftsschutzgebieten, und für alle diese Standorte hat das Landratsamt in Waiblingen nun beim Verband Region Stuttgart (VRS) Bedenken angemeldet. Man habe die klare Erwartung an den VRS, dass diese Standorte bei der Planung nicht weiter verfolgt würden, sagte die Sprecherin des Landratsamtes, Gabriele Bellviure. Zu den indizierten Standorten gehört auch die Buocher Höhe bei Korb, wo sich bereits die bisher stärkste regionale Bürgerinitiative gegen Windräder gebildet hat, wo aber die Stadt Waiblingen bereits Messungen der Windstärke vornehmen lässt. Der politische Zündstoff ist also groß. Thomas Kiwitt, der das Planungsverfahren beim VRS leitet, wertet die Bedenken des Rems-Murr-Kreises noch nicht als definitives Aus für die Areale. Man werde die 16 Orte vertieft prüfen und Gespräche mit dem Landratsamt führen, sagte er.

Ludwigsburg Der Landkreis empfiehlt, zwei der acht geplanten Standorte (beide bei Hohenhaslach) nicht weiter zu verfolgen; bei den meisten anderen müsse der VRS zuerst schwierige artenschutzrechtliche Fragen lösen. Einen bisher nicht kartierten Standort bei Bönnigheim, den die Stadt und eine Bürgerinitiative vorgeschlagen haben, lehnt der Landkreis aus Gründen des Naturschutzes ab – ebenso ein weiteres Windrad im bestehenden Vorranggebiet bei Ingersheim. Allerdings ist aus Sicht des Landratsamtes denkbar, auf der Ingersheimer Gemarkung ein neues Gebiet einzuplanen.

Die Karte zeigt die diskutierten Windräder-Standorte in der Region Stuttgart. Blaue Punkte markieren schon bestehende Standorte, gelb markierte Standorte sind in der Diskussion, rot markierte Standorte wurden inzwischen abgelehnt.

Stuttgart Die Stadt hat die zwei neuen Standorte auf der Bernhartshöhe und auf der Hohen Warte für geeignet befunden. Da die Grundstücke alle in städtischer Hand sind, ist die Stadt letztlich nicht vom Votum des VRS abhängig, sondern entscheidet selbst, wer wann welche Anlagen bauen darf.

Weitere Landkreise Im Kreis Esslingen wird der VRS auf Bitten des Landkreises vier der 13 Standorte streichen, in Böblingen vier von zehn und in Göppingen zwei von 27 (wir berichteten). Ein Problem in der Planung wird zunehmend die unterschiedliche Gewichtung der Landschaftsschutzgebiete (LSG). Im Kreis Esslingen zum Beispiel hat das Landratsamt vier Gebiete als geeignet und vier als ungeeignet bezeichnet; der Rems-Murr-Kreis lehnt dagegen alle 16 Standorte im LSG ab. Die Landesregierung müsse deshalb endlich Vorgaben machen, unter welchen Bedingungen Windräder in geschützten Gebieten möglich seien, mahnt Thomas Kiwitt deshalb erneut an. Nur dann sei gewährleistet, dass die Verfahren überall gleich abliefen.

Thomas Kiwitt deutete im Übrigen an, dass durch die Bedenken der Flugsicherung und der Wetterstationen eine „weitere erhebliche Reduktion“ der Standorte drohe. Im Frühsommer will der Planungsausschuss des VRS entscheiden, welche Standorte für Windkraftanlagen letztlich ausgewiesen werden.

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