Auf die Plätze: Marktplatz in Freiberg Er hält die Ortsteile zusammen

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Der Marktplatz ist so alt wie die Stadt selbst: Als sich die drei Ortsteile vor rund vier Jahrzehnten zusammenschlossen, wurde mit ihm ein neues Ortszentrum geschaffen.

Heidi und Günther Würth haben bis vor zwei Jahren  am Freiberger Marktplatz  Obst und Gemüse verkauft. Inzwischen kommen sie selbst als Kunden. Foto: factum/Bach
Heidi und Günther Würth haben bis vor zwei Jahren am Freiberger Marktplatz Obst und Gemüse verkauft. Inzwischen kommen sie selbst als Kunden. Foto: factum/Bach

Freiberg/Neckar - Für Günther Würth ist der Markt am Samstag „immer noch Pflicht“, wie er sagt. Würth war lange Zeit Kontaktmann zwischen der Verwaltung und den Markthändlern, hat dafür gesorgt, dass alles reibungslos abläuft und die Stadtverwaltung von Freiberg nichts zu meckern hat. „Der Markt musste in seinen Anfangsjahren wirklich kämpfen“, erzählt der 65-Jährige. Viele Vereine hätten auf den Platz gedrängt, für Feste am Samstag. Würth war selbst lange Händler am Marktplatz in Freiberg, vor allem Obst und Gemüse hat er verkauft. „Wir waren immer die ersten, die am Morgen da waren“, erzählt seine Frau Heidi. 37 Jahre lang waren die beiden Landwirte das Gesicht des Marktes, vor zwei Jahren gingen sie dann in Rente. Das Ehepaar hat damit die Transformation der drei Dörfer Geisingen, Beihingen und Heutingsheim zur heutigen Stadt Freiberg miterlebt – und zwar an jenem Ort, der noch heute für die zusammengewachsene Stadt steht: dem Marktplatz.

Freiberg statt „Heierlesgeierlesbeierlesbach“

Den Markt selbst gibt es seit 1977. „Anfangs war der Zulauf noch nicht groß, einige Händler mussten wieder gehen.“ Erst nach einiger Zeit habe sich der Markt „eingelaufen“. Und je mehr Leute kamen, desto mehr wurde Freiberg auch gefühlt zur Stadt. „Das lebt man hier auch“, findet Heidi Würth. Man gehe ins Zentrum, um Verwandte zu treffen, auch gebe es immer mehr Stammtische von Vereinen, Schulen oder Senioren, die sich in den umliegenden Cafés treffen. Hinzu kommen die Einkaufsmöglichkeiten, die Ärzte, das Hallenbad und, seit 2001, auch das Veranstaltungszentrum Prisma.

„Die Menschen sind auch schon durch das Schulsystem verwachsen“, sagt Heidi Würth. Denn die am Marktplatz liegende, zentrale Oscar-Paret-Schule nimmt als weiterführende Schule die Kinder der drei Grundschulen aus den Ortsteilen auf. Freiberg gilt daher als ein positives Beispiel, wie ein Zusammenschluss kleinerer Orte funktionieren kann – obwohl dem Vorschlag aus der Bevölkerung, die 1972 neu entstandene Stadt fortan „Heierlesgeierlesbeierlesbach“ zu nennen, nicht gefolgt wurde.

Viel hat sich seitdem nicht verändert.

Als der Markt dann 1977 auf den Platz kam, fand er sich bereits eingerahmt durch das Rathaus, die Oscar-Paret-Schule und die Ladenzeile. Viel habe sich seitdem nicht verändert, findet Günther Würth. Ein paar Geschäfte hätten schließen müssen, ein paar neue seien dazu gekommen – das Übliche eben. Manch ein Markthändler habe auch den Sprung geschafft und einen festen Laden im Ortskern eröffnet. Seine Frau Heidi erinnert sich daran, wie das Ortszentrum mit seinen neuen Modegeschäften und Schuhläden „eine echte Attraktion“ für die frisch gebackenen Freiberger war. Doch die Begeisterung sei schnell verflogen, so dass einige der Geschäfte wieder schließen mussten. „Früher war der Platz vielseitiger“, sagt sie.

Auch heute merkt man, dass es eine künstliche Ortsmitte ist. Ohne Schüler und ohne Markt, sprich in den Sommerferien und vor allem am Mittwochnachmittag, wenn die Läden geschlossen haben, ist der Platz oft wie leer gefegt. Zudem fehlen Grünflächen oder Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen einladen. Man geht ins Zentrum, weil man muss, zum Arzt, aufs Amt, zum Edeka, nicht weil man will.

Die Stadt plant jedoch, das Ortszentrum neu zu gestalten. Der Anlass ist der Neubau der Oscar-Paret-Schule. Wie sich ihr Ortskern dann verändern wird, haben sich Günther und Heidi Würth noch nicht so genau angeschaut. „Das ist nicht mehr unsere Zeit“, sagt Günther Würth. Eines ist aber klar: auf den Markt gehen werden die beiden weiterhin. „Der Markt ist unser Zuhause“, sagt Günther Würth.