Windpark im Bottwartal? Das Heft bei Windrädern nicht aus der Hand geben

Bund und Land fordern, 1,8 Prozent der Fläche für Windenergie zu verwenden. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Bei der Energiewende spielen die Kommunen eine Schlüsselrolle. Kirchturmpolitik ist keine Lösung.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Bis 2050 sollen erneuerbare Energien so gut wie die gesamte Stromversorgung in Deutschland gewährleisten. Städte und Gemeinden spielen bei der Energiewende eine Hauptrolle. Denn sie können vorangehen, oder aber bremsen. Außerdem konkretisiert sich jede Aktivität auf dem Gebiet einer oder mehrerer Kommunen. Der Windenergie kommt eine Schlüsselrolle zu. Bund und Land fordern, 1,8 Prozent der Fläche für die Energieform zu verwenden.

 

Die Überlegungen für einen Park mit bis zu acht Windrädern im Hardtwald bei Großbottwar stehen ganz am Anfang. Zunächst geht es lediglich darum, prüfen zu lassen, ob die Anlagen mit einer Nabenhöhe von rund 250 Metern im Hardtwald überhaupt errichtet werden könnten. Dafür braucht es einen kommunalen Schulterschluss von acht Kommunen. Die ersten Drei – Benningen, Murr und Pleidelsheim – haben diese Woche bereits grünes Licht gegeben. Mit großer Mehrheit, aber auch mit Bedenken. Die überraschen nicht, denn wie so oft bedeutet ein Ja zur Zielsetzung, also ein Ja zur Energiewende, nicht zwangsläufig ein Ja zur konkreten Umsetzung vor der eigenen Haustür.

Rückenwind bekommen die Bedenkenträger vom Präsidenten der Stiftung Nature Life Claus-Peter Hutter. Einen Windpark im Hardtwald dürfe es ebenso wenig geben wie im Stromberggebiet, mahnt er. Grünes Tafelsilber würde verhökert, ökologische Schätze würden der Plünderung freigegeben.

Hutters Argumente sind nicht von der Hand zu weisen: Zufahrtsstraßen verdichten den Boden, der Bau- und Unterhaltungsverkehr stört die letzten Rückzugsgebiete heimischer Wildtiere, die Landschaft wird zerschnitten und das einzig weitgehend geschlossene Waldgebiet im Kreis geht flöten. Bäume müssten fallen. Dabei ist der mit einem Waldanteil von etwa 18,5 Prozent eh schon der waldärmste Kreis im Ländle.

Allerdings muss auch klar sein: Mit Kirchturmpolitik lässt sich die Energiewende nicht schaffen. Die Kommunen stehen unter Zugzwang. Bieten sie keine Flächen im Regionalplan an, könnten Windkraft-Unternehmen mit privaten Grundstücksbesitzern verhandeln. Die Kommunen gäben damit das Heft des Handelns oder zumindest der Mitbestimmung aus der Hand.

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