Wohnen in Ditzingen Die Pläne für ein großes Baugebiet stocken

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Das Baugebiet „Ob dem Korntaler Weg“ soll Wohnraum schaffen für rund 500 Personen. Aber ob dort je gebaut wird? Das Verfahren stockt, weil sich ein Grundstückseigentümer nicht beteiligen will.

Ob das Baugebiet „Ob dem Korntaler Weg“ realisiert wird? Ein Grundstücksbesitzer will nicht verkaufen.In Hirschlanden wird südlich der Steinhaldenstraße gebaut. Foto: factum/Granville
Ob das Baugebiet „Ob dem Korntaler Weg“ realisiert wird? Ein Grundstücksbesitzer will nicht verkaufen.In Hirschlanden wird südlich der Steinhaldenstraße gebaut. Foto: factum/Granville

Ditzingen - Kann eine Privatperson verhindern, dass Wohnraum für 500 Menschen geschaffen wird? Ja, sie kann. „Die Gesetze sind, wie sie sind“, sagte Sabine Roth aus diesem Grund am Dienstag im Gemeinderat. Die Chefin der SPD-Ratsfraktion verhehlte allerdings nicht, was sie davon hält. „Dann verzichten wir darauf und fangen anderswo an“, forderte sie, die Pläne für das Baugebiet „Ob dem Korntaler Weg“ aufzugeben. Sie war damit nicht alleine. Der Fraktionschef der Freien Wähler, Manfred Grossmann, bat die Verwaltung, einen „Brexit mit dem Korntaler Weg“ zu prüfen. Es könne nicht sein, das Verfahren unbefristet weiterlaufen zu lassen. Die Grünen-Fraktionschefin Doris Renninger forderte gar, Rat und Verwaltung sollten sich „nicht so erpressen lassen“.

In dem Baugebiet am Ortsausgang von Ditzingen sollen 300 Wohneinheiten in Einfamilienhäusern und Geschosswohnungsbauten entstehen. Alle im Landkreis tätigen großen Bauträger haben dort laut der Verwaltung Flächen gekauft. Die Stadt benötigt dringend Wohnraum: Das letzte große Baugebiet entstand vor 13 Jahren am westlichen Ortsrand der Kernstadt.

Wäre alles nach Plan gelaufen, wäre das Gebiet „Ob dem Korntaler Weg“ längst bewohnt. Aber das Vorhaben stockt, weil ein Grundbesitzer nicht verkauft. Tatsächlich verfügt die Stadt noch über mögliche Baugebiete in allen anderen Stadtteilen. Der Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos) kommentierte die Überlegungen am Dienstag nicht. Er hofft nach wie vor auf eine Einigung mit dem Grundstücksbesitzer: „Ich bin Optimist.“ Doch tat er auch schon öffentlich kund, sich nicht über das Jahr hinaus mit der Realisierung des Gebiets befassen zu wollen. Das Verhalten des Eigentümers sei „subjektiv nachvollziehbar“ und der Schutz des Eigentums ein Grundrecht. „Aber das Eigentum sollte dem Wohl der Allgemeinheit dienen.“

Grundsatzpapier zur Wohnraumpolitik

So sehr die Stadträte am Dienstag über das geplante Baugebiet sprachen, so wenig stand es auf der Tagesordnung. Die Räte befassten sich vielmehr mit den grundlegenden Zielen ihrer Wohnraumpolitik. Bei der Gegenstimme von Gerhard Siegle (CDU) und der Enthaltung seines Parteifreunds Konrad Epple wurde der Masterplan Wohnen beschlossen. Dieser sieht ein „moderates Wachstum“ der Stadt bis zum Jahr 2035 vor. Die Bevölkerung soll bis in 16 Jahren um 1300 Bürger auf 26 300 Einwohner wachsen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen im Schnitt jährlich 66 neue Wohneinheiten entstehen. Sie sollen, so sieht es der Masterplan vor, zu einem Drittel in Ein- und Zweifamilienhäusern entstehen, zu zwei Dritteln in Mehrfamilienhäusern. Außerdem ist bezahlbarer und öffentlich geförderter Wohnraum geplant.

Der Gemeinderat beschloss zudem, für die Entwicklung von Baugebieten nicht länger auf die Umlegung zu setzen. Die Stadt soll künftig vorab die Flächen erwerben. So soll verhindert werden, dass die Stadt abermals in eine Situation wie jetzt mit dem Gebiet „Ob dem Korntaler Weg“ kommt. In diesem Gebiet wurde das gängige Umlegungsverfahren gewählt: Grundstückseigentümer geben ihre Flächen, erhalten dafür gleichwertige an anderer Stelle oder aber – wie in diesem Fall – Geld.

CDU fordert Zwischenziele

Über die Notwendigkeit, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, besteht im Gemeinderat Konsens. Auf Antrag von Sven Sautter (CDU) umfasst der Masterplan aber nicht nur die Zielsetzung bis zum Jahr 2035. Er enthält auch die Absichtserklärung, 500 Wohneinheiten bis zum Jahr 2025 zu schaffen. Sautter will dies als politisches Signal verstanden wissen: „Wir wollen zeitnah bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen.“ Manfred Grossmann bezweifelte die Wirksamkeit der Worte. „Wir sind die Getriebenen.“ Die Stadt könne den Startschuss geben, für die Umsetzung seien andere verantwortlich. Er äußerte angesichts der weiter entwickelten Baugebiete in Gerlingen und Korntal die Befürchtung, die Stadt sei zu spät dran.

Der Masterplan soll fortan immer angewandt werden – also auch für die drei Bebauungspläne, die der Rat in derselben Sitzung voranbrachte. Im Gebiet „Südlich der Steinhaldenstraße“ in Hirschlanden etwa entstehen mehrere Gebäude mit insgesamt bis zu 98 Wohneinheiten. Bei den Zahlen handelt es sich allerdings nur um erste Überlegungen. Konkrete Pläne gibt es noch nicht, ein Architekturbüro soll in einem Wettbewerb gekürt werden.




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