Baerbock und Habeck bei Markus Lanz „Altlinke, die dahertänzeln und geschmeidiger reden?“

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Bei Markus Lanz kochen die Emotionen hoch – nicht nur in der Talkrunde, sondern auch auf den Zuschauerrängen. Der Moderator hat sich am Donnerstag besonders angriffslustig gezeigt.

Annalena Baerbock und Robert Habeck mussten sich bei Markus Lanz viele Suggestivfragen gefallen lassen. (Archivbild) Foto: dpa
Annalena Baerbock und Robert Habeck mussten sich bei Markus Lanz viele Suggestivfragen gefallen lassen. (Archivbild) Foto: dpa

Stuttgart - Markus Lanz versprach am Anfang der Sendung: Heute werde es um Inhalte gehen. Ob seine Gäste, die grüne Doppelspitze Annalena Baerbock und Robert Habeck auf der einen Seite und der Moderator Lanz und der Publizist Wolfram Weimer auf der anderen Seite, das Versprechen eingelöst haben? Zumindest in der ersten Hälfte des Talks eher nicht. Wie auch, wenn Lanz gleich zu Beginn tief in Mottenkiste der Klischees griff und von den Grünen als den „Anarchos, den sympathischen Strickern mit den Wollsocken, die ein bisschen gegen Atomkraft sind“, sprach.

Die TV-Debatte war ein Lehrstück darüber, wie Debatten eigentlich nicht geführt werden sollten. Im Kern ging es 30 Minuten lang um die Hypothese, dass die Grünen vielleicht doch keine so netten Wollsockenstricker sein könnten, sondern im Geheimen Pläne schmiedeten, gemeinsam mit der Linkspartei die Machtübernahme im Land zu planen. Das ging Bearbock und Habeck gehörig auf die Nerven.

„Ich stelle interessiert fest, wie wir hier über Inhalte reden“, fasste Habeck trocken nach einer knappen Viertelstunde zusammen: nämlich nicht. Stattdessen gehe es nur um Spekulationen über Machtkonstellationen. Wolfram Weimer, der 2003 das konservative Politikmagazin „Cicero“ gegründet hatte, nutzte die Gelegenheit, um über die Gesinnung der 2019-Grünen zu spekulieren: „Altlinke, die dahertänzeln und geschmeidiger reden?“

Habeck: „Interessiert mich gar nicht.“

Viel schöner wurde es auch nach diesem Climax von Suggestivfrage nicht, wenn auch ein wenig unaufgeregter. Als Annalena Baerbock ansetzte, über die Abwägung zwischen Wasserstoff und Elektromobilität zu sprechen, fiel ihr Weimer sofort ins Wort: „Frau Oberlehrerin, ich höre zu! Frau Oberlehrerin.“ Überflüssig, zu sagen, dass auch die abgedroschene Vokabel „Verbotspartei“ fiel und Lanz beim Thema Grillen ein Christian-Lindner-Zitat bemühte: Wie sehr ihn „auf die Palme“ bringe, dass der FDP-Chef gesagt habe, Habeck träume von einem fleischlosen Deutschland. Habeck, noch trockener: „Interessiert mich gar nicht.“

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Ah- und Oh- und Buh-Rufe und begleiteten die Diskussion. Ein bisschen wie in der Kneipe bei einem Fußballspiel. Markus Lanz wusste das so zu interpretieren: „Wie das Publikum hier mitmacht, das zeigt doch, wie es hier heute um Inhalte geht.“ Man weiß nicht so recht, ob er sich das wirklich selber geglaubt hat.

Eine Neuigkeit mit Nachrichtenwert gab es dann schließlich doch, wenn auch ganz am Ende. Den Scoop, der Grünen-Spitze zu entlocken, wer denn nun als Kanzlerkandidat antrete, landete Lanz nicht, obwohl er pfiffig fragte, was Habeck denn dazu twittern würde. Der sagte immerhin, dass er aber definitiv wieder zusammen mit Annelena Baerbock auf den Parteivorsitz bewerben werde. Ob sich diese Doppelspitze so schnell wieder bei Markus Lanz auf die Couch setzt, bleibt abzuwarten.