Wohnbau in Böblingen Edelarchitektur für die Seepromenade

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Die Böblinger Baugesellschaft inviestiert 100 Millionen Euro in ein Bauprojekt auf dem Flugfeld. Bis zu 180 Wohnungen sowie Büros sollen dort entstehen. Links und rechts von der Harfenbrücke sind außerdem zahlreiche Restaurants geplant.

Siegerentwurf des Architektenwettbewers vom Büro Kadawittfeld in Aachen. Foto: Kadawittfeld Architektur GmbH
Siegerentwurf des Architektenwettbewers vom Büro Kadawittfeld in Aachen. Foto: Kadawittfeld Architektur GmbH

Böblingen - Offen, leicht und dynamisch – mit diesen Eigenschaften hat der Entwurf des Aachener Architekten Gerhard Wittfeld die Jury überzeugt. Er soll am Langen See im Flugfeld umgesetzt werden. Der Baubeginn für das Projekt der Böblinger Baugesellschaft (BBG) ist vermutlich im Herbst 2019. Die städtische Tochterfirma nimmt dafür viel Geld in die Hand: Rund 100 Millionen Euro wird das Prestigeobjekt kosten, das im gemeinsamen Stadtteil von Böblingen und Sindelfingen links und rechts neben der Harfenbrücke entsteht. Es soll Leben in das zuweilen etwas ausgestorben wirkende Wohngebiet bringen: Zusätzlich zu 180 Wohnungen sind neben Büros auch zahlreiche Restaurants entlang der Seepromenade geplant.

Acht Büros haben am Wettbewerb teilgenommen

Im vergangenen September hatte die BBG die zwei Grundstücke am Langen See gekauft und sich dazu verpflichtet, einen Architektenwettbewerb zu veranstalten. Acht Büros wurden dazu eingeladen, im Preisgericht saßen 19 Personen, darunter die beiden Oberbürgermeister Stefan Belz und Bernd Vöhringer sowie sieben Architekten. „Das Grundstück ist von großer Bedeutung“, erklärte der BBG-Geschäftsführer Rainer Ganske bei der Präsentation des Siegerentwurfs. Gleich zwei Baufelder, zusammen 7000 Quadratmeter, konnte die BBG auf ein Mal kaufen – unter der Prämisse, die Seepromenade zu bespielen. Rainer Ganske hat ambitionierte Ziele: Er zog den „etwas vermessenen Vergleich“ zum Sporthafen in Barcelona, wo sich ein Lokal an das andere reihe. „Wir bauen jetzt etwas anderes“, sagte er im Vergleich zur bislang in dem Quartier umgesetzten Architektur.

Der Siegerentwurf sieht vier Baukörper mit Innenhöfen für die Wohnungen vor. Sie sitzen auf jeweils zwei lang gezogenen Sockel, in dessen Erdgeschoss sich die Gastronomie befindet, während im ersten Stock in Büros gearbeitet wird. Wie ein Setzkasten wirkt die Fassade, die zu großen Teilen aus Glas besteht. „Es soll leicht und locker werden“, verspricht der Architekt. Urbanität will Gerhard Wittfeld mit seinem Entwurf erreichen, den Seeblick hat er „als tolles Motto“ empfunden. Alle Wohnungen würden von der Wasserlage profitieren, die Innenhöfe befinden sich auf dem Dach des Bürostockwerks, das begrünt und mit Spielplätzen ausgestattet wird. „Das Projekt liegt uns sehr am Herzen“, erklärte der Wettbewerbssieger, für ihn handelt es sich dabei um die Zukunft des Wohnens.

Qualität hat ihren Preis

Als „tolles Ensemble“ mit der Harfenbrücke“, beschrieb Stefan Belz das Bauwerk. „Ich stehe voll und ganz hinter dem Entwurf“, erklärte der Böblinger Oberbürgermeister. Er biete die idealen Zutaten für einen gemeinschaftlichen Treffpunkt auf dem Flugfeld. Das Ziel sei es, das Miteinander der beiden Städte lebendig werden zu lassen. Sein Sindelfinger Kollege Bernd Vöhringer stimmte ihm zu: Schön findet er die Pläne. Das Projekt knüpfe an die Erfolgsgeschichte des Flugfelds an. Der Stadtteil habe das Image von Böblingen und Sindelfingen verbessert. „Es geht uns darum, dort eine urbane Qualität zu schaffen“, sagte er über die Kombination aus Wohnen, Leben und Arbeiten am Langen See.

Qualität hat allerdings ihren Preis: geförderten Wohnraum werde es an der Seepromenade nicht geben, räumte Rainer Ganske ein, der entsteht an günstigeren Standorten wie dem Seecarrée an der Herrenberger Straße. „Wenn man Architektur will, braucht man hochwertigen Wohnraum“, erklärte der BBG-Geschäftsführer die Finanzierung des Projekts. Die städtische Tochtergesellschaft will die Wohnungen nach der Fertigstellung der Gebäude verkaufen – ob einzeln oder im Paket an einen institutionellen Anleger, ist noch nicht entschieden. Die Gastronomieflächen sollen in einer Hand bleiben. Nur auf diese Weise könne ein funktionsfähiges Konzept entwickelt werden, erläuterte Rainer Ganske. Er zog den Vergleich zu Einkaufszentren, wo ein Management die Vermietung steuert und Systemgastronomie sowie Ketten dominieren. Ein Mix aus verschiedenen Angeboten schwebt ihm vor: Neben Restaurants wünscht er sich „eine hippe Bar“ an die Seepromenade.