ZDF-Talk bei Maybrit Illner Diskussion über Reisen in Zeiten von Corona plätschert vor sich hin

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Wie und wohin reisen wir in diesem Sommer? In der Talksendung Maybrit Illner forderte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet einheitliche Standards für Europa, Bergsteiger-Legende Reinhold Messner warb für Italien. Nur Marija Linnhoff aus der Reisebranche mischte die Runde auf.

Die Runde bei Maybrit Illner (Mitte) zum Thema Reisen 2020. Foto: ZDF/Svea Pietschmann
Die Runde bei Maybrit Illner (Mitte) zum Thema Reisen 2020. Foto: ZDF/Svea Pietschmann

Stuttgart/Berlin - Sommerurlaub 2020, geht das? Was ist eigentlich möglich in Zeiten von Corona? Unter dem Motto „Reise ins Ungewisse – wie gefährlich wird der Urlaub?“ hat sich die jüngste ZDF-Sendung Maybrit Illner damit auseinandergesetzt. Dabei ging es nicht nur um den Urlaub in Deutschland, sondern auch um das europäische Ausland. Zugeschaltet waren der Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU) und der Extrembergsteiger Reinhold Messner, der sich für Solidarität mit Italien und das Wandern aussprach. „Gerade die Gebirge geben die Möglichkeit zur Gesundung. Ich hoffe die Pandemie hilft, dass sich die Leute wieder mehr der Stille zuwenden, weg von den großen Events in den Bergen.“

Die beiden ließen es sich nicht nehmen, ihre Heimatländer als Urlaubsziele zu bewerben, Laschet warb für NRW, Messner für Italien. Der Südtiroler verbindet damit noch viel mehr als die Erholung der Reisenden: „Wenn Gäste aus Deutschland nach Italien kommen, wäre es auch ein Akt der Solidarität“, man könne das Europagefühl wieder spürbar machen, so der ehemalige Abgeordnete im Europäischen Parlament.

Im Studio beteiligten sich die Parteivorsitzende der Linken, Katja Kipping, der Tropenmediziner und Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, und die Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros, Marija Linnhoff, an der Diskussion. Sie gab vor allem den rund 100 000 Mitarbeitern in der Reisebranche eine Stimme und mischte die Runde gegen Ende auf.

Weitere Hilfen gefordert

Im Gegensatz zu einigen Vorgänger-Sendungen in der Corona-Zeit plätscherte diese Sendung eher vor sich. Armin Laschet meinte, man könne den Menschen das freie Reisen nicht verbieten. Zudem seien Grenzschließungen wenig hilfreich. „Ich habe bei den bisherigen Öffnungen keine Sorge gehabt. Aber wenn dann alle in Europa wieder reisen können, dann sollte es einheitliche Regelungen geben“, so der Ministerpräsident. Er forderte deutschlandweite und europaweite Standards etwa in Hotels. „Solche Ereignisse wie Ballermann-Partys kann ich mir nicht vorstellen“, meinte Laschet. Wie man das praktisch umsetzen könnte, blieb jedoch weitgehend offen. Kontrollieren müssten es zumindest die örtlichen Behörden.

Katja Kipping glaubt, dass sich das Reiseverhalten der Deutschen verändern wird. „Selbst wenn alle gesetzlichen Beschränkungen und Reisewarnungen fallen sollten, wird der Urlaub für viele Menschen anders aussehen. Weil sie vorsichtiger sind und weil viele Menschen enorme Einkommensbußen hinnehmen mussten. Die Bereitschaft viel Geld in einen Urlaub zu stecken, wird bei ganz vielen zurückgehen. Das wird enorme Umbrüche in der Tourismusbranche mit sich bringen. Der Trend könnte sein, statt einer Kreuzfahrt, eher eine Paddelbootfahrt zu machen, eher Fahrradfahren als Flugreise“, so Kipping. Zudem forderte sie einen Schutzschirm für die Ärmsten.

Corona-Regeln überall einhalten

Einig waren sich die Experten darüber, dass es keine großen Runs auf Urlaubs-Hotspots geben sollte. Laschet: „Man muss die Urlaubsorte auch respektieren. Die Niederlande etwa baten darum, dass über Himmelfahrt nicht alle an den Strand fahren.“ Auch der Virologe Schmidt-Chanasit, sieht das freie Reisen als Option, wenn alle Maßnahmen gegeben seien. Zudem sollten sich die Menschen auch im Urlaub an die bereits erlernten Corona-Vorkehrungen halten. Es sei auch ein Unterschied, ob man allein im Auto wegfahre oder im Flugzeug reise. Und: „Wenn ich alleine am Strand bin, muss ich keine Maske tragen“, so der Mediziner.

Die Tourismusexpertin Linnhoff kam gegen Ende, dafür um so flammender, ins Spiel. Von der Politik fühle sich ihre Branche komplett allein gelassen. Seit Monaten arbeiteten Menschen in Reisebüros ohne Bezahlung, müssten Rückerstattungen leisten und hätten keine Einnahmen. „Dann sind es auch wir, die uns jegliche Informationen zusammensuchen müssen, um die Leute über Reisen, Maßnahmen und Regelungen zu informieren. Da fehlt die Unterstützung.“ Auch die Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros sprach sich für einheitliche Standards in Deutschland aus und hegt ihre Zweifel an der Politik „Wenn sie es nicht im kleinen schaffen, Standards zu etablieren, müssen wir gar nicht an Europa denken“, sagte Linnhoff in Richtung Laschet. Dennoch könne sie sich vorstellen, dass sich das europäische Ausland für Urlauber in Corona-Zeiten fit machen wird und Maßnahmen umsetzen könne. Ihr Hinweis galt Ländern, die weniger stark vom Virus betroffen seien, wie etwa Griechenland oder Portugal. Laschet sprang zumindest mündlich der Branche zur Seite und versuchte es nochmal mit Werbung: „In der jetzigen Zeit ist die persönliche Beratung eines Reisebüros wichtiger denn je.“

Der Virologe empfahl schließlich noch dringend reisemedizinische Beratungen für Reisen in Europa. „Das sollte man wahrnehmen. Entscheiden muss aber am Ende jeder selbst.“




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