Besorgte Anrainer in der Stuttgarter City OB Nopper soll Kollaps der Schulstraße verhindern

Entfällt diese Rampe hoch zur Königstraße, wenn rechts davon gebaut wird? Nein, nur zu Hälfte, sagt die Investorin. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Anrainer der kleinen Fußgängerzone im Herzen von Stuttgart befürchten, durch eine Baustelle völlig von der Königstraße abgehängt zu werden. Der Investorin Signa werfen sie Irreführung vor – und fordern mehr Beistand im Rathaus.

Die Anrainer der Schulstraße im Stuttgarter Zentrum haben bei ihren Warnungen vor dem Kollaps der doppelstöckigen Fußgängerzone nachgelegt. Sie wollen, dass ihr Schicksal im Rathaus zur Chefsache wird. Am Mittwoch schickte die Interessengemeinschaft Schulstraße Stuttgart einen Brandbrief an OB Frank Nopper (CDU) und auch an Städtebaubürgermeister Peter Pätzold und die Gemeinderatsfraktionen.

 

Der Anlass: Seit ihrem ersten öffentlichen Hilferuf Mitte Mai sind die Anrainer der kleinen Fußgängerzone von der österreichischen Investorin Signa über deren Pläne für den Abriss der früheren Sport-Arena und einen Neubau an der Ecke Königstraße/Schulstraße informiert worden – und inzwischen sind sie zur Überzeugung gekommen, dass sie und die Öffentlichkeit irregeführt würden, was die Folgen der Baustelle angeht.

Die Anrainer befürchten quasi eine Vollsperrung

Ihr konkreter Vorwurf: Bei der Infoveranstaltung habe Signa den Anrainern Pläne präsentiert, wonach die barrierefreie Rampe zwischen der Königstraße und der Schulstraße in der halben Breite über die Bauzeit hinweg erhalten werden solle. Dem Baurechtsamt lägen aber zur Genehmigung andere Pläne vor. Die Interessengemeinschaft befürchtet, dass die Rampe „vier bis fünf Jahre“ ganz gesperrt, nur die Treppe zwischen der Rampe und dem früheren Kaufhaus Karstadt erhalten wird. Signa wolle auch noch einen Bauzaun „über die Rampe hinaus“ errichten. Zudem plane das Unternehmen die Galerie zu kappen, die auf dem Höhenniveau der Königstraße an den Gebäuden entlang über der Schulstraße verläuft und so auf einer zweiten Ebene Geschäfte und Lokale erschließt. Das komme fast einer Vollsperrung zwischen der Schulstraße und der Königstraße gleich. Dadurch werde auch der Zulauf zum neu gestalteten Marktplatz beeinträchtigt.

Wenn wahr werde, was Signa plane, werde der Kundenstrom in der Schulstraße abreißen, warnen die Anrainer. Das gefährde die Existenz der Unternehmen, die schon in der Pandemie gelitten hätten: „Geschäfte werden schließen müssen, und auch nach Ende des Bauvorhabens wird sich die Straße nur sehr langsam erholen, wenn überhaupt.“

Es geht auch anders, sagen die Betroffenen

Dabei wäre diese Gefahr aus Sicht der Interessengemeinschaft vermeidbar. Nach eigenen Angaben hat sie die örtlichen Verhältnisse durch ein Architekturbüro prüfen lassen. Das Fazit: Das Bauvorhaben sei auch ohne Abbruch der Galerieverbindung, ohne Abriss von öffentlichen Flächen und ohne Errichtung eines Bauzauns über die Rampe hinaus möglich. Daher mahnt die Interessengemeinschaft, die Verantwortlichen im Rathaus dürften nicht zulassen, dass ein ortsfremder Investor bei seinem Bauvorhaben auf Kosten des öffentlichen Interesses und des Einzelhandels am Aufwand für den Bauablauf spare. An dem Unternehmen, mit dem die Stadt zurzeit um das Baukonzept und um Wohnungsanteile für den Neubau des Kaufhofs an der Eberhardstraße ringt und mit dem sie auch ein rechtliches Scharmützel austrägt, üben die Schulstraßen-Anrainer harsche Kritik: „In der Vergangenheit war die Kommunikation gegenüber den Anrainern eher von Ignoranz hinsichtlich der befürchteten Schäden und Informationsrückhalt geprägt. Die eigene Profitabilität steht bei Signa im Vordergrund, ohne Rücksicht auf öffentliche Interessen und auf die Interessen anderer Anrainer.“

Heftige Vorwürfe gegen Signa

Das Unternehmen unter der Regie des Tiroler Immobilienmoguls René Benko konterte am Mittwochabend die Vorwürfe. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte ein Sprecher, die Bauzeit werde keineswegs vier oder fünf Jahre betragen. Die endgültige Baustellen-Einrichtungsfläche werde man so beantragen, wie man es den Anrainern angekündigt habe. Mit der Stadt sei abgestimmt, dass die Rampe während der Abbruch- und Neubauphase dauerhaft begehbar bleibe, somit der barrierefreie Zugang zwischen Königstraße und Schulstraße weiter bestehe. Hälftig werde die Rampe aber als Baustellen-Einrichtungsfläche benötigt, besonders zum Schutz vor herabfallenden Steinen. Der barrierefreie Zugang zur Galerie-Ebene werde erst gekappt, wenn als Ersatz ein Steg aufgebaut sei, voraussichtlich bis Ende Oktober. Auch diese Maßnahme diene der Sicherheit der Passanten. Und: „Gäbe es bautechnisch ansatzweise eine andere Lösung, würden wir diese umsetzen und nicht ein aufwendiges, temporäres Ersatzbauwerk einsetzen.“

Der Signa-Sprecher berief sich auf Abstimmungen mit der Stadtverwaltung. Die Verwaltung selbst erklärte auf Nachfrage, man habe den Brief erhalten und werde das Thema sehr sorgsam prüfen. Man nehme die Sorgen der Einzelhändler „sehr ernst“.

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