Bilanz von Kultur für alle Einschnitt bei dem Projekt Kultur für alle

Geringverdiener mit Bonuscard sind in diesen Pandemie-Zeiten auf Lebensmittelhilfen angewiesen, sie benötigen aber auch Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Geringverdiener mit Bonuscard sind in diesen Pandemie-Zeiten auf Lebensmittelhilfen angewiesen, sie benötigen aber auch Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Verein Kultur für alle konnte im vergangenen Jahr nur 3800 Karten an Geringverdiener verteilen. Die Kultureinrichtungen halten weiter an diesem Angebot fest.

Lokales: Armin Friedl (dl)
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Stuttgart - Für Kulturschaffende wie für Besucher von Kulturveranstaltungen war 2020 wegen Corona ein herbes Jahr: Vieles hat gar nicht stattgefunden, die Freude war schon groß, wenn überhaupt was ging in einem erheblich kleineren Rahmen. Das hinterlässt tiefe Spuren in den Bilanzen: Viel weniger Veranstaltungen, kaum Einnahmen, viel weniger Besucher – die Verlustzahlen liegen meist zwischen 70 und 80 Prozent.

Der Verein Kultur für alle macht da keine Ausnahme: Gerade noch 3800 Freikarten konnten da im vorigen Jahr vermittelt werden an Menschen mit wenig Geld, etwa 9000 weniger als im Jahr davor. Kultur für alle – das ermöglicht die Teilhabe auch für Geringverdiener am gesellschaftlichen und kulturellen Leben, indem verschiedenste Kultureinrichtungen ein Kontingent an Freikarten bereithalten für jene, die von der Stadt eine Bonuscard + Kultur haben. Ein Trost für die Vereins-Geschäftsführerin Eva Ringer und die Bonuscard Besitzer: Die 100 Einrichtungen in der Stadt, die sich daran beteiligen, wollen auch im weiteren Verlauf dieses Jahres am Ball bleiben.

Planetarium und Lindenmuseum am beliebtesten

Die Vorlieben der gefragtesten Einrichtungen ändern sich zwar von Jahr zu Jahr. Sie zeugen aber doch zuverlässig von einem breit gestreuten Interesse: Am beliebtesten war jetzt 2020 das Planetarium mit 750 Besuchern, gefolgt vom Lindenmuseum (358), dem Mercedes-Benz-Museum (335), dem Kunstmuseum (313) und den Schauspielbühnen (243).

Nicht alle Einrichtungen listen diese Besucher extra auf, klar ist freilich: Einrichtungen, die quasi täglich geöffnet haben, können solche Kontingente besser verteilen als jene, die nur wenige Veranstaltungen im Jahr anbieten. Letztere betrifft etwa das Lichterfest oder Jazz Open. „Da ist das Karteninteresse drei Mal so hoch wie das Angebot“, so Eva Ringer vom Verein Kultur für alle.

Kinoangebote werden sehr vermisst

Wünsche bleiben offen und Ringer arbeitet kontinuierlich daran, dass die erfüllt werden. „Dass es bei den Kinos keine Bonuscard-Angebote gibt, wird sehr bedauert“, so Eva Ringer. Manche Einrichtungen argumentieren auch damit, dass sie von sich aus kostengünstige Angebote machen, etwa die Staatstheater. Freilich: Kultur für alle baut darauf, dass ein gewisses Kartenkontigent kostenlos zur Verfügung gestellt wird für jene, die eine Bonuscard haben. Beim Staatstheater scheint da ein Umdenken stattzufinden: „Immerhin stellt uns da jetzt die Oper ein Kontingent zur Verfügung, und zwar zu den Generalproben“, so Eva Ringer. Und das hat ja schon einen ganz eigenen Reiz, mal zu beobachten, wie so eine Produktion bei der finalen Abgabe funktioniert.

Für 2021 steht natürlich der Wunsch nach Normalität an erster Stelle. Aber auch: „Hoffentlich gibt es was im Freien wie den Kulturwasen im vergangenen Jahr“, so Eva Ringer, „da wollen wir dann auch unbedingt dabei sein.“




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