WLB Esslingen Drei Premieren zum Saisonendspurt

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Die Württembergische Landesbühne in Esslingen feiert an diesem Wochenende gleich drei Premieren – darunter auch die Uraufführung eines Science Fictions für Kinder. Im Mittelpunkt steht aber Ödön von Horvaths „Glaube Liebe Hoffnung“.

Kristin Göpfert als Elisabeth und Ralph Hönicke  als Alfons in „Glaube Liebe Hoffnung“ Foto: Ines Rudel
Kristin Göpfert als Elisabeth und Ralph Hönicke als Alfons in „Glaube Liebe Hoffnung“ Foto: Ines Rudel

Esslingen - Die Württembergische Landesbühne Esslingen startet mit einem fulminanten Theaterwochenende in den Saisonendspurt. Am Samstag erleben gleich zwei sehr unterschiedliche Klassiker ihre Premiere: Um 16 Uhr können Kinder von sieben Jahren an sowie natürlich auch Erwachsene im Podium II des Schauspielhauses die von Christian Schönfelder erarbeitete Bühnenfassung von Adalbert Stifters Novelle „Bergkristall“ erleben. Um 19.30 Uhr folgt im Schauspielhaus mit „Glaube Liebe Hoffnung“ eines der zentralen Werke des ungarischen Autors Ödön von Horvath. Am Sonntag um 16 Uhr gibt es im Studio am Blarerplatz die Uraufführung von „Zonka und Schlurch“, einem Science Fiction von Finn-Ole Heinrich und Dita Zipfel für Kinder und Jugendliche von acht Jahren an. Was erwartet das Publikum?

Glaube Liebe Hoffnung

Für Alexander Müller-Elmau ist es das „interessanteste und modernste Stück“ von Ödön von Horvath. Im Jahr 1936, also in der Zeit nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten uraufgeführt, zeige es, „wie eine Gesellschaft erkaltet, wenn jeder nur noch an sich selber denkt“. Der Regisseur, der zuletzt mit Henrik Ibsens „Hedda Gabler“ der WLB einen hochgelobten Theaterabend beschert hat, fürchtet, dass das Stück, „wenn es in unserer Gesellschaft schlecht laufe, in wenigen Jahren viel mit dem zu tun haben könnte, was auf uns zukommt.“ Deshalb hat er die Handlung für die Arbeit an der WLB in die nahe Zukunft verlegt. „Glaube Liebe Hoffnung“ zeige, was eine angespannte wirtschaftliche Lage mit Menschen macht und wie sie diese verändert. Müller Elmau: „Die Menschen werden selbstmitleidig, empathisch. Jeder denkt nur noch an sich.“

Das Stück

Horvaths „Totentanz in fünf Bildern“ erzählt am Beispiel der jungen, mittellosen Elisabeth, die eigentlich nur ein bisschen Geld braucht, um eine kleine Vorstrafe zu begleichen, vom Abstieg eines Menschen, der zwischen gesellschaftlichen Zwängen und Erwartungen zerrieben wird. „,Glaube Liebe Hoffnung’ könnte jedes meiner Stücke heißen“, hat Horvath einmal über sein Werk gesagt, das auf den Erfahrungsberichten des Gerichtsreporters Lukas Kristl basiert. Kristin Göpfert übernimmt die Rolle der Elisabeth.

Bergkristall

Adalbert Stifter für Kinder? „Es ist erstaunlich, wie gut Adalbert Stifters Sprache für das Kinder- und Jugendtheater funktioniert“, sagt der Regisseur Jan Müller und lobt Christian Schönfelders 2018 preisgekrönte Bühnenfassung des Klassikers aus dem Jahr 1845. „Stifters Erzählung handelt von einem großen Abenteuer zweier Geschwister und ist zugleich eine Geschichte über das Fremdsein und die Kraft des Zusammenhalts“, heißt es in der Ankündigung. Im Mittelpunkt stehen Konrad (Timo Beyerling) und Sanna (Alessandra Bosch), zwei Kinder, deren Eltern ursprünglich in einer Stadt und einem durch einen sagenumwobenen Berg getrennten Dorf lebten. In beiden Orten werden die Kinder wie Fremde behandelt. Als die Mutter beschließt, zurück in die Stadt zu ziehen, müssen die Kinder über den Berg laufen, um ihre Mutter zu sehen. Am Heiligabend geraten sie in ein Unwetter und verlaufen sich. Städter und Dörfler brechen auf, um die Kinder zu suchen . . .

Zonka und Schlurch

„Wir hatten einfach Lust auf einen Science Fiction für Kinder“, sagt der Regisseur Benedikt Grubel. „Und wir wollten Dinge, die für uns zentral sind, einmal in einem anderen Licht erscheinen lassen: Was etwa, wenn eine Waschmaschine plötzlich ein Wohnzimmer ist?“ Diese Ideen haben Finn-Ole Heinrich und Dita Zipfel im Auftrag der Jungen WLB und gefördert von der Kulturstiftung des Bundes umgesetzt. Entstanden ist „Zonka und Schlurch“, ein Stück über zwei ausrangierte künstliche Intelligenzen, die sich selbstständig gemacht haben und in der Huul, einem Elektroschrotthaufen, tief in der Erde leben. Zonkas (Daniel Großkämper) und Schlurchs (Julian Häuser) Welt gerät aus den Fugen, als der Mensch Schröder-Schröder (Sabine Christiane Dotzer) auf unergründliche Weise in der Huul landet.

Weitere Aufführungen in Esslingen

„Glaube Liebe Hoffnung“ steht am 11. April, 15. und 26. Mai, 1. Juni und 19. Juli auf dem Esslinger WLB-Spielplan. Weitere Aufführungen von „Bergkristall“ folgen am 28. April, am 4., 11. und 25. Mai. Zudem gibt es einige Schulaufführungen. „Zonka und Schlurch“ kann man auch am 14. April, am 5., 12. und 16. Mai erleben.




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