Wo sollen Windräder hin? Heimsheim will keine Windkraft im Merklinger Wald

Die Hügelkette südlich von Heimsheim: Der Gedanke an Windräder dort jagt so manchem einen Schauer über den Rücken. Foto: Simon Granville/ 

Die Regionen Stuttgart und Nordschwarzwald suchen nach geeigneten Flächen. Am Standpunkt von Heimsheim hat sich allerdings nichts geändert.

Wo wären geeignete Standorte für Windräder? Diese Frage stellen sich gerade die Regionen Nordschwarzwald und Stuttgart. Heimsheim ist als „Grenzstadt“ von beiden Planungen betroffen. Richtung Westen hat die Stadt bereits Stellung bezogen zu den Vorhaben – nun ist Stuttgart an der Reihe. Und hier ist die Ansage aus Heimsheim klar: An der Grenze zu Renningen und Weil der Stadt, noch dazu auf erhöhtem Gelände, lehnt die Stadt Windräder ab. Welche Relevanz die Bekundungen letztlich haben, steht auf einem anderen Papier.

 

In den Planungen der Region Nordschwarzwald, die auch den Enzkreis umfasst, bleibt Heimsheim weitgehend außen vor. Lediglich ein Teilstück südlich der A 8, zwischen Heimsheim und Rutesheim-Perouse, würde das Siedlungsgebiet von Heimsheim direkt tangieren, eine weitere Fläche befindet sich weit im Norden bei Friolzheim. Bei der Region Stuttgart sieht das anders aus: Hier sind es drei potenzielle Flächen und durchaus üppige Flächen, die mehr oder weniger dicht an Heimsheim heranreichen würden: Im Norden Richtung Weissach (im Plan ausgewiesen als BB-32), im Süden Richtung Weil der Stadt/Renningen (BB-02) und weiter östlich Richtung Rutesheim (BB-29).

Vor allem die Flächen im Süden stoßen sauer auf

Speziell die Fläche Richtung Süden hat in der Schleglerstadt kaum Freunde gefunden. Denn sie befindet sich nicht nur in unmittelbarer Nähe zu Heimsheimer Siedlungen, rund 800 Meter entfernt, sie liegt außerdem auf einer Hügelkette, was die ohnehin schon großen Windräder noch wuchtiger erscheinen lassen würde, so die Befürchtung vieler Heimsheimer. Aufgrund der großen Nähe zu den Wohngebieten steht auch BB-32 in der Kritik.

Einstimmig hat der Gemeinderat am Montag daher beschlossen, in seiner Stellungnahme gegenüber der Region Stuttgart die Fläche BB-02 sowie den Teilabschnitt der BB-32 abzulehnen. Was die möglichen Begründungen angeht, kannte die Kreativität mancher Ratsleute keine Grenzen. Die wesentlichsten Argumente will die Stadt gegenüber der Region anführen.

Teures Gutachten soll noch mal angeführt werden

„Gegenüber der Region Nordschwarzwald haben wir in unserer Stellungnahme schon geschrieben, dass die Himmelsrichtungen und die Topografie berücksichtigt werden sollen“, berichtete der Bauamtsleiter Andor Varszegi. Bereits hier lehnte die Stadt die Nutzung mit weniger als 1000 Meter Abstand zur Siedlungsfläche ab und verwies auf den Steinbruch und damit verbundene Erschütterungen. „Leider soll das Schutzgut Artenvielfalt künftig nicht mehr so stark ins Gewicht fallen“, bedauerte der Bürgermeister Jürgen Troll. Die Stadt hatte einst ein teures Gutachten in Auftrag gegeben, um das Vorkommen seltener Vogelarten zu belegen, die durch Windräder gefährdet werden. Einige Ratsleute baten dennoch darum, hierauf noch einmal gesondert einzugehen.

Dennis Waldherr (CDU) erkundigte sich außerdem nach dem Thema Luftaustausch und der Auswirkung auf das Mikroklima. „Die Frage kommt tatsächlich öfter“, bestätigte Andor Varszegi. Denn wenn der Wind an einer Stelle „ausgebremst“ und die Windintensität verlangsamt wird, habe das selbstverständlich Auswirkungen, wie stark, das sei aber kaum untersucht und werde leider vonseiten der Regionalverbände kaum berücksichtigt. Auch der Verweis auf Wochenendhäuser und Sportstätten in den betroffenen Bereichen, Auswirkungen auf den Naherholungsfaktor und das Grundwasser sowie die Bevölkerungsdichte sollen mit einfließen. Andor Varszegi schränkte aber direkt ein: „Es ist schon ein kleiner Sieg, dass wir als kleine Kommune überhaupt angehört werden.“ Das war nicht immer so. „Welche Gewichtung unsere Stellungnahme hat, das können wir noch nicht beurteilen.“

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