Altdorf Lamas machen sich auf den Klimapilgerweg

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In Katowice findet im Dezember die nächste UN-Klimakonferenz statt. Die Altdorfer Pfarrerin Ulrike Schaich klinkt sich jetzt mit Iska und Luna in den Pilgerzug für Klimagerechtigkeit ein. Die beiden Lamastuten sind zwei ganz außergewöhnliche Klimabotschafter.

Ulrike Schaich hat  Iska (links) und Luna   für das Klimapilgern nach Katowice vorbereitet. Dort soll die Umsetzung des Weltklimaabkommens eingeleitet werden. Foto: Horst Rudel 12 Bilder
Ulrike Schaich hat Iska (links) und Luna für das Klimapilgern nach Katowice vorbereitet. Dort soll die Umsetzung des Weltklimaabkommens eingeleitet werden. Foto: Horst Rudel

Altdorf - Iska und Luna stehen vor einer wichtigen Mission. Die beiden Lamastuten sind die exotischsten Teilnehmer des Ökumenischen Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit, der von Sonntag, 9. September, an von Bonn über Berlin ins polnische Katowice führt, wo im Dezember die nächste UN-Klimakonferenz tagen wird. Gesellschaft leisten den Lamas deren Besitzerin, die Altdorfer Pfarrerin Ulrike Schaich, und Pilger aus dem ganzen Bundesgebiet.

Lamas erleichtern Kontakte zwischen Menschen

Mit ihrer Ausdauer waren Iska und Luna bereits beim Pilgerzug nach Paris mit dabei, wo vor drei Jahren das Weltklimaabkommen gegen die Erderwärmung verabschiedet worden ist. „Geht doch!“ ist auch in diesem Jahr wieder das vielsagende Motto des Ökumenischen Pilgerwegs. Um die Ziele des Pariser Vertrags zu erreichen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen schnellstens deutlich reduziert werden. Auf diese Dringlichkeit weist die Aktion hin. Über die Lamas finden Menschen, die dem Pilgerzug begegnen, leicht den Zugang zu Klimathemen. „Die Tiere sind perfekt, um in Gespräche einzusteigen“, so die Erfahrung von Ulrike Schaich.

Wanderungen sind für die Lamas – die Pfarrerin hält auf einer Wiese in ihrem Wohnort Reutlingen-Ohmenhausen insgesamt fünf dieser zu den Kamelen zählenden Tiere – etwas Alltägliches. Wenn es ihre halbe Pfarrstelle in Altdorf zulässt, ist Ulrike Schaich mit ihren Lieblingen unterwegs. Regelmäßig bietet sie geführte Lama-Touren an – häufig im kirchlichen Kontext.

Für einen ganzheitlichen Blick auf die Schöpfung

Wer bei einer dieser Wanderungen mitmacht, soll lernen, einen neuen Blick auf die Schöpfung zu werfen. Es geht darum, erläutert Ulrike Schaich, „das menschenzentrierte Weltbild zu überwinden“. Die 51-Jährige folgt dabei den Maximen des Instituts für Theologische Zoologie: Der Mensch soll sich als „Teil der Schöpfungsgemeinschaft“ begreifen. Dies bedingt Respekt gegenüber allen Mitgeschöpfen und einen nachhaltigen Lebensstil.

Der Kern des Pilgerns ist Meditation und Kontemplation. Lamas sind für Ulrike Schaich deshalb ideale Begleiter. Sie sind „ein Vorbild an Gleichmut und Gelassenheit“, sagt sie. Charakteristisch für Lamas sei ihre „unersättliche Neugier“ gepaart mit einer „freundlichen Zurückhaltung“. Lamas sind keine Kuscheltiere. Wer ihr Vertrauen gewinnen möchte, muss sich in Geduld üben.

Peruanischer Bauer verklagt Energieriesen RWE

„Das abzuwarten und auszuhalten, wenn man doch am liebsten mit den Tieren herumschmusen würde, kann eine schwierige Aufgabe sein. Nähe – Distanz: ein faszinierendes Spiel“, sagt Ulrike Schaich, der zum ersten Mal mit neun Jahren bei einem Besuch in Ecuador ein Lama begegnet und die seither von den Tieren begeistert ist.

Die insgesamt 1700 Kilometer lange Klimatour nach Katowice hat 78 Stationen und passiert große Kohlereviere – ist doch Braunkohleverstromung eine maßgebliche Ursache dafür, dass Klimaschutzpläne nicht erfüllt werden können. Und in Paderborn lädt Ulrike Schaich mit ihren Andentieren zu einem Vortrag, Diskussion und Workshop mit Saúl Luciano Lliuya ein. Der peruanische Kleinbauer verklagt stellvertretend für sein Dorf RWE. Für Lliuya ist der Energieriese mitverantwortlich dafür, dass in den Anden die Gletscher schmelzen und dadurch sein Haus bedroht wird.

Stopp des Klimawandels ist auch eine Frage der Gerechtigkeit

Der von einem breiten Bündnis aus 40 Organisationen, Initiativen und Unternehmen getragene Ökumenische Pilgerweg setzt sich ein für Klimagerechtigkeit. Künftig werden jene Länder, die am wenigsten für den Klimawandel können, oftmals am stärksten unter dessen Folgen zu leiden haben. Auf diese Ungerechtigkeit macht das Klimapilgern aufmerksam. „Die Frage, wie wir den Klimawandel stoppen können, ist die große Gerechtigkeitsfrage dieses Jahrhunderts“, sagt etwa die frühere Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, eine von drei Schirmherren des Klimapilgerwegs. Und wer könnte auf dieser Mission die Herzen der Menschen besser gewinnen als die freundlichen, wuscheligen Klimabotschafter Iska und Luna? Leider wird für die beiden Lamas der Weg in Hannover schon zu Ende sein. Denn länger bekommt Ulrike Schaich keinen Urlaub.