Die Schauspielerin Anne Heche war ein helles Licht im Hollywood der 90er. Dann brachten ihr privater Kummer und eine lesbische Beziehung Hass und Hohn der Intoleranten ein.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Als die Nachrichten durch die sozialen Netzwerke liefen, die 53-jährige Anne Heche sei mit ihrem Auto in ein Haus gerast, hänge nun hirntot in Erwartung der Organentnahme an der Beatmung, gab es neben Betroffenheitsbekundungen viel Hass und Hohn. Man warf ihr radikale Rücksichtslosigkeit, egomanische Suizidabsichten vor. Nicht einen Moment schienen die Wütenden darüber nachzudenken, warum sie so selbstverständlich annahmen, dass Heche vorsätzlich in den Tod gefahren sein könnte. Es schien ihnen nicht klar zu sein, dass sie quasi den krönenden Erfolg einer zwei Jahrzehnte dauernden Hetzarbeit einforderten.

Anne Heche war ein helles neues Licht im US-Kino der 90er Jahre. Ihre Figuren waren oft ein wenig kratzbürstig, fordernd, unzufrieden mit der Rolle, die man ihnen als Dekoration des Männerlebens zuweisen wollten. Als Heche dann 1997 eine Beziehung mit der Talk-Moderatorin Ellen DeGeneres begann, brachen sich Empörung und Niedertracht: als habe sie Verrat begangen, als demütige sie gerade öffentlich alle Männer und Heterofrauen. Für die ganz großen Rollen kam sie bald nicht mehr infrage. Heute sei das, versucht Hollywood zu suggerieren, im Filmgeschäft nicht mehr denkbar. Damals sprach man in der Traumfabrik offen über die „Fuckability“ von Darstellerinnen. Bei Heche war die in den Augen der Produzenten dahin. Man konnte Männern nicht mehr den Traum verkaufen, mit ihr ins Bett zu gehen.

Sexueller Missbrauch in der Kindheit

Derweil sprach Heche offen über sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit, über schwere seelische Verletzungen, über psychische Krankheit. Die Klatschpresse skandalisierte, dass Heche ein paarmal Aussetzer hatte, und ignorierte die Ursachen. In Serien wie „Hung“ schuf sie weiterhin wunderbare Figuren, Frauen, die man nicht nur mögen musste. Online aber wurde permanent gehöhnt, sie sei ja eine Verrückte. Anne Heches Leben und Filme haben etwas Gefährliches angesprochen, sie haben jene große Intoleranz gereizt, die sich überall wieder zur politischen Macht ballt.