Brunnen auf den Fildern Wo man öffentlich einen Schluck nehmen kann

Von Caroline Holowiecki 

Mehr als 250 Brunnen und Wasserspiele sprudeln in ganz Stuttgart. Aus erstaunlich vielen kommt Trinkwasser. Das ist nicht selbstverständlich – im Landkreis Esslingen zum Beispiel kann aus den meisten Brunnen nicht getrunken werden.

Während man in Stuttgart stellenweise das öffentliche Wasser trinken kann, geht man in Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt leer aus. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Während man in Stuttgart stellenweise das öffentliche Wasser trinken kann, geht man in Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt leer aus. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Filder - Es läuft in Stuttgart! Mehr als 250 Brunnen und Wasserspiele sprudeln in der Stadt. Das sieht hübsch aus, ist aber auch teuer. 780 000 Euro beträgt das Brunnen-Jahresbudget allein für das Tiefbauamt. Dessen diesjähriges Hauptprojekt ist in Heumaden. Dort wird der Schwendebrunnen am Backhaus restauriert und ans Trinkwassernetz angeschlossen, weil das Schichtenwasser, aus dem er sich ehemals gespeist hat, „schlichtweg versiegt ist“, sagt Bernd Sauer, der Brunnenmeister beim Tiefbauamt.

Auch das Sandsteinmauerwerk nebenan haben Fachleute in der Mache und installieren eine Sitzauflage. Ein Restaurator widmet sich den schmiedeeisernen Teilen; ein neuer Mülleimer kommt ebenfalls hin, „weil sich dort die Leute sehr gern aufhalten“, sagt Sauer. Am 28. Juni um 11 Uhr wird der neue, alte Brunnen feierlich in Betrieb genommen.

Die Betriebskosten betragen jährlich bis zu 5000 Euro

Freilich gelten für Trinkwasserbrunnen strenge Vorgaben. Der Schwendebrunnen wird künftig über einen Knopf an der Stele zum Laufen gebracht, „damit nicht unnötig Wasser verschwendet wird“, sagt der Brunnenmeister. Überdies werden täglich drei automatische Spüleinheiten von je 15 Minuten eingetaktet, damit die Flüssigkeit nicht zu lange in den Leitungen steht und sich keine Keime bilden.

Die Betriebskosten – Wasser, Strom, Reinigung – für einen Trinkwasserbrunnen betragen nach den Worten von Sauer pro Saison 4000 bis 5000 Euro. „Die Reparaturen kommen von allein.“ Dass man sich öffentlich einen Schluck gönnen kann, ist in Stuttgart nicht selten. Nach Angaben von Sauer kann das Wasser aus etwa der Hälfte der Brunnen, die das Tiefbauamt betreut, konsumiert werden. In Möhringen seien das etwa das Schulbrünnele und der Ganzenbrunnen, in Vaihingen könne man seinen Becher an den Rathaus-, den Tierschutzbrunnen sowie das Hopfenbrünnele halten.

Der Tierschutz-Brunnen hat Paten

Für die meisten Wasserstellen ist die Stadt selbst zuständig. Das heißt, dass sich entweder das Tiefbauamt (etwa 170 Brunnen) oder das Garten-, Friedhofs- und Forstamt (etwa 60) kümmert und zwischen Mai und Oktober alle vier Wochen wartet und reinigt. Wenige Brunnen liegen zudem im Zuständigkeitsbereich der Netze BW Wasser GmbH und des Landesbetriebs Vermögen und Bau; andere sind in Privatbesitz. So unterschiedlich die Konstellationen sind – nach den Worten von Bernd Sauer laufen nahezu alle Wasserspiele in der Stadt. Den Bürgern sei das wichtig. „Mit dem Brunnen vor dem Haus identifizieren sich die Leute. Ein Brunnen ohne Wasser ist ohne Leben.“

Unterstützung gibt es von der Stiftung Stuttgarter Brünnele mit Sitz in Vaihingen. Peter H. Haller und Herbert O. Rau bewahren seit 2002 Brunnen vor Verfall und Versiegen. „Wasser ist das Wichtigste auf der Welt“, sagt Haller. Bis heute hat die Stiftung neun Brunnen komplett restaurieren lassen. „Wir lieben Stuttgart“, erklärt Rau.

Wie weit die Liebe gehen kann, sieht man am Tierschutz-Brunnen am Vaihinger Krehlplätzle. Für den hat das Duo 2010 die Patenschaft übernommen. Der Brunnen stammt aus dem Jahr 1937; eine erste Restaurierung fand 15 Jahre später statt. Bei der zweiten haben Stiftung und Tiefbauamt gemeinsame Sache gemacht und die Bronzeskulptur sowie zusätzliche Reliefs integriert. Auch in Heumaden springt die Stiftung Stuttgarter Brünnele ein. Mehrere Zehntausend Euro werden nach Angaben von Bernd Sauer insgesamt für die Instandsetzung fällig.

Anderswo sprudelt kein Trinkwasser aus den Brunnen

Während es in Stuttgart etliche Trinkwasserbrunnen gibt, ist das anderswo nicht üblich. In Leinfelden-Echterdingen existieren nach den Worten des Stadtsprechers Sven Buchmaier 23 Brunnen, die in Betrieb sind. „Bei den meisten Brunnen findet eine Wasserumwälzung mit einem entsprechenden Wasserreservoir per Pumpe statt. Bei den wenigen Brunnen, die mit Frischwasser betrieben werden, handelt es sich jedoch ebenfalls nicht um ausgewiesene Trinkwasserbrunnen.“

In Filderstadt ist es ähnlich. Nach Angaben der Sprecherin Lena Gillmeister gibt es im Ort 22 Brunnen, davon werden sechs von Quellwasser gespeist. „Viele werden auch mit Trinkwasser betrieben, aber aufgrund der fehlenden Behälter mit Umwälzung kann man nicht daraus trinken.“

Der Betrieb ist in beiden Kommunen eine städtische Aufgabe, in Filderstadt fallen pro Jahr etwa 5000 Euro für die Instandhaltung und rund 3000 Euro fürs Wasser an. Ein Nachteil im Vergleich zu Stuttgart, wo Paten finanziell aushelfen: Einige Tröge in Filderstadt – etwa der an der Ecke Unterdorf- und Mühlbachstraße – werden nur noch als Blumenbeete genutzt.

Anderswo wird demnächst investiert: An der Hebbergstraße in Plattenhardt ist die Quellwasserleitung unterbrochen und muss repariert werden; zudem ist die Druckleitung der Wasserumwälzung an der Georgstraße in Bonlanden kaputt. Auch beim Brunnen am Neuen Markt in Leinfelden sind Instandsetzungsarbeiten geplant. Derzeit laufen Abstimmungsgespräche mit dem Sohn des Künstlers und einer Fachfirma.