Am Freitagmorgen haben Moma-Zuschauer in ganz Deutschland über drei Stunden Ludwigsburg kennengelernt. Zum zentralen Thema der Flüchtlingsunterbringung kam inhaltlich zwar nicht viel Neues herum, für die Zuschauer und die lokale Polit-Prominenz war es aber ein Erlebnis. Auch wegen des Besuchs von Winfried Kretschmann, dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten. und des nahbaren Moderators Andreas Wunn.
Christian Eiberger lernt eine Lektion
Mittlerweile ist es 5.55 Uhr. „Noch drei Minuten“, ruft ein ZDF-Mitarbeiter in die Aula des Kulturzentrums, wo sich die Zuschauer auf kleinen Hockern verteilt haben. Kurz darauf schaltet das Moma zum ersten Mal an diesem Morgen von Berlin nach Ludwigsburg. Einige Zuschauer zücken ihre Handykameras und filmen die Kulisse. Er sei heute in der Barockstadt, um vor Ort über die Belastung durch hohe Flüchtlingszahlen zu sprechen, sagt Wunn in die Kamera. 2000 Schutzsuchende leben derzeit in Ludwigsburg, fünfmal mehr als 2015. „Schafft Ludwigsburg das?“ Zurück nach Berlin. Bei den Zuschauern, die gerade noch auffällig aufrecht saßen, löst sich die Anspannung.
Um 6.05 Uhr geht es dann richtig los, Wunn begrüßt Asylhelferin Monika Schittenhelm und den Asperger Bürgermeister Christian Eiberger, der unter anderem über die mögliche Landeserstaufnahmestelle Schanzacker (Lea) spricht. Eine gewisse Nervosität habe er gespürt, Andreas Wunn hätte es aber geschafft, eine sehr angenehme Stimmung zu schaffen, sagt Eiberger kurz nach dem Interview. Gerne hätte er noch mehr berichtet, für das nächste Mal wisse er, dass er sich kompakter fassen muss, sagt der Bürgermeister lachend.
In der folgenden Stunde geht es mit Gästen wie Olga Krylova weiter, die Ukrainerin ist Mitbegründerin des Sprachcafés in Ludwigsburg, und sie berichtet über Sprachbarrieren, die viele Geflüchtete hemmen. Oder Marcos Angas, Vorsitzender des Gaststättenverbandes (Dehoga), der die Bürokratie bei der Beschäftigung von Flüchtlingen kritisiert. „Man sollte es den Unternehmern überlassen, mit wem sie zusammenarbeiten wollen“, sagt Angas und erntet Applaus. Der ZDF-Mann Andreas Wunn betont mehrmals, dass man auch mit Personen sprechen wolle, die der Einwanderung kritischer gegenüber stehen – beispielsweise der Bürgerinitiative. gegen die Bebauung des Schanzackers. Es habe sich jedoch niemand dazu bereit erklärt.
Matthias Knecht begeistert von Moderator
Um 7.05 Uhr hat Oberbürgermeister Matthias Knecht seinen Auftritt. Er habe Sorge wegen des sozialen Friedens in der Stadt und bezweifele, dass in einer Lea für über 1000 Menschen Integration gelingen kann. „Ich finde es faszinierend, wie die das alles live hinbekommen und auf die Sekunde genau timen“, sagt Knecht nach seinem Auftritt. Auch er sei beeindruckt von Andreas Wunn, der den ganzen Morgen für eine positive Stimmung gesorgt habe.
Tatsächlich wirkt Wunn während der gesamten Sendung gelassen, er moderiert auf Knopfdruck und ohne Teleprompter. Noch Sekunden vor der Live-Übertragung quatscht er mit Gästen und bringt diese zum Lachen. Das spüren auch die Zuschauer, die mit der Zeit immer lockerer werden und sich zwischen den Live-Schalten ausgelassen unterhalten. Am Ende nimmt sich Wunn dann auch noch Zeit für Fotos mit den Fans.
Es ist 8.05 Uhr und der abgebrühteste Gast des Morgens sitzt vor der Kamera. Ministerpräsident Winfried Kretschmann weist darauf hin, dass die Flüchtlingsunterbringung Pflichtaufgabe sei und neue Landeserstaufnahmestellen notwendig seien. Wie er den Widerstand gegen Leas, egal wo im Land, brechen will, fragt Wunn. Das Land müsse mit den Kommunen verhandeln und mit Bürgern ins Gespräch kommen, sagt Kretschmann. Konkrete Informationen, wie die Lea-Suche Erfolg haben soll, gibt der Ministerpräsident nicht.
Frühes Aufstehen hat sich gelohnt
Doch nicht nur Politiker kommen zu Wort, sondern auch Bürger wie Shawn Jefferson. Die Migration sei eine Herausforderung, mit der die weltoffene Stadt Ludwigsburg jedoch klarkomme, sagt der Student optimistisch. Selbst dann, wenn eine Lea gebaut werden sollte. „Ich finde es eher schade, dass wir immer noch sehr oberflächlich über diese Themen sprechen.“
Um 8.50 Uhr gibt Andreas Wunn das letzte Mal zurück nach Berlin. Auch Hans Senger und Florian Pfeiffer aus Affalterbach fanden die Inhalte teils zu oberflächlich, vieles hätte sich wiederholt. „Aber bei so einer Sendung kann man das auch nicht erwarten“, sagt Senger. Das frühe Aufstehen habe sich dennoch gelohnt – für die Erfahrung, die Gespräche mit anderen Zuschauern und das kleine Buffet in der Kantine – sagen die beiden und starten in den Freitag.