Bad Uracher Wasserfallsteig Hinterm Wasserfall wird’s ruhiger

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Der Wasserfallsteig in Bad Urach wurde von den Lesern des „Wandermagazins“ zum schönsten Wanderweg Deutschlands gewählt. Nur die wenigsten sehen, wie schön der Steig wirklich ist.

So weit das Auge reicht: Der Wasserfallsteig schlängelt sich über weite Teile nah am Wasser entlang. Doch vor allem im Mittelteil bietet er wunderbare Aussichten auf die Alb. Foto: Dake 11 Bilder
So weit das Auge reicht: Der Wasserfallsteig schlängelt sich über weite Teile nah am Wasser entlang. Doch vor allem im Mittelteil bietet er wunderbare Aussichten auf die Alb. Foto: Dake

Bad Urach - Der Bub hat sein Kinn auf die Hände gestützt, seine Augen blicken entsetzt den Weg entlang und seine Stimme klingt ungläubig. „Da kommen ja noch mehr Stufen.“ Sein Entschluss scheint festzustehen: Er bleibt auf dem Stein hocken, auf dem er gerade sitzt. Seine kleine Schwester hockt daneben, saugt am Schnuller nuckelt und nickt zustimmend. Mama macht erstmal ein Foto.

Es ist wirklich kein leichter Wanderweg, der Wasserfallsteig in Bad Urach. Aber er soll der schönste Deutschlands sein. Zumindest haben so die Leser des Wandermagazins unlängst abgestimmt. Fraglich ist, wie viele von ihnen die knappen zehn Kilometer wirklich gegangen sind. Denn: Bis zum Wasserfall kommen sie alle – Familien, verliebte Paare und Großeltern mit ihren Enkeln. Danach wird es ruhiger und damit erst so richtig schön.

Mit dem Bollerwagen zum Wasserfall

Auch der Anfang des Weges ist traumhaft, aber eben für jeden zu bewältigen und entsprechend hoch frequentiert. Die Parkplätze im Maisental sind mitten in der Woche in den Sommerferien gut gefüllt. Der breite Schotterweg führt an einem plätschernden Wasserlauf fast unmerklich bergan. Bollerwagen, Kinderwagen, Flipflops – hier ist noch alles möglich. Nach 1,5 Kilometer beginnen sie, die Stufen, auf denen man seitlich des größten Wasserfalls der Schwäbischen Alb nach oben gelangt. Festes Schuhwerk schadet auf keinen Fall. Es müssen nicht die dicken Wanderstiefel sein, Turnschuhe mit gutem Profil reichen auch, aber der Weg wird im weiteren Verlauf steiniger und matschiger. Aber erstmal sucht man sich einen Platz auf den winzigen Plattformen und beobachtet ein paar Minuten das über moosbewachsene Felsen fallende Wasser. Wer ein wenig Geduld hat, stellt sich in die Schlange derjenigen, die auf einem schmalen Pfad hinter den Wasserfall kraxeln wollen, und posiert fürs Familienalbum. Das Stimmengewirr mischt sich mit dem tosenden Wasser. Stundenlang könnte man dem Fall zuschauen, doch die Nachrücker drängeln ein wenig.

Also weiter bergauf, jetzt auf einem Waldweg, deutlich schmaler und steiler. Bis zur Hochwiese oberhalb des Wasserfalls ist der Weg selbst für junge Männer mit kurzen Beinen machbar. Zur Belohnung gibt es am Kiosk ein Eis und für die Eltern einen weiten Blick ins Maisental. „Guck mal, von da unten sind wir gerade gekommen.“ Der Nachwuchs spielt lieber am Bachlauf und holt sich nicht zum ersten Mal an diesem Tag nasse Füße. Wer jetzt jedoch wieder hinab zum Parkplatz steigt, verpasst den schönsten Teil des Weges.

Nur ein paar Höhenmeter weiter (insgesamt hat der Weg 510 Höhenmeter zu bieten) ahnt man zum ersten Mal, warum der Wasserfallsteig zu einem der fünf Premiumwandersteige, den sogenannten Grafensteigen, rund um Bad Urach gehört. Denn hier wird der Weg nochmal schmaler und steil, ein Naturpfad, der sich immer munter bergauf bis zum Rutschenfelsen durch den Wald schlängelt. Hier treffen sich so wenige Wanderer, dass man sich ein freundliches „Grüß Gott“ entgegen schmettert. Schnell kommt man nicht voran, denn alle paar Meter gewähren Lücken im Baumwerk wunderschöne Ausblicke.

Ein Drittel hoch, ein Drittel geradeaus, ein Drittel runter

Nach guten drei Kilometern ist man auf einem Plateau angekommen. Der Blick ins Maisental und auf die Burgruine Hohenurach ist weit und herrlich. Wer eine Stärkung braucht, kehrt auf der Rohrauer Hütte ein. Wer noch Schwung hat, flaniert weiter am Waldrand, über Wiesen und Felder auf den Fohlenhof des Gestüts Marbachs zu. Dass man eben noch über Felsen geklettert ist und beim Anblick der Höhen der Schweiß auf der Stirn stand, ist vergessen.

Doch bevor die Sonne zu sehr brennen kann, verschwindet der Wasserfallsteig vorbei an den Koppeln schon wieder im Wald. So wie der Weg sich am vorhin durch den Wald hoch geschlängelt hat, geht es jetzt in Serpentinen bergab bis zur Kapelle Güterstein und dem namengleichen Wasserfall. Der ist deutlich kleiner als der Uracher, aber nicht weniger schön.

 

Mit dem Wasser sucht sich auch der Wanderer seinen Weg bergab. Apropos suchen: Für den Wasserfallweg braucht man weder Karte noch Navi. Alle paar Meter hängt ein Schild, verlaufen unmöglich. Die gute Ausschilderung ist ein Grund, warum der Wasserfallsteig die Auszeichnung erhielt. Wohl aber auch der gute Zustand des Weges und vor allem die abwechslungsreiche Landschaft.

Wer strammen Schrittes läuft, schafft den Wanderweg in den angegebenen drei Stunden. Dann bleibt aber keine Zeit für die vielen schönen Aus- und Weitblicke über die Alb und für eine Runde auf der Waldschaukel. Die steht inmitten der Obstbäume auf der Streuobstwiese, die sich bis ins Tal erstreckt, nachdem der Wanderer den Wald hinter sich gelassen hat. Kurz vor dem Ziel sollte man sich diese Pause auf jeden Fall gönnen. Der schaukelnde Blick fällt von hier auf die Burgruine und auf den Rutschenfelsen, auf dem man doch eben noch gesessen hat. Vielleicht hätte man dem Bub verraten sollen, dass das Beste einer Wanderung nicht unbedingt der Gipfel ist.

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