Bildband über Sinatra Der verschnupfte Sinatra

„Rat Pack“ bei der Arbeit: Dean Martin, Sammy Davies Jr. und Frank Sinatra 1962 bei den Aufnahmen von „Come blow your horn“. Foto: Taschen Verlag/Phil Stern Foto:   26 Bilder
„Rat Pack“ bei der Arbeit: Dean Martin, Sammy Davies Jr. und Frank Sinatra 1962 bei den Aufnahmen von „Come blow your horn“. Foto: Taschen Verlag/Phil Stern

Winter 1965: Der Reporter Gay Talese reist nach Los Angeles, um Frank Sinatra zu interviewen. Doch dazu wird es nie kommen. Dennoch gelingt Talese ein großartiges Porträt des Sängers.

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Las Vegas - Es ist alles besprochen, doch als Gay Talese in Los Angeles eintrifft, platzt der vereinbarte Interview-Termin mit Frank Sinatra. Der Grund ist banal, der Sänger erkältet, und doch eine Katastrophe: Denn „Sinatra mit Schnupfen ist wie Picasso ohne Farbe, Ferrari ohne Sprit – nur schlimmer. Weil ihn eine Erkältung seines unbezahlbaren Juwels, seiner Stimme, beraubt“, wie der Reporter in seinem Porträt schreibt, ohne dass Sinatra auch nur zwei Sätze mit ihm gewechselt hätte.

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Denn Talese wird auch Wochen später kein Interview bekommen. „No way“ statt „My Way“. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen liefert er mit „Frank Sinatra hat einen Schnupfen“ ein Glanzstück ab – und begründet nebenbei den „New Journalism“. Eine Gattung, in der Journalismus und Literatur verschwimmen, ohne dass die Fakten darunter leiden.

Strahlende Legende in all ihren Schattierungen

Dieses Kleinod samt Skizzen, die den akribischen Schaffensprozess offenbaren, zeigt der Bildband „Frank Sinatra Has a Cold“. Dazu zahlreiche Aufnahmen, meist von Phil Stern, der Sinatra fast 40 Jahre begleiten durfte: Sinatra mit einem Hotdog, Sinatra beim Feiern mit JFK und beim Blödeln mit dem „Rat Pack“, beim Golfen mit Yul Brynner oder beim Schlipsbinden. Stern ist immer dabei und doch wie Luft, liefert alltägliche Aufnahmen eines außergewöhnlichen Mannes, ganz ohne Glamour und Filter.

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Dazu ein Text, der die strahlende Legende in all ihren Schattierungen zeigt, so nah, so detailreich, dass einem Sinatra zwischen jeder Zeile fingerschnippend entgegenzuspringen scheint. Oder wie ein befreundeter Journalist Talese in einem Brief versicherte: „Was für eine fabelhafte Geschichte über Sinatra. Du lässt alle anderen dumm aussehen, die sich zuvor daran versucht haben. Und ich bin froh, dass ich es nie versucht habe, denn ich wäre sicher keine Ausnahme.“

Info

Gay Talese, Phil Stern: Frank Sinatra has a cold. Taschen Verlag, 250 Seiten (engl. Texte), 50 Euro




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