Stuttgarter Weihnachtsmarkt Zwischen Springerle und tanzenden Bäumen

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Traditionelle Gegenstände wie Christbaumdeko, Winterkleidung und Nippes sind bei den Besuchern immer noch beliebt. An den Ständen auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt findet sich aber auch allerlei Skuriles.

Kevin Maurer (rechts) hat seinen ersten Tag auf dem Weihnachtsmarkt. Die kleinen Blechautos locken jedes Jahr viele Stammkunden (links) an den Stand seiner Chefin. Foto: Oliver Willikonsky / Lichtgut 7 Bilder
Kevin Maurer (rechts) hat seinen ersten Tag auf dem Weihnachtsmarkt. Die kleinen Blechautos locken jedes Jahr viele Stammkunden (links) an den Stand seiner Chefin. Foto: Oliver Willikonsky / Lichtgut

Stuttgart - Kevin Maurer strahlt, während er einem Kunden ein Produkt anpreist: einen kleinen grünen Weihnachtsbaum, der tanzt und Weihnachtslieder abspielt. In Dauerschleife. Die Leidenschaft des 25-jährigen Studenten mindert das Gedudel nicht. Er erklärt jedem den kleinen Tanzbaum immer wieder mit Begeisterung, als wolle er Weihnachtsmarkthändler des Jahres werden. Dabei ist es sein erster Tag. „Viele kaufen ihn“, erklärt er sein Engagement. Er sei ja auch wirklich „putzig“. Und: „Er zaubert den Leuten ein Lächeln ins Gesicht.“

Maurer hilft am Stand der Mutter seines besten Freundes aus. Sie kommt aus Hechingen und verkauft Nippes, Kunsthandwerk und kleine Blechautos. Seit über 20 Jahren sei sie mit ihrem Stand vertreten. „Auf jeden Fall so lange, wie ich denken kann.“

Dudelne Miniatur-Weihnachtsbäume oder kleine Elche – manche kaufen alles

Neben den unzähligen Essensstände verkaufen auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt auch rund 200 Händler ihre Produkte. Weihnachts- und Christbaumdeko dominieren definitiv die Auslagen. Doch auch Spielzeug, Winterkleidung und Haushaltswaren sind groß im Rennen. Mit „Bügeln war noch nie so schön“ wirbt zum Beispiel eine Händlerin für, ja, Bügeleisen. Der Andrang ist nicht ganz so groß.

Ganz anders bei Irmgard Tinz. Die 70-Jährige, gebürtig aus Altötting in Bayern, ist seit über 50 Jahren in Stuttgart und von Beruf Wachsbildnerin. Sie stellt Holzmodel her – aber aus Wachs. Alles macht sie von Hand. Zum 45. Mal ist die Handwerkerin auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Ihre Wachsformen sind inzwischen wieder äußerst beliebt. „Meine Kunden haben herausgefunden, dass man damit Springerle backen kann“, erzählt Tinz. Und die seien wieder total in. Das rührt die Händlerin immer sehr, wenn das „die jungen Menschen“ wieder backen – wie ihre Oma früher. „Viele junge Männer kaufen das sogar.“

Die meisten Händler sind Traditionsbetriebe. Manche Gegenstände mögen etwas altmodisch erscheinen, doch das schätzen die Leute. Gerhard, ein älterer Herr aus Günzburg, kommt jedes Jahr mit seiner Feuerwehr her. „Ich kaufe immer ein Keramikschloss. Für meine Frau“, sagt er. Eine seiner Begleiterinnen, Petra, kauft Holznippes für ihre Kinder. Sie mag die schönen Stände: „Es ist ganz toll, wie sie dekoriert sind, deshalb kommen wir nach Stuttgart.“

Manchen ist es schon zu viel „Kommerz“

Die schmalen Gänge zwischen den Ständen sind am frühen Nachmittag schon überfüllt. Kurz vor Weihnachten, da kaufen so manche allerlei Zeugs, das sie das restliche Jahr wohl kaum brauchen werden. „Vieles ist nur noch Kommerz“, bemängelt Gerd Voigt, der am Stand von „seinem Vetter“ hilft.

Jedes Jahr macht er das. Sein Cousin hat eine Gärtnerei in Hechingen, sie verkaufen kleine Hinstellerchen wie Elche und Schneemänner und Adventskränze mit bunten Kerzen. „Wenn die Leute pinke oder türkisene wollen, dann kriegen sie das“, sagt er. Das Geschäft könnte aber besser sein. „Die Leute haben kein Geld mehr“, so glaubt er. Aber man sei ja schon so lange dabei. Die meisten Händler seien seit Jahrzehnten auf dem Markt, sagt Voigt. Neue Beschicker kämen nur dazu, wenn welche sterben oder aus Altersgründen aufhören. Doch bei vielen übernehme auch der Nachwuchs. Bei ihnen habe der Stand auch erst dem Opa gehört.

Ein bisschen hip ist man auch: es gibt eine Streed Food-Ecke

Doch nur auf Althergebrachtes will man auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt auch nicht setzen. Am Schlossplatz vor der Alten Kanzlei gibt es deshalb auch ein paar Streetfood-Stände. Dort wirbt man mit dem pfiffigen Marketingspruch „Erlebe die lockere Verbindung zwischen Tradition und Moderne“. Statt Bratwurst und Glühwein verkauft man dort ganz unweihnachtlich „Pulled Pork Burger“ und „Hot Cocktails“.

Auf unserer Karte zeigen wir noch weiter Weihnachtsmärkte in Stuttgart