Basketball-Superstar von den Cleveland Cavaliers LeBron James, der Anti-Trump

LeBron James führt die Cleveland Cavaliers von Sieg zu Sieg. Foto: AFP
LeBron James führt die Cleveland Cavaliers von Sieg zu Sieg. Foto: AFP

Der Basketball-Superstar LeBron James, der gerade in den Play-offs der nordamerikanischen Profiliga NBA für die Cleveland Cavaliers brilliert, hat sich zu einer wichtigen politischen Stimme in den USA entwickelt. Er scheut sich auch nicht davor, den US-Präsidenten Donald Trump anzugreifen.

Sport: Gerhard Pfisterer (ggp)
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Stuttgart - Schon in der Bibel war der Messias den Herrschenden ein Dorn im Auge. Heutzutage ist das nicht anders.

Der US-Präsident Donald Trump hat in seinem Land mit Widerstand zu kämpfen, selbst im eigenen Umfeld – seine eigenen Mitarbeiter wechselt er ja gefühlt öfter als manch anderer seine Unterhosen. Und sogar mit Sportlern muss er sich ständig auseinandersetzen. Also mit jenen Typen, die aus Politikersicht doch lieber ihren Mund halten und sich aufs Bällewerfen konzentrieren sollten. Zu ihnen zählt LeBron James, genannt „The Chosen One“, der Auserwählte, der Gesalbte – der Messias des Basketballs.

Während sich gerade in Europa viele Athleten darauf berufen, Sportler und nicht Politiker zu sein und sich mit Verweis darauf fein aus dem Weltgeschehen heraushalten, hält LeBron James das ganz anders. Er scheut die öffentliche Konfrontation bei Missständen nicht, im Gegenteil. Das Motto des Superstars aus der nordamerikanischen Profiliga NBA, der mit dem Vizemeister Cleveland Cavaliers zum Auftakt der Best-of-seven-Halbfinalserie der Play-offs am Sonntag (21.30 Uhr) bei den Boston Celtics gastiert, lautet: „I am more than an athlete.“ Ich bin mehr als nur ein Athlet!

Halt den Mund und dribble? Nicht mit LeBron James

Diesen Spruch postete er vor Wochen auf seinem Instagram-Account im Internet. Dem vorausgegangen waren die Kritik des Basketballers an dem Präsidenten und der Rassendiskriminierung in den USA sowie die Reaktion einer Moderatorin von Trumps Lieblingsfernsehsender Fox, die in Richtung von LeBron James keifte: „Shut up and dribble.“ Halt den Mund und dribble.

Doch den Gefallen tut LeBron James ihr (und dem Präsidenten) nicht. Er dribbelt auch munter auf dem politischen Parkett: Er hat eine Meinung und vertritt sie frei heraus, wann und wo er will – und egal, wie wichtig die Leute auch sein mögen, die er damit vergrault. Er sagt Sätze wie „Männer, Frauen, Schwarze, Weiße, Hispanics, wir haben ein schönes Land – wir dürfen uns nicht von einer Person etwas diktieren lassen“, er untermalt seine Forderung nach Gleichberechtigung schon mal mit dem Tragen eines schwarzen und eines weißen Basketballstiefels mit der Aufschrift „Equality“ und scheut sich auch nicht, Donald Trump als „Penner“ zu bezeichnen.

Rädelsführer der Protestbewegung der Football-Profiliga NFL werden kaltgestellt

Der beste und bekannteste Basketballer der Welt steht bei seiner Dauerfehde nicht alleine da. Auch andere NBA-Spitzenkräfte wie Kevin Durant und Stephen Curry vom Meister Golden State Warriors halten sich mit Kritik an den Zuständen in den USA und speziell am Präsidenten nicht zurück, ließen beispielsweise den traditionellen Besuch des Meisterteams im Weißen Haus platzen. Die Basketball-Superstars können es sich leisten. Colin Kaepernick oder nun auch Eric Reid, Rädelsführer der Niederknie-Protestbewegung in der American-Football-Profiliga NFL, wurden dagegen nach Vertragsende jeweils kaltgestellt und sind beide erfolglos auf der Suche nach neuen Clubs; Reid hat zuletzt bei der NFL offiziell Beschwerde gegen seine Ausbootung eingelegt.

LeBron James und Co. haben dagegen sportlich eine solche Ausnahmestellung, dass ihnen das nicht passieren kann. Das gilt insbesondere für den 33-Jährigen aus Cleveland, der zum achten Mal nacheinander ins NBA-Finale einziehen kann. 2016 holte er mit den Cavaliers nach seiner Rückkehr aus Miami den ersten Titel einer Profimannschaft seit 1964 nach Cleveland, womit er seiner Extraklasse eindrucksvoll eine historische Dimension verlieh.

Mitglied des elitären siebenköpfigen 30 000-Punkte-Clubs der NBA

Der insgesamt dreimalige Meister und zweimalige Olympiasieger ist so gut, dass er wohl auch jede andere Mannschaft in die Endspielserie führen könnte. Tatsächlich besiegte das Mitglied des elitären siebenköpfigen 30 000-Punkte-Clubs der NBA die Toronto Raptors im diesjährigen Viertelfinale beinahe im Alleingang, erzielte in den vier Spielen mehr Zähler und Rebounds als die zwei Stars des Gegners zusammen. Er bricht einen Rekord nach dem anderen und wird wohl jetzt auch von den verletzungsgeplagten Boston Celtics nicht zu stoppen sein. Durchschnitte von 34,3 Punkten sowie 9,4 Rebounds und 9,0 Vorlagen in den laufenden Play-offs sprechen eine deutliche Sprache.

Doch noch bemerkenswerter ist, zu was für einem Vorbild für alle Afroamerikaner LeBron James sich entwickelt hat. Einst war er ein überschwänglich selbstbewusstes Jahrhunderttalent, das sich in jungen Jahren seinen Spitznamen „The Chosen One“ auf den Rücken tätowieren ließ und mit dem zwischenzeitlichen Weggang von seinem Heimatclub nach Miami Millionen von Menschen enttäuschte. Heute ist er ein gereifter Jahrhundertspieler, der den Worten auf seinem Rücken gerecht wird. Er setzt sich für die Schwachen am Rande der Gesellschaft ein. Er ist der Auserwählte – er ist der Anti-Trump.

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