Alina Rehs starke Saison Die Albläuferin ist auf der Überholspur

Von Ewald Walker 

Alina Reh ist Teil eines Fräuleinwunders im Laufbereich des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV): Auch beim Silvesterlauf in Bietigheim will die 20-Jährige aus Laichingen ihre Klasse zeigen.

Alina Reh: 2018 ist ihr ganz großes Ziel die EM in Berlin. Foto: Getty
Alina Reh: 2018 ist ihr ganz großes Ziel die EM in Berlin. Foto: Getty

Stuttgart - 2017 war das Jahr der Alina Reh. Das dürfte bis zum letzten Tag so bleiben. Zum fünften Mal bestreitet die 20-Jährige Läuferin von der Schwäbischen Alb ihren Jahresabschluss beim Bietigheimer Silvesterlauf. „Wenn man dort schon viermal gewonnen hat, ist man Favoritin“, weiß Reh, worum es für sie auf der 11,2 Kilometer langen Strecke durch die Enzaue und die Altstadt geht. „Nirgendwo stehen so viele Zuschauer an der Strecke wie auf den letzten zwei Kilometern“, schwärmt sie von der „coolen“ Atmosphäre.

Es läuft bei Alina Reh. Mit ihrer Leistungsentwicklung weckt sie große Hoffnungen. „Sie war bei allen internationalen Meisterschaften vertreten und hat überragendes geleistet in dieser Saison“, sagt ihr Trainer Jürgen Austin-Kerl. Alina Reh ist Teil eines Fräuleinwunders im Laufbereich des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV): Sie gehört zum Quartett mit Hindernis-Europameisterin Gesa Felicitas Krause (25, Silvesterlauf Trier), Konstanze Klosterhalfen (20, Bayer Leverkusen, Vize-Europameisterin 1500 Meter) und Hanna Klein (24, SG Schorndorf, WM-Finalistin 5000 Meter).

Zwei Sternstunde feiert sie auf der Straße

In Leipzig holte Alina Reh über 3000 Meter ihren ersten deutschen Meistertitel in der Halle und besiegte dabei überraschend Gesa Krause. Die Leistung der damals erst 19-Jährigen wurde von den Fachleuten als „phänomenal“ eingestuft. Bei der Junioren-EM gewann sie Silber über 5000 Meter. Zwei Sternstunden feierte die Laichingerin dann auf der Straße. In Ulm verbesserte sie den 22 Jahre alten deutschen U-23-Rekord von Sonja Oberem (Leverkusen) um 21 Sekunden auf 1:11,21 Stunden. „Meine international wertvollste Leistung war der deutsche U-23-Rekord über 10 Kilometer, sagt sie im Saisonrückblick. Mit 31:38 Minuten unterbot Reh in Berlin den 27 Jahre alten U-23-Rekord von Kathrin Ullrich (SC Berlin, 31:44) und stürmte damit in der DLV-Frauen-Bestenliste ganz nach vorne. Nur Irina Mikitenko (TV Wattenscheid, 30:57 Minuten) war jemals schneller in Deutschland. Alina, das Jahrhunderttalent? Bei der WM in London sammelte sie Erfahrungen. Zum Beispiel, dass Laufen die Domäne der Afrikanerinnen ist. Als 17. über 5000 Meter verpasste Alina Reh das Finale um zwei Plätze oder drei Sekunden.

Landschaft und Leute haben Alina Reh geprägt

Die Ausnahmeathletin ist ein Kind der Schwäbischen Alb. Landschaft und Leute haben sie geprägt, hier ist sie verwurzelt. Als Siebenjährige begleitete sie ihre Marathon laufende Mutter auf dem Fahrrad. Mit zehn absolvierte die kleine Alina ihren ersten Crosslauf – und wurde aufgrund ihrer Defizite im Kraft- und Schnelligkeitsbereich Letzte. Mit 15 begann ihre Laufkarriere. Der nationale Durchbruch gelang ihr mit 18 in Nürnberg, als sie die vielfache deutsche Meisterin Sabrina Mockenhaupt über 5000 Meter entthronte und erstmals deutsche Aktiven-Meisterin wurde. Im Jahr darauf folgten erste Rückschläge mit zwei Ermüdungsbrüchen. „Ich habe viel angezweifelt, mein Trainer hat mir vertraut und mich aufgefangen“, erinnert sie sich an dieses Tief.

Alina Reh hat ihren Weg längst gefunden. Die Familie ist der Nährboden ihrer Erfolge. Während viele Athleten mit der dualen Karriere von Beruf und Sport zu kämpfen haben, hat sie diesen Spagat gelöst. Vormittags arbeitet die Einzelhandelskauffrau im Supermarkt ihrer Mutter, nachmittags hat sie Zeit fürs Training. „Der Job im Supermarkt ist ein hervorragender Ausgleich“, weiß sie.

Ihr Wille ist ihre Stärke

Laufen als Langstrecklerin ist die große Leidenschaft der Alina Reh. Mitte Dezember hat sie im slowakischen Samorin bei der Cross-EM ihrer bisher erfolgreichsten Saison einen weiteren Erfolg hinzugefügt. Reh besiegte Konstanze Klosterhalfen eindrucksvoll und wurde U-23-Europameisterin. Die Kraft- und Schnelligkeitsdefizite hat sie längst behoben. „Alina ist gereift, ihr Wille ist ihre Stärke“ sagt Austin-Kerl.

Und wo läuft sie künftig hin? „2018 ist die EM in Berlin mein ganz großes Ziel“, sagt Reh. Noch hat sie die 5000 Meter im Auge, ihre größeren Chancen dürften auch im Berliner Olympiastadion auf der 10 000-Meter-Strecke liegen. Langfristig hat die Endlosläuferin von der Alb die Marathonstrecke im Visier. „Das ist zwar hart, aber genau dies reizt mich“, beschreibt sie die große Herausforderung.

Silvesterläufe in der Region im Überblick

14. Ottenbacher Silvesterlauf
(So 12 Uhr, Sportgelände „Im Buchs“). 27. Stuttgarter Silvesterlauf in Weilimdorf
(So 13 Uhr, am Fuße von Schloss Solitude). 32. Backnanger Silvesterlauf
(So 14 Uhr, Rathaus). 37. Bietigheimer Silvesterlauf
(So 14, Sporthalle am Viadukt). 36. Silvesterlauf auf die Teck in Kirchheim
(So 15 Uhr, Rathaus). 2. Neujahrslauf der LG Filder
(Mo 14, Sportzentrum Leinfelden).