Wohnstadt in Stuttgart Der Asemwald hat ein großes Energieproblem
Die drei Hochhäuser im Asemwald gelten in vielen Punkten als vorbildlich. In der Energiewende stellt sich nun heraus, dass das XXL-Format auch XXL-Probleme mit sich bringt.
Die drei Hochhäuser im Asemwald gelten in vielen Punkten als vorbildlich. In der Energiewende stellt sich nun heraus, dass das XXL-Format auch XXL-Probleme mit sich bringt.
Der Asemwald wird verehrt, denn er gilt als kleine funktionierende Welt. Und das bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert. Zu Dutzenden gibt es die Geschichten von Menschen mit einstiger Hochhausphobie, die im Asemwald gelernt haben, dass die drei Wolkenkratzer auch nur ein vertikales Dorf sind. Werner Pohl gehört zu ihnen. Die ungewöhnliche Wohnanlage habe sich in vielem bewährt, sagt der Verwaltungsbeirat, der seit 2006 in einem der Blöcke zu Hause ist. Doch beim Thema Energie steht der Asemwald nun vor einem Problem.
Grundsätzlich könnte man sagen: Vor Problemen wegen der Heizung stehen gerade gefühlt alle Häuslebesitzer in der Republik. Die Sache beim Asemwald ist: „Aufgrund der Größe des Objekts gilt im Asemwald immer Faktor 20“, sagt Stefan Geiger von Klauß & Partner, dem Verwalter der Wohnstadt. Die Gasheizung der Hochhäuser sei 20 Jahre alt, aber noch in gutem baulichen Zustand. „Durch die Klimaziele müssen wir etwas tun. Wir müssen weg vom Gas.“ Bloß wie?
„Die für den Asemwald richtige Lösung haben wir aktuell nicht“, sagt Geiger. Der Asemwald ist auch deshalb keine alltägliche Wohnanlage, weil er die größte Wohnungseigentümergemeinschaft Deutschlands ist. Die Energiewende müssen hier 1137 Wohneinheiten stemmen, das braucht einen gemeinsamen Nenner. Im Jahr 2022 seien 16 Gigawatt Gas verbraucht worden, im Jahr 2021 waren es 19 Gigawatt. „Die Leistungsspitzen im Asemwald ohne Gas abzufangen, das ist nicht realistisch“, sagt Werner Pohl. Zumindest nicht in absehbarer Zeit.
Fernwärme könnte eine gute Lösung sein, sagt Geiger. Doch ob es auch umsetzbar ist? Was auch immer getan werde – „bezahlen müssen es die Eigentümer.“ Nach einer Analyse, die ihnen seit rund vier Wochen vorliege, gehen sie davon aus, dass es auf einen Energiemix hinauslaufen wird, weil es für den Asemwald nicht die eine passende Groß-Energiequelle gebe. Bei einem Biomasse-Kraftwerk beispielsweise, das haben sie berechnet, müssten im Winter täglich zwei Lastwagen Material bringen.
Eine Info-Veranstaltung sei vor Kurzem gut besucht gewesen, erzählt Werner Pohl. „Die Leute befassen sich mit dem Thema. Aber wie überall herrscht auch hier im Asemwald eine gewisse Ratlosigkeit.“ Die nächste Eigentümerversammlung ist Mitte Oktober, dann soll über den Sachstand informiert werden, Beschlüsse fallen vermutlich 2024. Man wolle nun mit der Stadt sprechen und sei zeitnah mit der Initiative 70599_Lebenswert verabredet, um eine mögliche Kooperation abzuklopfen. Die Ehrenamtlichen aus Birkach und Plieningen versuchen in einem Pilotprojekt für die Gesamtstadt, die Nachhaltigkeitsziele der UN beispielhaft auf lokaler Ebene umzusetzen.
Ein Thema bei dem Gespräch dürften Balkonkraftwerke sein. Denn die Initiative versteht sich unter anderem auch als Botschafter für die Steckersolargeräte. Mit Balkonkraftwerken werden sich die Eigentümer im Asemwald im Oktober befassen. Sie sollen beschließen, ob die Verwaltung weitere Informationen dazu einholen und ein Konzept erarbeiten soll. Der Bund bereitet hier gerade eine Reihe an Erleichterungen vor. „Wir haben proaktiv entschieden, dieses Thema zu behandeln, da davon auszugehen ist, dass mindestens einer der 1137 Eigentümer ein Balkonkraftwerk möchte“, sagt Geiger.
Ob an den Balkonen des Asemwald je Sonnenenergie eingefangen werden kann, ist nicht gesagt. Denn es sei nicht abzuschätzen, ob das Solarmodul der Windlast im 17. Stock standhält. Deshalb wollen sie den Asemwaldern eine genauere Prüfung vorschlagen.