Zehn Jahre Elterngeld Ein guter Start

Full House: Foto: Adobe Stock/Katie Martynova
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Als vor 10 Jahren das Elterngeld eingeführt wurde, war damit die Hoffnung auf eine steigende Geburtenrate verbunden. Sie hat sich nicht erfüllt. Doch die staatliche Familienleistung hat dazu beigetragen, das überkommene Bild von Elternschaft zu modernisieren.

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Stuttgart - Wie sensibel das Thema Elterngeld sein kann, konnte kürzlich die Autorin Kerstin Lottritz erfahren. In der Süddeutschen Zeitung hatte sie ihre Beobachtung geschildert, dass Gutverdienerpaare das Elterngeld „missbrauchen“, um im ersten Lebensjahr ihres Kindes gemeinsam „Urlaub auf Staatskosten“ zu machen. Das aber, kommentierte Lottritz, sei „unverschämt“ und gehe an den eigentlichen Zielen des Elterngelds vorbei.

Zwei Stunden lang musste die Autorin daraufhin in einem Live-Chat mit überwiegend wütenden Leserinnen und Lesern diskutieren, die sich durch ihre Thesen wahlweise beleidigt, bevormundet, missverstanden – aber manchmal vielleicht auch ertappt fühlten. Der Fall zeigt: Die Sinnhaftigkeit des Elterngeldes ist umstritten. Und zehn Jahre nach seiner Einführung sollte man die Frage stellen, was diese staatliche Familienförderung tatsächlich gebracht hat.

Als der Deutsche Bundestag 2006 beschloss, Elterngeld zu zahlen, war das eine kleine Sensation. Immerhin ließ der Staat damit Eltern – nach skandinavischem Vorbild – eine nie dagewesene finanzielle Unterstützung zum Start ins Familienleben zukommen, die die öffentliche Hand derzeit jährlich rund 5,8 Milliarden Euro kostet. Zum Vergleich: Für das zuvor ausgezahlte Erziehungsgeld wurde gerade mal etwa die Hälfte der Summe aufgewendet.

Paradigmenwechsel in der Familienpolitik

Seit dem 1. Januar 2007 erhalten Eltern, die sich im ersten Lebensjahr zuhause um ihr Kind kümmern, rund 67 Prozent ihres letzten Nettolohnes, mindestens 300, maximal 1800 Euro. Entschließen sich beide Elternteile, eine Zeit lang zuhause zu bleiben, verlängert sich der Zeitraum, in dem das Geld fließt, auf 14 Monate. Mittlerweile ist es außerdem möglich, das Elterngeld auf 24 Monate gestreckt zu beziehen, wenn Mutter oder Vater bereits wieder Teilzeit arbeiten gehen wollen – Elterngeld plus genannt.

Die Entscheidung der schwarz-roten Koalition war damals kein uneigennütziges Geschenk an die Bürger, sondern Teil eines von der demografischen Entwicklung vorangetriebene Paradigmenwechsels in der Familienpolitik. Gerade mal 1,36 Kinder pro Frau betrug die Geburtenrate im Jahr 2006, Deutschland drohte der Nachwuchs an Steuer- und Rentenzahlern auszugehen. Mit der Einführung der großzügigen Transferleistung verfolgte nicht nur die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) deshalb klare Ziele: Junge Familien sollten gut versorgt sein, mehr Väter Elternzeit nehmen und Frauen wieder schneller und auch besser in den Beruf einsteigen können. Das alles sollte Elternschaft für junge Männer und Frauen wieder attraktiv machen.

Dabei lag Bundeskanzlerin Merkel vor allem eine Zielgruppe am Herzen: Akademikerinnen, die der damaligen Forschung nach überproportional häufig kinderlos blieben. Eine Studie der Universität Oldenburg ergab 2006, dass 44 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluss keine Kinder bekamen. Das traf hingegen nur auf 21 Prozent der Frauen mit Hauptschulabschluss zu.




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