Wohnen in schönen Gebäuden Traumhaus mit Sonnenplatz
So entstand auf einem fast unbebaubaren Grundstück ein preisgekröntes Einfamilienhaus mit lauschigem Innenhof und uneinsehbarer Dachterrasse.
So entstand auf einem fast unbebaubaren Grundstück ein preisgekröntes Einfamilienhaus mit lauschigem Innenhof und uneinsehbarer Dachterrasse.
Lemgo - Die Bauherren lieben Nichtfarben, selbst die Dackel Krümel und Teja haben grau-schwarzes Fell. Sie passen also bestens zu dem Haus – innen wie außen grau – und zu den Möbeln in Schwarz und Weiß.
Reihenhofhaus nennt der Architekt und Bauherr Christian Decker das von einer Jury des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt und des Callwey-Verlags mit dem Architektenpreis „Häuser des Jahres“ ausgezeichnete Gebäude, das es auch in die Auswahl „100 Traumhäuser“ des Callwey-Verlags geschafft hat.
Und das trifft es ganz gut. Das 418 Quadratmeter große Grundstück galt als unbebaubar. Es ist kompliziert, trichterförmig, mit einem Quergefälle von bis zu 1,50 Metern, aber eben auch toll mit reiner Südlage.
Da die bauliche Umgebung in dem Wohnviertel stilistisch heterogen ist, wirkt das schlichte Flachdachensemble wie ein grauer Ruhepol in der Nachbarschaft. Und es bildet einen zeitgemäßen Kontrapunkt auch zu dem Ort selbst, Lemgo. Eine schöne, alte Fachwerkstadt in der Region Ostwestfalen-Lippe im Nordosten Nordrhein-Westfalens.
Nun schmiegt sich das Gebäude als Mittelstück zwischen zwei schon bestehende Häuser. Als ein gelungenes Beispiel für Nachverdichtung gab es im Jahr 2020 den nur alle fünf Jahre von der Architektenkammer und dem Land vergebenen Preis „Vorbildliches Bauen“ in Nordrhein-Westfalen.
Die Nachbarn, sagt Christian Decker, waren in den Bauprozess mit eingebunden. Und falls in der mit Ein- und Mehrfamilienhäusern bebauten Gegend Beton doch bei manchem Nachbarn unbeliebt sein sollte – von der Straßenseite aus sieht man es kaum hinter der Bepflanzung aus menschhohem Pampagras. Ein natürlicher, bei Wind schön wogender Ersatz für einen Zaun.
So fügt sich das Haus in die bestehende Umgebung ein, bricht aber mit vielen Konventionen des Einfamilienhauses. Das Ensemble besteht aus Baukörpern, die so angeordnet sind, dass sich ein kleiner, auch wegen des Lavendels, Oleanders und des Olivenbäumchens mediterran wirkender Innenhof ergibt.
In einem eigenen Kubus befinden sich die Haustechnik und Regale für Gegenstände, die sonst oft im Keller oder auf dem Dachboden lagern, hier führt seitlich eine Treppe hinauf auf eine von außen uneinsehbare Dachterrasse. „Mit Sonne von morgens bis abends“, wie Christian Decker sagt.
Der Gedanke der Funktionalität ist auch im Haus beherrschend. „Wir haben möglichst wenig Verkehrswege, um die 146 Quadratmeter voll fürs Wohnen nutzen zu können“, sagt Christian Decker. Auf eine Diele und lange Flure wird verzichtet, man steht gleich in der Küche mit elf Meter langer Möbelfront, beneidenswert viel Stauraum (50 Schubladen!) und Zugang in den Innenhof.
Ein paar Stufen führen zum lichtdurchfluteten Wohnzimmer mit 2,4 auf 2,4 Meter großen Fenstern. Es könnte zu einem Schlafraum umgewandelt werden, falls das Treppensteigen zu beschwerlich wird. Und ein Spiegel, der auch eine Tür ist, führt in ein Badezimmer. Im Obergeschoss sind die Rückzugsräume und ein weiteres Badezimmer.
Licht kommt ebenfalls ins Haus, weil die Gebäudeteile durch eine auch optisch beeindruckend wirkende Glasfuge (aus Sicherheitsglas) aus einem Aluminium-Pfostenriegel-System verbunden sind. Es ist so eingebaut, dass von außen und über Kopf kein Rahmen sichtbar ist – der Blick wandert ungestört gen Himmel.
Innen dominiert Beton: Fertigteilwände und naturbelassener, transparent versiegelter Zementestrich. Den konsequenten Einsatz des Materials, das „dennoch einladend und wohnlich“ wirke, lobte die Jury des Preises „Vorbildliches Bauen“. Viele Menschen finden Beton nicht wohnlich genug und kombinieren ihn mit Holz.
Nicht so Christian Decker. „Wenn man für sich selber baut, ist es toll, dass man keine Kompromisse eingehen muss.“ Seine Ehefrau, Maren Staczan, keine Architektin, aber architekturaffin, nickt. „Wir haben nichts per Los entschieden.“ Christian Decker: „Wir haben das Haus gemeinsam entworfen.“
Auch die sichtbaren Betonflächen hatten beide immer als Wunsch. „Die Halbfertigteile boten sich an, um auf aufwendige Schalung zu verzichten“, sagt der Architekt, „insbesondere, um die Anschlüsse an die Nachbarwände zu vereinfachen und zu beschleunigen und um sämtliche Installationen wie Stromleitungen und Lüftungsleitungen ohne Schlitzen und Stemmen vorzurüsten.“
Zwar ist die CO2-Bilanz beim Beton durch den Herstellungsprozess nicht besonders gut, doch einiges kann durch spätere Prozessabläufe beim Bauen verkürzt und optimiert werden, wie hier zu sehen ist. Christian Decker: „Es fallen keine Innenputz- und Malerarbeiten an, keine Fußböden-, Fliesen- und Schlitzarbeiten.“ Das Gebäude ist ein KfW-55-Haus, mit Fernwärmeanschluss (regenerativ aus Kraft-Wärme-Kopplung) und dezentralen Lüftungsgeräten ausgestattet.
Das Betongrau wird außen aufgenommen, das Gebäudeensemble schimmert elegant. Besonders apart wirkt das, wenn der Himmel so knallblau ist wie an diesem Tag. Man wähnte sich in Griechenland, Spanien oder Portugal, wüsste man nicht, dass dieses Einfamilienhaus in einer dicht bebauten Siedlung in Ostwestfalen steht. Die Fassade ist ein mineralisches Fassadendämmsystem mit einer horizontalen Besenstrichstruktur und einem silberfarbenen Anstrich. So interessant also können Schattierungen von Grau, Schwarz, Weiß aussehen.
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