Auszeichnung in Stuttgart-Sillenbuch Eine Besondere und besonders Besonnene

Von Caroline Holowiecki 

Seit den 1990ern engagiert sich die Sillenbucherin Ariane Müller-Ressing für andere. Am Freitag aber stand allein sie im Mittelpunkt. Der Minister Winfried Hermann überreichte ihr im Namen der Landesregierung das Bundesverdienstkreuz.

Winfried Hermann übergibt Ariane Müller-Ressing das Verdienstkreuz. Foto: Holowiecki
Winfried Hermann übergibt Ariane Müller-Ressing das Verdienstkreuz. Foto: Holowiecki

Sillenbuch/Heumaden - Viele der Gäste lagen Ariane Müller-Ressing am Freitagabend am Herzen. Familienmitglieder waren da, Wegbegleiter. Magdalena Zielinski aber nahm eine Sonderstellung ein. 1992 war sie ihr erster „Fall“ gewesen. „Da habe ich gesehen, wie das ist, wenn jemand, der hochgebildet ist, nach Deutschland kommt und allein keine Chance hat.“ Die Volkswirtin hatte die polnische Psychologin, die mit vier Kindern ins fremde Land gekommen war, durch den Behördendschungel gelotst – bis zur Praxisgründung. Heute sind die beiden beste Freundinnen. Und Magdalena Zielinski ist zumindest indirekt der Grund, warum Ariane Müller-Ressing nun, 26 Jahre später, das Bundesverdienstkreuz bekommen hat.

„Das hat mich überzeugt, dass man helfen muss“, sagt die 70-Jährige rückblickend. Und tatsächlich hat Ariane Müller-Ressing sich immerzu für andere eingesetzt. Die Liste, die der Laudator, der Landesverkehrsminister Winfried Hermann, verlas, war lang: Landeselternbeirat, Kinderschutzbund, Wildwasser, Nachbarschaftshilfe, Lokale Agenda, Bürgerstiftung, „es ist unglaublich, wo Sie sich überall engagiert haben“, sagt er.

Zentral im Leben der gebürtigen Rheinländerin war und ist jedoch die Flüchtlingsarbeit. Bereits in den 1990ern war sie am Aufbau des stadtweit ersten Flüchtlingskreises in ihrem Heimatbezirk beteiligt gewesen. „Sie sind die Mutter der Stuttgarter Flüchtlingskreise“, sagte Winfried Hermann. Seit dem Jahr 2005 fungiert sie dort als Sprecherin, außerdem ist sie ehrenamtliche Vorstandvorsitzende der AGDW, der „Arbeitsgemeinschaft für die eine Welt“.

An ihr kommt in Stuttgart keiner vorbei

Wer in Stuttgart etwas über die Asylarbeit wissen will, kommt an der Mutter zweier Kinder und fünffachen Oma nicht vorbei. An Runden Tischen und an Handbüchern für die baden-württembergische Landesregierung hat Ariane Müller-Ressing mitgewirkt, sie sitzt in unterschiedlichen Leitungsgruppen. „Sie leben, was unser Grundgesetz prägt. Eine gute Gesellschaft wird nur gut, wenn alle einen Beitrag leisten“, sagte Winfried Hermann, bevor er Ariane Müller Ressing die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland – so die volle Bezeichnung für die Ehrung – ansteckte.

Der Vorschlag dafür war aus dem Büro des Stuttgarter Sozialbürgermeisters Werner Wölfle gekommen. „Sie sind nicht nur eine Besondere, sondern auch eine besonders Besonnene“, lobte er. Sie sei ein Vorbild, an dem sich viele orientieren könnten. Der Geehrten selbst war das Ganze sichtlich unangenehm. Ariane Müller-Ressing ist keine, die mit sich selbst hausieren geht. Dass sie das Verdienstkreuz bekommen würde, hatte sie bereits seit Oktober des vergangenen Jahres gewusst, aber kaum einem gesagt. Ehrlich gefreut habe sie sich trotzdem, „das war für mich ein Zeichen, dass ich eine gute Arbeit gemacht habe“. Und schon dachte sie wieder an andere. Von der Auszeichnung erhoffe sie sich „einen Push“ für die Flüchtlingsarbeit, „das hilft uns im Stadtbezirk, diese positive Stimmung“. Ariane Müller-Ressing selbst wird freilich weitermachen. „Kraft habe ich noch, Fröhlichkeit auch.“

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