Asylbewerberheim in Waiblingen Ehrenamtliche: Unterkunft ist ein Horror

Von Annette Clauß 

„Die Unterkunft Innerer Weidach ist ein Horror“, so beschreibt ein Ehrenamtlicher die Situation in einem der drei Asylbewerberheime in Waiblingen. Immer wieder gebe es länger andauernde Stromausfälle – aber keine Notrufnummer unter der durchgehend jemand erreichbar sei.

Der Verein „Fremde unter uns“ kritisiert die Zustände in einem Containerdorf  beim Waiblinger Bahnhof. Foto: Gottfried Stoppel
Der Verein „Fremde unter uns“ kritisiert die Zustände in einem Containerdorf beim Waiblinger Bahnhof. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Von Menschlichkeit könne in der Waiblinger Asylunterkunft Innerer Weidach keine Rede sein, so hat es ein dort ehrenamtlich Tätiger bei der Bürgerfragestunde in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bildung, Soziales und Verwaltung formuliert. Der „Sachstandsbericht Netzwerk Asyl“ stand auf der Tagesordnung, was einige Ehrenamtliche, darunter Mitglieder des Hilfsvereins „Fremde unter uns“ nutzten, um ihrem Ärger über die Flüchtlingspolitik des Landkreises Luft zu machen. Drei Asylbewerberheime gibt es derzeit in Waiblingen (siehe „Unterkünfte in Waiblingen), nun gab es heftige Kritik an dem im vergangenen Jahr eingerichteten Standort Innerer Weidach unweit des Bahnhofs, einem Containerdorf.

Waschmaschinenraum wird tagelang abgeschlossen

„Die Unterkunft Innerer Weidach ist ein Horror“, so drückte es der eingangs zitierte Ehrenamtliche aus. So werde der Waschraum von freitags bis montags, also während der Abwesenheit des Hausmeisters, abgeschlossen – und das, obwohl in dem Heim Kleinkinder lebten. Familien mit Kindern seien mit Einzelpersonen, meist allein stehenden Männern, die nächtens auch lautstark feierten und Alkohol tränken, in einem Container untergebracht: „Für die Kinder ist das ein Wahnsinn dort zu leben. Sie können nicht schlafen.“

Die ehrenamtliche Helferin Heide Pfander sprach in Bezug auf die Bewohner von „87 vergessenen Menschen“. Immer wieder gebe es Stromausfälle. Wenn das an einem Freitagnachmittag der Fall sei, müssten die Bewohner bis zum Montagmorgen ohne Strom ausharren, denn es gebe keinen Zugang zum Kasten mit der Hauptsicherung, keine erreichbaren Ansprechpartner und keine Notfallnummer.

Konkret bedeute das, dass die Menschen weder kochen noch warmes Wasser nutzen könnten. Im Winter sei es ebenfalls zu Stromausfällen gekommen – mit der Folge, dass die Wohnräume nicht geheizt werden konnten. „Die Heimleitung geht nicht ans Handy“, so die Ehrenamtliche. Bereits vor zwei Monaten habe man das Landratsamt in einem Schreiben auf diesen Missstand hingewiesen. Auf die Beschwerde habe es bislang jedoch keine Reaktion gegeben.

Stattdessen, so erläuterte Albrecht Rehberger vom Verein „Fremde unter uns“, habe die Kreisbehörde seinen Verein mit „einem kleinen Nebensatz“ in einem Brief in höchste Alarmbereitschaft versetzt. In dem Schreiben, das Rehberger im Ausschuss zitierte, teilt das Landratsamt sinngemäß mit, man erwäge, am Standort Innerer Weidach zusätzliche Container aufzustellen und habe diesbezüglich bereits eine Anfrage an das Bauamt der Stadt Waiblingen gestellt.

Verein: Stadt sollte keine weiteren Container erlauben

„Das würde bedeuten, dass 50 weitere Personen in dieser völlig unzureichenden Situation untergebracht werden“, folgerte Rehberger. Im März vergangenen Jahres habe der Landkreis seinem Verein zugesichert, „dass es am Standort Innerer Weidach jeden Tag ganztags Sozialarbeit gibt. Das aber entspricht in keinster Form der Wahrheit.“ Die Situation in den drei Waiblinger Unterkünften sei sehr unterschiedlich. „Mit zwei davon sind wir sehr einverstanden“, so Rehberger. Aber nicht mit jener beim Bahnhof Waiblingen. „Daher glauben wir, dass die Stadt auf keinen Fall eine Genehmigung erteilen sollte, dort weitere Container aufzustellen.“

Die Verwaltung wisse von den Stromausfällen, sagte die erste Bürgermeisterin Christiane Dürr. Das Problem sei, dass die Unterkunft zwar auf Waiblinger Gebiet liege, aber nicht in der Zuständigkeit der Stadt. „Uns sind da in gewisser Weise die Hände gebunden.“ Dennoch bat Dürr die Ehrenamtlichen, ihr die Kritikpunkte zukommen zu lassen: „Wir werden uns an das Landratsamt wenden. Was wir tun können, tun wir. Es muss zwischen Freitag und Montag eine Notrufsystem geben.“ Was die Anwesenheit eines Sozialarbeiters betreffe, so sei für den Standort Innerer Weidach keine volle Stelle vorgesehen. Für den Fall, dass der Kreis der Stadt weitere Asylbewerber zuweise, sei aus Sicht der Stadt der vierte Standort im Ameisenbühl die richtige Adresse. „Eine Hallenbelegung ist die Ultima Ratio.“