Zirbelstube in Stuttgart Drei Monate Abschied von der besten Stube der Stadt

Auch Denis Feix muss sich von der schönen Zirbelstube verabschieden. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Bald verschwindet das Schlossgartenhotel für einige Jahre vom Markt und mit ihm die Zirbelstube. Die aber wird kurzzeitig wieder geöffnet. Danach ist für eines der schönsten Restaurants Stuttgarts endgültig Schluss.

Lokales: Matthias Ring (mri)

Stuttgart - Lange Zeit war die Zirbelstube im Schlossgartenhotel das beste Restaurant in der Region Stuttgart. Vor allem von Bernhard Diers’ Spitzenküche schwärmten viele Gourmets in den höchsten Tönen. Aber auch mit Denis Feix, der Anfang 2017 aus dem Bad Griesbacher Zweisternerestaurant Il Giardino nach Stuttgart gekommen ist, war die Zirbelstube mit ihrer namensgebenden Holzvertäfelung ein einzigartiger Genuss- und Wohlfühlort.

 

Im sanierten Hotel ist kein Platz für die Zirbelstube

Seit Beginn der Pandemie aber ist die beste Stube der Stadt nicht mehr in Betrieb. Und mit der Entscheidung, das in die Jahre gekommene Fünf-Sterne-Haus, das Mitglied der Leading Hotels of the World ist, Ende Juni zu schließen und für mindestens drei Jahre von Grund auf zu modernisieren, schien gewiss: Die Zirbelstube wird nicht mehr geöffnet. Nun aber teilt der Geschäftsführende Hoteldirektor Ulrich Schwer unserer Redaktion exklusiv mit: „Wir wollen uns ordentlich verabschieden.“ Das ist die gute Nachricht. Die schlechte aber lautet: „Wir können nicht einfach so gehen, denn die Zirbelstube wird es definitiv nicht mehr geben.“ Der Hoteldirektor erklärt, dass im Zuge der Kernsanierung des Hauses vieles umstrukturiert werde. Für die Gastronomie bedeutet dies: Sie wird nur noch im Erdgeschoss stattfinden – die Zirbelstube aber befindet sich in der ersten Etage.

Zum Abschied fünf Gänge mit allem Drum und Dran

Umso bedeutsamer ist es, den vielen Fans einen angemessenen Abschied zu ermöglichen. Vom 16. März bis 11. Juni wird das Gourmetrestaurant wieder bespielt. Denis Feix und seine Frau Kathrin, die Sommelière, sind noch immer Angestellte des Hotels, aber seit nunmehr zwei Jahren in Kurzarbeit. „Wir freuen uns sehr auf die nächsten drei Monate und werden alles daransetzen, unsere Gäste noch einmal nach allen Regeln der Kunst zu verwöhnen“, sagt Denis Feix.

Mit einem kleinen Team – zwei in der Küche, zwei im Service – werden die beiden von mittwochs bis samstags ein Fünf-Gänge-Menü mit wechselnden Highlights anbieten. Für 225 Euro inklusive Wein, Wasser, Kaffee, Aperitif und Digestif kann man sich per Anzahlung ein Ticket sichern. Ulrich Schwer will sogenannte No-Shows verhindern, die den Gourmetbetrieben hohe Verluste einfahren. „Bei maximal zwanzig Gästen pro Abend wäre es unschön, wenn ein reservierter Vierertisch dann einfach nicht belegt ist.“

Auch das Café mit Terrasse wird noch einmal geöffnet

Somit wird es auf die letzten Tage „endlich wieder ein bisschen mehr Leben im Haus geben“, sagt Schwer. Die Weinwirtschaft Franz Keller ist schon nicht mehr geöffnet. Im Erdgeschoss hält man nur noch mit der John-Cranko-Lounge die Stellung. Ab März soll aber die Terrasse aufgemacht werden und das Café noch einmal seinen Betrieb aufnehmen. Gerade die Belebung zum Schlossgarten hin ist nach den Krawallnächten eine wichtige Zukunftsperspektive fürs ganze Areal. Das Hotel wie auch die angrenzenden Gebäude samt dunkler Theaterpassage sind Eigentum der LBBW-Immobilien-Gruppe. Statt eines Abrisses hat man sich für eine Aufwertung entschieden. Schwer, der sich auch in der City-Initiative engagiert, weiß von weiterer Gastronomie an der Rückseite des Komplexes und sagt: „Wo mehr Licht, da auch weniger Schatten.“

Die 90 verbliebenen Hotelmitarbeiter sollen, so sie wollen, in anderen Häusern der Althoff-Gruppe unterkommen. Schwer selbst, der seit 2013 in Stuttgart ist, wisse noch nicht, wo es hingeht – die nächsten Standorte sind Frankfurt, Hohenschwangau und Zürich. Der Unternehmensgründer Thomas Althoff und der CEO Frank Marrenbach zählen auf ihn. „Sie machen es zu, Sie machen es aber auch wieder auf“, sei ihm gesagt worden. Der Direktor kann sich also schon jetzt darauf freuen, irgendwann ab Sommer 2025 „die Stuttgarter Ikone in ein neues Zeitalter zu führen“ – nur eben ohne Zirbelstube.

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