Das Landesmuseum Württemberg lässt sich Zeit mit der nächsten Sonderausstellung. Im Herbst geht es im Alten Schloss dann aber im wahrsten Wortsinn gehaltvoll zu.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - Lange war einer der Traumberufe vieler Jungen: Bauarbeiter. Wer weiß, ob sie sich von Playmobil haben inspirieren lassen. Denn in siebziger Jahren enthielten Baustellen-Sets nicht nur Werkzeuge und Schubkarren, sondern auch Bierkästen. Das Playmobil-Set ist eines der vielen kuriosen Objekte, die das Landesmuseum Württemberg derzeit zusammenträgt für seine nächste Sonderausstellung. Am 22. Oktober wird „Berauschend“ eröffnet werden, eine Kulturgeschichte des Alkohols.

Die Mitmachausstellung widmet sich dem Thema Müll

Auch wenn die aktuellen Öffnungsstrategien den Museumsbesuch leichter machen werden, wird „Berauschend“ im Alten Schloss die erste Sonderausstellung in diesem Jahr sein. Dafür ist im Oktober auch im Jungen Schloss eine neue Mitmachausstellung geplant: „Müllmonster“ befasst sich mit dem weitreichenden Thema Abfall – und spannt den Bogen von Müll in den eigenen vier Wänden bis hin zu ökologischen und sozialen Auswirkungen, die er weltweit hat. Wie immer ist auch diese Familienausstellung interaktiv – man kann seine Kenntnisse in der Mülltrennung überprüfen oder ein Müllauto betreten.

Direktorin: Auch der Museumsbesuch ist ein soziales Ereignis

Wie in den meisten Museen sind auch im Landesmuseum Württemberg die Besucherzahlen in den beiden Coronajahren dramatisch eingebrochen. Zählte man 2019 noch 272 459 Besuche, waren es im vergangenen Jahr nicht einmal 60 000. Trotzdem blickt die Direktorin Astrid Pellengahr optimistisch in die Zukunft. Es werde sicher dauern, bis sich der Normalbetrieb wieder einspiele, sagt sie. „Aber wir haben in der Gesellschaft ein großes Nachholbedürfnis nach sozialen Kontakten – und auch ein Museumsbesuch ist ein soziales Ereignis, das ich in der Regel nicht allein mache.“

Die Coronajahre hat das Museum genutzt, um seine digitalen Strategien weiter auszubauen, auch wenn man noch nicht genau weiß, welche Aktivitäten im Netz das Engagement letztlich rechnen – seien es die virtuellen Führungen durch die aktuelle „Fashion?!“-Ausstellung, Livestreams von Diskussionen, Quizformate oder 3-D-Panoramen, durch die sich Besucher virtuell bewegen können. „Wir reflektieren, wo sich der Aufwand lohnt, wo nicht“, sagt Pellengahr und schätzt, dass man zwei Jahre benötige, um besser einschätzen und bewerten zu können, wie sich die 120 000 digitalen Besuche auf der Webseite des Museums verteilen.

Der Auftritt bei „Google Arts and Culture“ wird gern genutzt

Auf dem Portal „Google Arts and Culture“ hat das Landesmuseum Württemberg inzwischen sieben Geschichten eingestellt und bereits Erfahrungen gesammelt: „Wir wissen, dass die Verweildauer vergleichsweise hoch ist und das Publikum von dort aus auf unsere Webseite kommt und auch dort noch stöbert“, sagt Pellengahr.