Zwischenbilanz der IBA´27 Region punktet, Stuttgart versagt

Kein IBA-Zukunftskonzept: Sommer-Entspannung auf dem Oberdeck des Züblin-Parkhauses in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Die Internationale Bauausstellung IBA’27 hat noch einmal neue Projekte in der Region präsentiert – doch in Stuttgart ist ein weiteres Vorzeigeprojekt gescheitert.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Bauen wird immer schwieriger – das bekommt zurzeit auch die Internationale Bauausstellung IBA zu spüren. „Im Augenblick haben wir eine enorm schwierige Situation“, sagt Thomas Bopp, der Vorsitzende der Regionalversammlung Stuttgart und IBA-Aufsichtsratschef. Vorhaben am Stöckach in Stuttgart oder auf dem Klinikumsareal in Sindelfingen sind gestoppt. Auch Projekte in Winnenden und Uhingen, wo Wohnen und Gewerbe verknüpft werden sollten, sind stark gefährdet.

 

Ein jüngster Rückschlag kam einen Tag vor der von der IBA zum Ende ihres aktuellen Festivals geplanten Präsentation neuer Vorhaben in der Region. Im Stuttgarter Gemeinderat wurde der Umbau oder Abriss des Züblin-Parkhauses im Leonhardsviertel auf die lange Bank geschoben. Vier weitere Jahre soll es eine Zwischennutzung geben.

Sechs neue Vorhaben in der Region

Umso mehr betonten die IBA-Macher das Engagement in der Region. Dort sind jetzt sechs teils schon länger debattierte Vorhaben zu offiziellen Projekten geworden und bringen die Gesamtzahl auf 23. Darunter sind für den ökologischen und sozialen Anspruch der IBA typische Vorhaben: In Esslingen das Tobias-Mayer-Quartier im Stadtteil Hohenkreuz und zwei Projekte im Schorndorfer Zentrum. Diese nutzen bestehende städtische Flächen. Aber auf der Liste stehen auch zwei Neubaugebiete in Randlage in Leinfelden Echterdingen (Käpsele Goldäcker) und Waiblingen (Neues Wohnen Korber Höhe). Dies widerspricht eigentlich dem Anspruch, keine neuen Flächen zu verbrauchen. Und auch ein schon vor der IBA im Jahr 2018 angelaufenes aber nun spät eingereichtes Projekt ist auf der Liste: Das Postareal in Leonberg, an dem ein Hauptsponsor der IBA, die Baufirma Züblin-Strabag, beteiligt ist.

Gibt IBA einige Grundsätze auf?

Dass im IBA-Aufsichtsrat kontrovers debattiert wurde, deutete dessen Vorsitzender Bopp an. Man habe aber keine Kompromisse gemacht, sagte IBA-Intendant Hofer. Die Ökobilanz der beiden Neuerschließungen sei rundum positiv: „Damit ersparen wir unterm Strich die Erschließung von noch mehr Hektar Land außerhalb des S-Bahn-Radius.“ Und auch die Teilnahme von Züblin-Strabag sei ein positives Zeichen: „Es ist ein Glücksfall, wenn wir einen großen Mitspieler haben, der mit uns die Bauindustrie verändern will.“ Der Vertreter des Bauunternehmens sagte bei der Präsentation, dass die Diskussionen im Rahmen der IBA etwa dazu geführt hätten, dass man nun auch Wohneinheiten für Senioren-WGs plane.

Frustration über die Stadt Stuttgart

Am Rande der Präsentation wurde aber deutlich, wie frustriert man bei der IBA über die Kehrtwende der Stadt Stuttgart beim Züblin-Parkhaus ist. Man wurde erst am Tag des Beschlusses informiert. „Wir sind nicht überrascht, sondern gelangweilt“, sagte IBA-Intendant Hofer: „2021 war die Sache von Seiten der IBA vorbereitet.“ Danach sei aber von Seiten der Stadt Stuttgart nichts wirklich passiert.

Vor kurzem noch wurden in einer Ausstellung Umbaukonzepte präsentiert, die etwa das Oberdeck als Aussichtsplattform nutzen wollten. Doch daneben gab es unter anderem den Vorschlag einer Anwohnerinitiative, den Klotz abzureißen, um das Quartier besser zu verknüpfen und den historischen Straßengrundriss wiederherzustellen.

Doch ein Neubau erzeugt viel CO2. Und auch wenn die IBA-Macher betonen, dass die Erhaltung des Gebäudes nicht zentral sei, wäre ein Umbau ein Vorzeigeprojekt gewesen.

Umbau oder Neubau?

Im Verlauf der langwierigen Planung wurde nie entschieden, ob man einen Umbau oder einen Neubau will. Politisch ist die Lage gespalten: Der Stuttgarter Gemeinderat sympathisiert mit einem Umbaukonzept, der Bezirksbeirat ist für den Abriss. Frei wird das Gebäude nun erst, wenn die Bauausstellung 2027 vorbei ist. Zum Jahresende soll nach Angaben eines Sprechers der Stadt dennoch das so genannte Konzeptvergabeverfahren beginnen. Ansonsten wolle man die jetzige Zwischennutzung etwa für Kulturveranstaltungen „sichtbarer machen.“

Mehr Zeit für die Planung

„Das öffnet jetzt das Fenster, das Ganze außerhalb des IBA-Rasters vernünftig zu denken und zu planen,“ sagt Thomas Rodens, Geschäftsführer eines Handwerksunternehmens im Viertel, der an der lokalen Initiative beteiligt ist. Die IBA sei ein wichtiger Impuls gewesen, aber sie habe eine Entscheidung nicht einfacher gemacht. „Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass man mit dem Züblin-Parkhaus ein Denkmal setzen wollte“, sagt Rodens.

Der bisherige Pächter, der Parkplatzbetreiber, scheint jedenfalls zu glauben, dass die Zeit für ihn arbeitet: Vor kurzem hat er eine Online-Petition für ein eigenes Konzept eines Umbaus des Parkhauses gestartet. Doch die Stadt Stuttgart winkt ab: „Dies hat nichts mit der gemäß der Grundsatzvorlage zur Entwicklung und Vermarktung des Züblin-Parkhaus-Areals beschlossenen Vorgehensweise zu tun“, sagt deren Sprecher.

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