Bosch, Mahle, LBBW Corona in den Firmen auf dem Rückzug

Etliche der befragten Unternehmen bestehen in Konferenzen noch auf das Tragen von Masken – und setzen auch weiterhin auf digitale Besprechungen. F Foto: stock.adobe.com/Valerii

Zum 3. April sind die Coronabeschränkungen in den Unternehmen Baden-Württembergs weitestgehend entfallen. Dennoch sinken mit dem Ende der Erkältungssaison die Krankenzahlen. Viele Firmen behalten ihre Schutzmaßnahmen bei.

Der Wegfall der Maskenpflicht und anderer coronabedingter Einschränkungen seit dem 3. April hat offenbar zu keinem Anstieg der Krankenzahlen in der baden-württembergischen Arbeitswelt geführt. Das ergibt eine Umfrage unserer Zeitung unter großen Unternehmen und Krankenkassen im Land. „Einen Anstieg verzeichnen wir derzeit nicht – weder bei den Krankenständen noch bei den Corona-Infektionen“, sagte etwa ein Sprecher des Stuttgarter Automobilzulieferers Mahle.

 

Ähnliches berichtet auch Bosch. „Die Rate der internen Ansteckungen liegt bei uns weiterhin im sehr niedrigen einstelligen Bereich“, heißt es. Man habe aus den Mitgliedsunternehmen „keine Kenntnis von steigenden Krankenständen im April“, teilt der Verband Unternehmer Baden-Württemberg (UBW) mit. Alles andere wäre angesichts sinkender Inzidenzen verwunderlich.

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Viele Firmen berichten gar von einem Rückgang der Krankheitsfälle in den vergangenen Wochen. „Der Anteil der Krankheitsabwesenheiten ist im April gegenüber dem März deutlich gesunken“, heißt es bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Im März hatten wir coronabedingt eine spürbare Erhöhung der Krankheitsabwesenheiten verzeichnet, die sich inzwischen wieder normalisiert hat.“ Eine Sprecherin der Stuttgarter Straßenbahnen AG berichtet: „Die Zahl der registrierten Coronafälle hat bei der SSB Ende März ihren Höchststand erreicht und ist seither deutlich gefallen.“

Stefan Brockmann, Referatsleiter für Gesundheitsschutz beim Landesgesundheitsamt, führt den Rückgang der Krankmeldungen vor allem auf das Ende der Saison für Erkältungskrankheiten zurück. „Ab Mitte bis Ende April bricht die Zahl der Atemwegsinfektionen meist um bis zur Hälfte ein.“

Die Osterferien haben kaum einen Einfluss gehabt

Brockmann zufolge hat der Wegfall der Maskenpflicht zwar „unbestreitbar“ einen gegenteiligen Effekt. Es lasse sich aber nicht herausrechnen, wie sich die Zahlen bei einer Verlängerung der Coronamaßnahmen entwickelt hätten. „Das ist eine schwierige Gemengelage, bei der auch viele andere Faktoren eine Rolle spielen.“ An einen nennenswerten Einfluss der kurzen Osterferien auf die Coronainfektionen glaubt er nicht.

Ein Grund könnte auch sein, dass viele Unternehmen ihre Schutzmaßnahmen beibehalten. Bei Bosch etwa gelten nach wie vor Hygiene- und Abstandsregeln und das Tragen von Masken. Dazu biete man regelmäßig Selbsttests an. Bei den SSB wird „in zeitlich getrennten Schichten und festen Gruppen gearbeitet“, wie es heißt. Besprechungen finden möglichst noch digital statt. Auch die LBBW hat ihre betrieblichen Coronaschutzmaßnahmen „weitestgehend aufrechterhalten“. Das Gros der befragten Unternehmen, allen voran die Allianz, bietet den Beschäftigten weiter mobiles Arbeiten oder Homeoffice an.

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Ein landesweiter Überblick über den Krankenstand ist schwer zu erfassen. Die großen Krankenkassen im Land bereiten die Meldungen ihrer Versicherten in der Regel erst nach mehreren Wochen oder gar Monaten auf. So können die AOK Baden-Württemberg oder die Techniker-Krankenkasse noch keine Angaben zur aktuellen Entwicklung nach dem Fall der meisten Coronabeschränkungen machen.

Die Krankenkasse Barmer hat bereits die erste Woche nach den Öffnungen in Bezug auf Atemwegserkrankungen ausgewertet. Demnach waren rund 7000 der 760 000 Versicherten in Baden-Württemberg nach einer Covid-Diagnose arbeitsunfähig. Da die mittlere Inkubationszeit der derzeit gängigsten Sars-CoV-2-Varianten rund drei Tage beträgt, ist die Zahl aber nur begrenzt aussagefähig. Andererseits belegt auch sie den Trend fallender Krankheitszahlen, denn zwei Wochen zuvor wurden noch 8400 Krankschreibungen als Covid-Folge registriert.

Auch bei der AOK ist die Zahl der Krankmeldungen gesunken

Die AOK Baden-Württemberg hat zumindest die Entwicklung der Krankmeldungen im eigenen Unternehmen genau erfasst. Demnach meldeten sich in den ersten drei Aprilwochen im Schnitt 4,8 Prozent der 10 596 Beschäftigten krank – im März waren es noch 6,3 Prozent. Allerdings verweist auch der AOK-Experte Ralph Bier auf das Ende der Erkältungszeit und die Tendenz, dass sich Mitarbeitende im Homeoffice bei leichten Symptomen nicht zwingend krankmelden würden. „Der Einfluss des Wegfalls der Maskenpflicht kann deshalb nicht bestimmt werden“, so Bier. Möglicherweise wäre mit Maskenpflicht die Zahl der Krankmeldungen noch stärker zurückgegangen.

Derzeit sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz im Südwesten nur noch leicht, nachdem sie seit Ende März stark gefallen war. Beim Landesgesundheitsamt geht man für die kommenden Wochen von „einem langsamen und kontinuierlichen Rückgang“ der Infektionszahlen aus. „Wir erwarten einen stabilen Abwärtstrend“, sagt Brockmann, das Land überwache die Virusvarianten „engmaschig“. Seine persönliche Einschätzung sei, dass sich eher die Omikron-Variante weiter verändere, als dass es zu gefährlicheren Mutationen komme.

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Corona-Wellen

Omikron
Die aktuelle Omikron-Variante hat im Vergleich zu den Coronavarianten zuvor zu weitaus mehr Ansteckungen geführt. Während der ersten Welle im Frühjahr 2020 seien unter den 760 000 bei der Barmer in Baden-Württemberg versicherten Beschäftigten wöchentlich bis zu 940 infizierte Menschen krankgeschrieben gewesen, teilt die Krankenkasse mit. In der vierten Welle Ende des Jahres 2021 seien es bis zu 2300 gewesen. Zum Höhepunkt der fünften Welle im März sind mehr als 5500 Beschäftigte nicht mehr zur Arbeit gekommen.

Inzidenz
Derzeit geht bei den Coronafällen die 7-Tage-Inzidenz im Südwesten nur noch leicht zurück, nachdem sie seit Ende März stark gefallen war. Derzeit beträgt der Wert gut 700. Die Zahl der Patienten mit Coronasymptomen in den Krankenhäusern stagniert. dag/dpa

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