Bosch-Areal in Rutesheim Klimafreundlich ja – aber nicht ohne Auto

Von Arnold Einholz 

Wie schon bei der Planungswerkstatt zeigen die Bürger auch bei der Online-Befragung großes Interesse an der Entwicklung des Bosch-Areals.

Wenn  die Firma Bosch 2019  ihren  langjährigen Standort in Rutesheim schließt, wird auf dem Gelände ein  neues Wohngebiet entwickelt. Foto: Stadt Rutesheim
Wenn die Firma Bosch 2019 ihren langjährigen Standort in Rutesheim schließt, wird auf dem Gelände ein neues Wohngebiet entwickelt. Foto: Stadt Rutesheim

Rutesheim - Den Rutesheimern liegt ihre Stadt am Herzen. Viele wollen mitreden und mit guten Vorschlägen und Anregungen die zukünftige Entwicklung der Kommune begleiten und sie lebenswerter machen. Das zeigt sich besonders jetzt, wenn es um die Zukunft des zentral gelegenen Bosch-Geländes geht.

Mittlerweile liegt nämlich auch die Auswertung der Online-Befragung zum Bosch-Areal vor, die bis zum 7. November auf der Homepage der Stadt gelaufen ist. „Wir haben eine außergewöhnlich hohe Beteiligung erreicht“, freut sich die Bürgermeisterin Susanne Widmaier. An der Befragung haben 247 Personen teilgenommen.

Zusammengefasst ergibt sich, dass sich die Mehrzahl der Teilnehmer ein ortsverbundenes, durchgrüntes und offenes Quartier wünscht. Das soll zum einen städtebaulich guten Anschluss an die benachbarten Flächen haben und nicht zuletzt von ortsbildprägendem Charakter sein.

„Aus den Beiträgen lässt sich herauslesen, dass das Bosch-Areal zwar klimafreundlich werden soll, doch ganz auf das Auto möchte die Mehrheit der Umfrageteilnehmer nicht verzichten“, erläutert die Bürgermeisterin. Stattdessen werde ein behutsamer Autoverkehr gewünscht, der Raum für ein sicheres Wegenetz für Radfahrer und Fußgänger bietet.

„Sozialer Mix an Bewohnern“

Was schon der Gemeinderat und die Stadtverwaltung im Vorfeld als erklärtes Ziel bekundet haben, wurde ihnen auch von den Teilnehmern an der Online-Befragung bestätigt. Angesicht des Wohnungsnotstandes sollen in dem Quartier ausreichend viele Wohnungen geschaffen werden. „Viele Befragte sprachen sich für einen sozialen Mix an Bewohnern aus, der verschiedene Einkommens- und Altersgruppen berücksichtigt“, erklärt Susanne Widmaier.

Mit einer Online-Befragung waren bis zum 7. November Ideen, Anregungen und Wünsche der Bürger für das Bosch-Areal ausgelotet worden. Inzwischen liegen die Ergebnisse der Befragung vor, und sind auf der Homepage der Stadt einsehbar.

Ende 2019 wird die Firma Bosch nach mehr als sechs Jahrzehnten im Ort ihren Standort in Rutesheim schließen und die Produktion nach Feuerbach verlegen. Die Entwürfe für das rund 2,1 Hektar große Gelände sollen in einer Mehrfachbeauftragung an mehrere Planungsbüros vergeben werden. Die Grundlage der Auslobung sind unter anderem Meinungen und Ideen der Bürger als lokale Experten. „Der Verwaltung und dem Gemeinderat war es besonders wichtig, die Bürger nicht nur über den Entwicklungsprozess zu informieren, sondern sie auch aktiv einzubinden“, sagt die Rathauschefin.

Vor diesem Hintergrund hat der Gemeinderat Anfang Oktober 2018 einstimmig den Grundsatzbeschluss für eine breite Bürgerbeteiligung an dem Vorhaben getroffen. Die Wüstenrot Haus- und Städtebau wurde von der Stadt mit der Organisation und der Durchführung der Beteiligungsverfahren beauftragt.

Vorschläge, Anregungen und Visionen

Ein erster Schritt ist am 19. Oktober eine Planungswerkstatt mit Bürgern gewesen. Die rund 40 Teilnehmer hatten sich in Gruppen zu drei verschiedenen Themen Gedanken gemacht, Vorschläge, Anregungen und Visionen erarbeitet. Auf Grundlage der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen wurde die Befragung entwickelt, die zum 7. November online gestellt war.

„Die Teilnahme war im Vergleich mit anderen Online-Beteiligungen – gerade für eine Stadt von der Größe Rutesheims – außerordentlich hoch“, ist Susanne Widmaier zufrieden. Nach der starken Beteiligung an der Planungswerkstatt zeige sich auch hier wieder, dass die Zukunft des Bosch-Areals auf großes Interesse stoße.

Wie die Ergebnisse der Planungswerkstatt werden auch die Erkenntnisse aus der Online-Befragung dem Gemeinderat vorgestellt. Der wird letztendlich über den Auslobungstext für das rund 2,1 Hektar große Gelände entscheiden. Noch im Dezember soll im Gremium ausführlich beraten und wahrscheinlich auch entschieden werden. Dann könnte im Januar des kommenden Jahres der Auslobungstext ausgegeben werden.

Mitreden bei der Gestaltung des Gebietes wird auch die „Woge“, die Wohnungsbaugesellschaft von Bosch. Denn auch der Konzern will hier Wohnungen für Mitarbeiter schaffen. Vier erfahrene Fachbüros erhalten dann vom Gemeinderat den Auftrag, nach den Vorgaben der Auslobung, in die auch die Anregungen und Visionen aus der ­Bürgerbeteiligung einfließen, das Gebiet zu überplanen. Doch das letzte Wort hat der Gemeinderat, wenn er dann im kommenden Jahr einem der vier Pläne seinen Segen gibt.