Backnang und Waiblingen: IBA-Bewerbung Inspirationsquelle für zukunftsweisende Architektur

Von und Annette Clauß 

Backnang und Waiblingen wollen mitmischen bei der Internationalen Bauausstellung 2027. Backnang geht mit einem 15 Hektar große Gelände an der Murr ins Rennen, Waiblingen will bislang Projektanträge für drei verschiedene Standorte stellen.

Das Le Corbusier-Haus in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung. Diese  ist im Zuge einer Bauausstellung im Jahr 1927 entstanden. Foto: dpa
Das Le Corbusier-Haus in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung. Diese ist im Zuge einer Bauausstellung im Jahr 1927 entstanden. Foto: dpa

Backnang/Waiblingen - Das Interesse der Kommunen an der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2027 in der Region Stuttgart sei groß. Das sagte der Intendant der IBA, Andreas Hofer, jetzt im Backnanger Gemeinderat. Backnang habe aber gute Chancen, dass die Bewerbung der Murrstadt angenommen wird.

Backnang geht mit einem rund 15 Hektar großen Gelände – zu einem großen Teil Industriebrache – ins Rennen. Das hat der Gemeinderat nach längerer Debatte einstimmig beschlossen. Das Areal „Backnang-West“, das größtenteils neu bebaut werden soll, reicht von der Friedrichstraße bis zum Murrtalviadukt und beinhalte, so Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU), auch das etwa 3,5 Hektar große Kaelble-Areal. Wegen dieses Geländes liegt die Stadt seit rund drei Jahren im Clinch mit dem Eigentümer, dem streitbaren Chef der Firma Riva, Hermann Püttmer. Dieser hatte ziemlich kühne Pläne für das Gelände vorgestellt und würde gerne unter anderem ein Hochhaus und eine Multifunktionshalle bauen. Die Mehrheit im Gemeinderat ist skeptisch.

Mehr als zehn Eigentümer, 15 Hektar

Die große Frage ist nun: lenkt Püttmer ein? Nopper erklärte im Gemeinderat, dass „weit mehr als zehn Eigentümern“ die insgesamt 15 Hektar gehörten. Sollte die Bewerbung angenommen werden, dann sei „die IBA die Koordinatorin der Planungswettbewerbe, die Moderatorin unter den verschiedenen Beteiligten und nicht zuletzt auch die fachkundige Ansprechpartnerin für die verschiedenen Experten, die sich grundlegende Gedanken über die Zukunft dieses Quartiers machen“. Welche Projekte umgesetzt werden könnten und welche Gebäude womöglich stehen bleiben, sei völlig offen. Die Planung und Koordination des Mammutprojekts würden laut OB rund 475 000 Euro kosten. Sechs der 15 Hektar seien kommunales Eigentum, deshalb kämen auf die Stadt zunächst Kosten in Höhe von 170 000 Euro zu, die privaten Eigentümer müssen 305 000 Euro bezahlen.

Hofer sagte, das IBA-Projekt würde „das Gesicht der Stadt grundsätzlich verändern“. Alle Stadträte, die sich zu Wort meldeten, erklärten, sie sähen große Chancen für Backnang. Manche brachten auch konkrete Ideen ein, Willy Härtner (Grüne) etwa schlug vor, das neue Quartier mit einer Zahnradbahn an die Innenstadt anzubinden. Der Backnanger Baudezernent Stefan Setzer erklärte, Denkverbote gebe es keine.

Waiblingen will alte Problembereiche neu angehen

Wie in Backnang könnte auch beim Mitbewerber Waiblingen ein Hochhaus eine Rolle bei der IBA spielen. Denn zu den bislang von der Stadtverwaltung ausgewählten Projektstandorten gehört ein städtisches Grundstück im Wohngebiet Korber Höhe, das seit den 1990er-Jahren als Bauplatz für ein Hochhaus gedacht war, trotz mehrerer Anläufe aber immer noch unbebaut ist. Zuletzt sollte auf dem Areal ein begrüntes Hochhaus, ein „grüner Daumen“ entstehen. Eine Mehrheit im Gemeinderat hatte das Projekt aber im Juli 2017 in letzter Sekunde gekippt.

Nun wollen die Stadtplaner die Bebauung des Flurstücks ganz neu angehen – mit welcher Art von Gebäuden, das werde sich erst im Laufe der Zeit zeigen, erklärte der Stadtplaner Patrik Henschel.

Die Umgebung des Waiblinger Bahnhofs ist ein zweites Quartier, das aufgewertet und neu geordnet werden soll. Rund um den Verkehrsknotenpunkt werde sich wegen des geplanten Technologie- und Zukunftsparks Hess sowie aufgrund der Neubauten des Hotel Koch und eines Parkdecks im Bereich Innerer Weidach in naher Zukunft ohnehin viel verändern, sagte Henschel.

Badstraße: keine Luxuswohnungen geplant

Der dritte Bereich, den man in Angriff nehmen möchte, ist die an der Rems gelegene Badstraße, die als Zufahrt zum Werk 1 der Firma Stihl dient. Der Eingangsbereich der Straße, auf dem ältere städtische Wohngebäude stehen, solle neu geordnet und aufgewertet werden, erklärte Patrik Henschel den Gemeinderäten. Die Sorge, dort könnten „Luxuswohnungen“ entstehen und die im Quartier lebenden Menschen verdrängt werden, sei unbegründet, betonte der Oberbürgermeister Andreas Hesky – und verlas ein Statement des IBA-Intendanten Andreas Hofer, der versicherte, Ziel sei nachhaltiges, kostengünstiges, qualitätvolles Bauen. Die Bewohner wolle man frühzeitig informieren und einbinden, sagte Patrik Henschel. Der Antrag der Ali-Fraktion, das Projekt zurückzustellen und erst eine Bürgerbeteiligung durchzuführen, fand keine Mehrheit. Der Beschluss, die drei Projektanträge einzureichen, fiel einstimmig.

Modernes Bauen als Ziel

Geschichte:
Schon 1927 hat es in Stuttgart eine vom Deutschen Werkbund initiierte Bauausstellung gegeben, in deren Zuge auch die berühmte Weissenhofsiedlung entstand. Hundert Jahre später, 2027, wird es erneut eine internationale Bauausstellung im Ländle geben, dieses Mal in der gesamten Region Stuttgart.

Ablauf
: Kommunen, aber auch Privatleute können jetzt Projektanträge einreichen. Eine Koordinationsstelle prüft, ob diese „IBA-würdig“ sind. Ein Aufsichtsrat entscheidet dann, welche Projekte ausgewählt werden. Fördergelder gibt es keine, die Teilnehmer können sich aber mit Experten austauschen und inspirieren lassen.